Undif­fe­ren­zier­tes Leis­tungs­ent­gelt und der TvÖD

Ein Anspruch auf undif­fe­ren­zier­tes Leis­tungs­ent­gelt nach § 18 TVöD besteht nach einem Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts auch ohne Ent­gelt­an­spruch für Sep­tem­ber 2007.

Undif­fe­ren­zier­tes Leis­tungs­ent­gelt und der TvÖD

§ 18 des Tarif­ver­trags für den öffent­li­chen Dienst (TVöD) vom 13. Sep­tem­ber 2005 regelt Rah­men und Grund­sät­ze des ab dem 1. Janu­ar 2007 ein­zu­füh­ren­den Leis­tungs­ent­gelts. Die Durch­füh­rung der Vor­schrift setzt im kom­mu­na­len Bereich den Abschluss einer Betriebs- bzw. Dienst­ver­ein­ba­rung vor­aus. War eine sol­che Ver­ein­ba­rung nicht bis zum 31. Juli 2007 zustan­de gekom­men, erhiel­ten die Beschäf­tig­ten auf­grund der Rege­lung in Satz 6 der Pro­to­koll­erklä­rung Nr. 1 zu § 18 Abs. 4 TVöD (VKA) mit dem Tabel­len­ent­gelt des Monats Dezem­ber 2007 ein undif­fe­ren­zier­tes Leis­tungs­ent­gelt für das Jahr 2007. Die­ses betrug 12% des für den Monat Sep­tem­ber 2007 jeweils zuste­hen­den Tabel­len­ent­gelts. Der Bezug des Ent­gelts im Sep­tem­ber 2007 war dabei kei­ne Anspruchs­vor­aus­set­zung für das undif­fe­ren­zier­te Leis­tungs­ent­gelt. Viel­mehr war das Tabel­len­ent­gelt des Monats Sep­tem­ber 2007 ledig­lich die Bemes­sungs­grund­la­ge des Anspruchs.

Der Klä­ger des vom Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­schie­de­nen Falls ist als Müll­wer­ker bei der beklag­ten Stadt tätig. Bis zum 31. Juli 2007 wur­de für sei­nen Tätig­keits­be­reich kei­ne Dienst­ver­ein­ba­rung zur Umset­zung des § 18 TVöD (VKA) ver­ein­bart. Der Klä­ger war vom 26. Juni 2007 bis zum 10. Okto­ber 2007 arbeits­un­fä­hig erkrankt, so dass er im Sep­tem­ber 2007 kein Ent­gelt und auch kei­ne Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall erhielt. Die Beklag­te zahl­te ihm des­halb kein undif­fe­ren­zier­tes Leis­tungs­ent­gelt. Der Klä­ger begehrt für die neun Mona­te des Jah­res 2007, in denen er Ent­gelt bezo­gen hat, ein antei­li­ges undif­fe­ren­zier­tes Leis­tungs­ent­gelt von 179,55 €.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein hat die Kla­ge abge­wie­sen [1]. Die vom Klä­ger gegen die­ses Urteil ein­ge­leg­te Revi­si­on hat­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt Erfolg. Nach Sinn und Zweck der Rege­lung in Satz 6 der Pro­to­koll­erklä­rung Nr. 1 zu § 18 Abs. 4 TVöD (VKA) war das Tabel­len­ent­gelt für den Monat Sep­tem­ber 2007 nur die Bemes­sungs­grund­la­ge zur Berech­nung der Höhe des undif­fe­ren­zier­ten Leis­tungs­ent­gelts. Die undif­fe­ren­ziert aus­ge­schüt­te­ten Beträ­ge sind im Jahr 2006 erwirt­schaf­tet wor­den. Die Zah­lung hat­te für das gesam­te Jahr 2007 zu erfol­gen. Dies ver­bie­tet eine Aus­le­gung der Pro­to­koll­erklä­rung, die den Ent­gelt­be­zug in einem ein­zi­gen Monat zur Anspruchs­vor­aus­set­zung machen wür­de. Eine der­ar­ti­ge Stich­tags­re­ge­lung stün­de in kei­ner­lei Bezie­hung zum Zweck der Zah­lung des undif­fe­ren­zier­ten Leis­tungs­ent­gelts, wür­de sich damit nicht am gege­be­nen Sach­ver­halt ori­en­tie­ren und wür­de des­halb den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ver­let­zen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2010 – 6 AZR 338/​09

  1. LAG Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 03.03.2009 – 2 Sa 376/​08[]