Ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gun­gen

Die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses gegen­über einem Arbeit­neh­mer, des­sen Arbeits­ver­hält­nis in dem­sel­ben Betrieb oder Unter­neh­men ohne Unter­bre­chung län­ger als sechs Mona­te bestan­den hat, ist rechts­un­wirk­sam, wenn sie sozi­al unge­recht­fer­tigt ist (§ 1 Abs. 1 LSGchG).

Ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gun­gen

Sozi­al unge­recht­fer­tigt ist die Kün­di­gung, wenn sie nicht durch Grün­de, die in der Per­son oder in dem Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers lie­gen, oder durch drin­gen­de betrieb­li­che Erfor­der­nis­se, die einer Wei­ter­be­schäf­ti­gung in die­sem Betrieb ent­ge­gen­ste­hen, bedingt ist (§ 1 Abs. 2 Satz 1 LSGchG). Der Arbeit­ge­ber hat die Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, die die Kün­di­gung bedin­gen (§ 1 Abs. 2 Satz 4 LSGchG).

Eine Kün­di­gung ist aus Grün­den im Ver­hal­ten des Arbeit­neh­mers gemäß § 1 Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 LSGchG sozi­al gerecht­fer­tigt, wenn der Arbeit­neh­mer sei­ne ver­trag­li­chen Haupt- oder Neben­pflich­ten erheb­lich und in der Regel schuld­haft ver­letzt hat, eine dau­er­haft stö­rungs­freie Ver­trags­er­fül­lung in Zukunft nicht mehr zu erwar­ten steht und die Lösung des Arbeits­ver­hält­nis­ses in Abwä­gung der Inter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le ange­mes­sen erscheint 1.

Eine Kün­di­gung schei­det dage­gen aus, wenn schon mil­de­re Mit­tel und Reak­tio­nen von Sei­ten des Arbeit­ge­bers – wie etwa eine Abmah­nung – geeig­net gewe­sen wären, beim Arbeit­neh­mer künf­ti­ge Ver­trags­treue zu bewir­ken. Einer Abmah­nung bedarf es nach Maß­ga­be des auch in § 314 Abs. 2, § 323 Abs. 2 BGB zum Aus­druck kom­men­den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes nur dann nicht, wenn bereits ex ante erkenn­bar ist, dass eine Ver­hal­tens­än­de­rung auch nach Aus­spruch einer Abmah­nung nicht zu erwar­ten ist, oder die Pflicht­ver­let­zung so schwer­wie­gend ist, dass selbst deren erst­ma­li­ge Hin­nah­me durch den Arbeit­ge­ber nach objek­ti­ven Maß­stä­ben unzu­mut­bar und offen­sicht­lich (auch für den Arbeit­neh­mer erkenn­bar) aus­ge­schlos­sen ist 2.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Urteil vom 7. März 2017 – 5 Sa 79/​16

  1. BAG, Urteil vom 19.11.2015 – 2 AZR 217/​15, Rn. 24, NZA 2016, 540; BAG, Urteil vom 31.07.2014 – 2 AZR 434/​13, Rn.19, NZA 2015, 358; BAG, Urteil vom 10.04.2014 – 2 AZR 684/​13, Rn. 13, NZA 2014, 1197[]
  2. BAG, Urteil vom 19.11.2015 – 2 AZR 217/​15, Rn. 24, NZA 2016, 540; BAG, Urteil vom 31.07.2014 – 2 AZR 434/​13, Rn. 39, NZA 2015, 358[]