Ver­let­zung der gericht­li­chen Hin­weis­pflicht – und die ver­fah­rens­recht­li­che Gegen­rü­ge

Wegen einer Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann die revi­si­ons­be­klag­te Par­tei bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Revi­si­ons­ge­richt eine auf § 139 Abs. 3 ZPO gestütz­te ver­fah­rens­recht­li­che Gegen­rü­ge erhe­ben.

Ver­let­zung der gericht­li­chen Hin­weis­pflicht – und die ver­fah­rens­recht­li­che Gegen­rü­ge

Hat die revi­si­ons­be­klag­te Par­tei kei­ne ord­nungs­ge­mäß begrün­de­te ver­fah­rens­recht­li­che Gegen­rü­ge erho­ben, kann ein Ver­stoß des Lan­des­ar­beits­ge­richts – hier: gegen die Pflicht aus § 139 Abs. 3 ZPO, auf die von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen­de Unzu­läs­sig­keit des Kla­ge­an­trags hin­zu­wei­sen – in der Revi­si­on nicht berück­sich­tigt wer­den, § 557 Abs. 3 Satz 2, § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO 1.

Die Revi­si­ons­be­klag­te ist nicht gehin­dert, wegen einer Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Revi­si­ons­ge­richt eine auf § 139 Abs. 3 ZPO gestütz­te Ver­fah­rens­rüge ("Gegen­rü­ge") zu erhe­ben 2.

Sie hat im vor­lie­gen­den Fall jedoch kei­ne aus­rei­chend begrün­de­te ver­fah­rens­recht­li­che Gegen­rü­ge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO erho­ben:

Besteht ein Ver­fah­rens­man­gel dar­in, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Anspruch auf recht­li­ches Gehör ver­letzt hat, weil es der Hin­weis­pflicht aus § 139 Abs. 3 ZPO nicht nach­ge­kom­men ist, muss kon­kret dar­ge­legt wer­den, wel­chen Hin­weis das Gericht hät­te geben müs­sen und wel­che Reak­ti­on auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis erfolgt wäre 3. Wer die Ver­let­zung des § 139 ZPO durch das Beru­fungs­ge­richt rügt, muss im Ein­zel­nen vor­tra­gen, was er auf einen ent­spre­chen­den Hin­weis vor­ge­bracht hät­te. Der zunächst unter­blie­be­ne Vor­trag muss voll­stän­dig nach­ge­holt und über die Rüge aus § 139 ZPO schlüs­sig gemacht wer­den. Hier­zu ist vor­zu­tra­gen, wel­cher tat­säch­li­che Vor­trag gehal­ten oder wel­che für die Ent­schei­dung erheb­li­chen recht­li­chen Aus­füh­run­gen gemacht wor­den wären 4. Nur so kann das Revi­si­ons­ge­richt fest­stel­len, ob die gerüg­te Ver­let­zung für das Urteil kau­sal war 5.

Der­ar­ti­ger Vor­trag der Klä­ge­rin ist nicht erfolgt. Die Rüge, die Vor­in­stanz habe nicht auf die mög­li­che Unbe­stimmt­heit des Antrags und ein etwaig feh­len­des Fest­stel­lungs­in­ter­es­se hin­ge­wie­sen, genügt nicht den Anfor­de­run­gen an eine Ver­fah­rens­rüge. Wel­chen ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Vor­trag die Klä­ge­rin bei einem Hin­weis auf die Unzu­läs­sig­keit des Fest­stel­lungs­an­trags geleis­tet hät­te, ist nicht dar­ge­legt wor­den.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. März 2016 – 5 AZR 758/​13

  1. BAG 19.10.2010 – 6 AZR 120/​10, Rn. 24[]
  2. vgl. BAG 28.09.2005 – 10 AZR 587/​04, zu III 3 a der Grün­de; BGH 6.10.2015 – KZR 87/​13, Rn. 39; Musielak/​Voit/​Ball 13. Aufl. ZPO § 551 Rn. 12; Münch­Komm-ZPO/Krü­ger 4. Aufl. § 551 Rn.20[]
  3. BAG 18.09.2014 – 6 AZR 145/​13, Rn. 34[]
  4. vgl. BAG 16.12 2010 – 2 AZR 770/​09, Rn. 10; 16.10.2013 – 10 AZR 9/​13, Rn. 46[]
  5. BAG 24.03.2009 – 9 AZR 983/​07, Rn. 32, BAGE 130, 119; 19.10.2010 – 6 AZR 120/​10, Rn. 24[]