Über­stun­den­ver­gü­tung

Ver­langt der Arbeit­neh­mer gem. § 611 BGB Arbeits­ver­gü­tung für Arbeits­leis­tun­gen, hat er dar­zu­le­gen und – im Bestrei­tens­fall, zu bewei­sen, dass er Arbeit ver­rich­tet oder einer der Tat­be­stän­de vor­ge­le­gen hat, der eine Ver­gü­tungs­pflicht ohne Arbeit regelt.

Über­stun­den­ver­gü­tung

Da die kon­kret zu leis­ten­de Arbeit in der Regel vom Arbeit­ge­ber durch Wei­sun­gen zu bestim­men ist (§ 106 GewO), genügt der Arbeit­neh­mer sei­ner Dar­le­gungs­last, indem er vor­trägt, er habe sich zur rech­ten Zeit am rech­ten Ort bereit­ge­hal­ten, um Arbeits­an­wei­sun­gen des Arbeit­ge­bers zu befol­gen.

Auf die­sen Vor­trag muss der Arbeit­ge­ber im Rah­men einer gestuf­ten Dar­le­gungs­last sub­stan­ti­iert erwi­dern. Des­halb hat der Arbeit­ge­ber im Ein­zel­nen vor­zu­tra­gen, wel­che Arbei­ten er dem Arbeit­neh­mer zuge­wie­sen hat und ob der Arbeit­neh­mer den Wei­sun­gen nach­ge­kom­men ist. Trägt er nichts vor oder lässt er sich nicht sub­stan­ti­iert ein, gel­ten die vom Arbeit­neh­mer vor­ge­tra­ge­nen Arbeits­stun­den als zuge­stan­den 1.

Ver­langt der Arbeit­neh­mer auf­grund arbeits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung, tarif­ver­trag­li­cher Ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers oder § 612 Abs. 1 BGB Arbeits­ver­gü­tung für Über­stun­den, hat er dar­zu­le­gen und – im Bestrei­tens­fall, zu bewei­sen, dass er Arbeit in einem die Nor­mal­ar­beits­zeit über­stei­gen­den zeit­li­chen Umfang ver­rich­tet hat. Dabei genügt der Arbeit­neh­mer sei­ner Dar­le­gungs­last, indem er vor­trägt, an wel­chen Tagen er von wann bis wann Arbeit geleis­tet oder sich auf Wei­sung des Arbeit­ge­bers zur Arbeit bereit­ge­hal­ten hat. Dabei muss er dar­le­gen – und gege­be­nen­falls bewei­sen, dass die Über­stun­den aus­drück­lich oder kon­klu­dent ange­ord­net, gebil­ligt oder gedul­det wur­den. Für eine aus­drück­li­che Anord­nung von Über­stun­den muss der Arbeit­neh­mer vor­tra­gen, wer wann auf wel­che Wei­se wie vie­le Über­stun­den ange­ord­net hat 2. Auf die­sen Vor­trag muss der Arbeit­ge­ber im Rah­men einer gestuf­ten Dar­le­gungs­last sub­stan­ti­iert erwi­dern und im Ein­zel­nen vor­tra­gen, wel­che Arbei­ten er dem Arbeit­neh­mer zuge­wie­sen hat und an wel­chen Tagen der Arbeit­neh­mer von wann bis wann die­sen Wei­sun­gen – nicht – nach­ge­kom­men ist 3.

Im vor­lie­gen­den Fall hat die Arbeit­neh­me­rin hin­ge­gen nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, dass die von ihr behaup­te­ten Über­stun­den aus­drück­lich oder kon­klu­dent ange­ord­net bzw. gedul­det oder gebil­ligt wur­den. Sie hat ledig­lich pau­schal behaup­tet, dass der „Arbeits­mehr­auf­wand” durch die Objekt­lei­ter ange­ord­net wur­de. Sie hat hin­ge­gen nicht dar­ge­legt, wel­cher Objekt­lei­ter wann wel­che Mehr­ar­beits- bzw. Ver­tre­tungs­stun­den ange­ord­net hat. Inso­fern war das Arbeits­ge­richt nicht gehal­ten, dem Beweis­an­ge­bot der Arbeit­neh­me­rin nach­zu­ge­hen. Uner­heb­lich war dabei, ob die Arbeit­ge­be­rin auch die Mehr­ar­beits­stun­den nicht sub­stan­ti­iert bestrit­ten hat. Der Arbeit­neh­mer hat kein Recht, sei­ne Arbeits­kraft dem Arbeit­ge­ber auf­zu­drän­gen. Selbst unstrei­ti­ge Mehr­ar­beits­stun­den, die weder ange­ord­net noch gedul­det oder gebil­ligt wur­den, müs­sen aus die­sem Grund nicht ver­gü­tet wer­den.

Arbeits­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – 27 Ca 388/​13

  1. BAG v. 26.05.2012 – 5 AZR 347/​11 26
  2. BAG v. 10.04.2013 – 5 AZR 122/​12 16
  3. BAG v. 26.05.2012 – 5 AZR 347/​11 27