0,15 Urlaubstage – oder: die Rundung von bruchteiligen Urlaubstagen

11. Juli 2018 | Arbeitsrecht
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts kommt ohne eine gesonderte Rundungsvorschrift eine Rundung von Bruchteilen von Urlaubstagen nicht in Betracht1.

Weder das BUrlG noch der im vorliegenden Fall einschlägige Manteltarifvertrag enthalten eine solche Rundungsregelung. Soweit die Arbeitgeberin für die Auslegung des MTV in erster Linie auf Praktikabilitätserwägungen abstellt, sind diese nicht maßgebend, da sie im Wortlaut der Tarifvorschrift keinen Niederschlag gefunden haben2.

Eine ergänzende Tarifauslegung, wie sie die Arbeitgeberin hilfsweise für angezeigt erachtet, scheidet mangels Tariflücke aus3. § 17 Abs. 1 MTV verweist für sämtliche Regelungsbereiche, für die die Tarifvertragsparteien in § 17 Abs. 2 bis Abs. 4 MTV keine eigenständige Tarifregelung geschaffen haben, auf die Vorschriften des BUrlG. Dieses enthält abgesehen von der vorliegend nicht einschlägigen Vorschrift des § 5 Abs. 2 BUrlG keine Rundungsvorschriften. Soweit die Arbeitgeberin auf eine Kommentierung des MTV durch die Tarifvertragsparteien verweist, verkennt sie, dass die Kommentierung eines Tarifvertrags nicht Bestandteil der kommentierten Tarifregelung ist.

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 8. Mai 2018 – 9 AZR 578/17

  1. vgl. zuletzt BAG 23.01.2018 – 9 AZR 200/17, Rn. 30 ff.
  2. vgl. zu den für die Auslegung eines Tarifvertrags geltenden Grundsätzen BAG 12.08.2015 – 7 AZR 592/13, Rn. 16
  3. vgl. zu den Voraussetzungen einer ergänzenden Tarifauslegung BAG 15.12 2009 – 9 AZR 795/08, Rn. 44

 
Weiterlesen auf der Rechtslupe

Weiterlesen auf der Rechtslupe:

Themenseiten zu diesem Artikel: ,
Weitere Beiträge aus diesem Rechtsgebiet: Arbeitsrecht

 

Zum Seitenanfang