Umdeu­tung einer unzu­läs­si­gen Beru­fung in eine Anschluss­be­ru­fung

Eine unzu­läs­si­ge Beru­fung kann in eine zuläs­si­ge Anschluss­be­ru­fung im Sin­ne des § 524 ZPO umzu­deu­ten sein.

Umdeu­tung einer unzu­läs­si­gen Beru­fung in eine Anschluss­be­ru­fung

Auch im Ver­fah­rens­recht gilt ent­spre­chend § 140 BGB der Grund­satz, dass eine feh­ler­haf­te Pro­zess­hand­lung in eine zuläs­si­ge und wirk­sa­me Pro­zess­hand­lung umzu­deu­ten ist, wenn deren Vor­aus­set­zun­gen ein­ge­hal­ten sind, die Umdeu­tung dem mut­maß­li­chen Par­tei­wil­len ent­spricht und kein schutz­wür­di­ges Inter­es­se des Geg­ners ent­ge­gen­steht 1.

So liegt der Fall hier:

Die Umdeu­tung ent­spricht dem Wil­len der Beklag­ten. Die­se hat auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis des Bun­des­ar­beits­ge­richts mit­ge­teilt, ihre Beru­fung möge als Anschluss­be­ru­fung betrach­tet wer­den. Ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se des Klä­gers, das aus­nahms­wei­se der Umdeu­tung ent­ge­gen­ste­hen könn­te, ist vom Klä­ger nicht gel­tend gemacht wor­den und auch sonst nicht ersicht­lich.

Die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen des § 524 ZPO sind gewahrt. Die Anschluss­be­ru­fung wur­de vor Ablauf der Frist der Beklag­ten zur Beru­fungs­er­wi­de­rung nach § 524 Abs. 2 ZPO iVm. § 66 Abs. 1 Satz 3 ArbGG von einem Monat nach Zustel­lung der Beru­fungs­be­grün­dung des Klä­gers gemäß § 524 Abs. 3 ZPO begrün­det. Die Beru­fungs­be­grün­dung des Klä­gers wur­de der Beklag­ten am 28.03.2011 zuge­stellt. Die als Begrün­dung der Anschluss­be­ru­fung zu wer­ten­de Beru­fungs­be­grün­dung der Beklag­ten war bereits am 8.03.2011 und damit frist­ge­recht beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. März 2014 – 3 AZR 952/​11

  1. BAG 31.07.2007 – 3 AZN 326/​07, Rn.19; 12.12 2006 – 3 AZR 716/​05, Rn. 16; vgl. auch BGH 13.10.2011 – VII ZB 27/​11, Rn. 4 und 5; 30.10.2008 – III ZB 41/​08, Rn. 11; zur Umdeu­tung einer unzu­läs­si­gen Revi­si­on in eine zuläs­si­ge Anschluss­re­vi­si­on vgl. BGH 8.05.2012 – XI ZR 261/​10, Rn. 9 und 5.05.2011 – III ZR 91/​10, Rn. 24[]