Ver­län­ger­te Post­lauf­zei­ten an Kar­ne­val

Zumin­dest in Mainz ist an den Kar­ne­vals­ta­gen nicht mit ver­län­ger­ten Post­lauf­zei­ten zu rech­nen, so dass bei einem gleich­wohl ver­spä­te­ten Post­ein­gang ggfs. nach § 233 ZPO Wie­der­ein­set­zung in die hier­durch ver­säum­te Frist zu gewäh­ren ist.

Ver­län­ger­te Post­lauf­zei­ten an Kar­ne­val

So auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall, in dem der Beklag­te nach Über­zeu­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz ohne sein Ver­schul­den ver­hin­dert war, die Frist zur Ein­le­gung der Beru­fung nach § 66 Abs. 1 Satz 1 ArbGG ein­zu­hal­ten:

Der Beklag­te hat­te glaub­haft gemacht, dass sein Bevoll­mäch­tig­ter einen kor­rekt adres­sier­ten und fran­kier­ten, die Beru­fungs­schrift ent­hal­ten­den Brief bereits am 06.02.2013 (Mitt­woch) der Deut­schen Post AG in der Post­fi­lia­le am Frau­en­lob­platz in Mainz über­ge­ben hat, sodass er bei nor­ma­ler Post­lauf­zeit vor Frist­ab­lauf am 11.02.2013 (Rosen­mon­tag) beim Lan­des­ar­beits­ge­richt in Mainz hät­te recht­zei­tig ein­ge­hen müs­sen. Die ver­säum­te Frist ist somit allein auf eine ver­zö­ger­te Zustel­lung zurück­zu­füh­ren. Dem Beklag­ten sind sol­che Ver­zö­ge­run­gen nicht zuzu­rech­nen. Er durf­te dar­auf ver­trau­en, dass die von der Deut­schen Post AG für den Nor­mal­fall zuge­sag­ten Post­lauf­zei­ten ein­ge­hal­ten wür­den. In sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich lag es allein, das Schrift­stück ord­nungs­ge­mäß und so recht­zei­tig auf­zu­ge­ben, dass es nach den orga­ni­sa­to­ri­schen und betrieb­li­chen Vor­keh­run­gen der Deut­schen Post AG das Lan­des­ar­beits­ge­richt in Mainz frist­ge­recht errei­chen konn­te 1.

An Wei­ber­fast­nacht (Don­ners­tag) und dem fol­gen­den Frei­tag und Sams­tag fin­det in Mainz, anders als in ande­ren Fast­nachts­hoch­bur­gen, ein wei­test­ge­hend unbe­ein­träch­tig­ter Dienst- und Geschäfts­ver­kehr statt, so dass mit einer erheb­lich ver­zö­ger­ten Post­zu­stel­lung nicht gerech­net wer­den muss. Selbst am Rosen­mon­tag wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt in Mainz von der Deut­schen Post AG mit Sen­dun­gen belie­fert.

Der Bevoll­mäch­tig­te des Beklag­ten hat die Beru­fungs­schrift so früh­zei­tig zur Post gege­ben, dass er – trotz der Fast­nachts­ta­ge – mit einem frist­ge­mä­ßen Ein­gang rech­nen durf­te. Ent­ge­gen der Ansicht des Klä­gers sind Dif­fe­ren­zie­run­gen danach, ob eine ein­ge­tre­te­ne Ver­zö­ge­rung auf einer ver­min­der­ten Dienst­leis­tung der Post (zB. von Wei­ber­fast­nacht bis Ascher­mitt­woch) beruht, unzu­läs­sig. Die Gerich­te dür­fen die Wie­der­ein­set­zung nicht mit der Begrün­dung ver­sa­gen, der Betrof­fe­ne habe nach Sach­la­ge oder erfah­rungs­ge­mäß mit einer Ver­zö­ge­rung der Sen­dung rech­nen müs­sen 2.

Der Beklag­te hat durch Vor­la­ge eides­statt­li­cher Ver­si­che­run­gen glaub­haft gemacht, dass die Beru­fungs­schrift vier Werk­ta­ge vor Ablauf der Beru­fungs­frist und damit so recht­zei­tig zu einer Post­fi­lia­le im Stadt­ge­biet von Mainz gebracht wor­den ist, dass bei nor­ma­lem Ver­lauf der Din­ge ohne wei­te­res mit der Ein­hal­tung der Beru­fungs­frist zu rech­nen war. Brie­fe wer­den im Stadt­ge­biet von Mainz inner­orts regel­mä­ßig am Tag nach dem Ein­wurf in den Brief­kas­ten zuge­stellt.

Damit lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die Wie­der­ein­set­zung vor.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land ‑Pfalz, Urteil vom 8. August 2013 – 10 Sa 66/​13

  1. BVerfG 07.01.2003 – 2 BvR 447/​02 – zu II 1 der Grün­de, NJW 2003, 1516; BAG 28.01.2010 – 2 AZR 1008/​08 Rn. 14 mwN, NZA-RR 2010, 461[]
  2. BVerfG 25.09.2000 – 1 BvR 2104/​99NJW 2001, 1566[]