Ver­set­zung im Fili­al­be­trieb

Ent­hält der Arbeits­ver­trag kei­ne kon­kre­ten Aus­sa­gen zum Arbeits­ort, weder bezo­gen auf eine bestimm­te Gemein­de, noch auf eine bestimm­te Regi­on, haben die Arbeits­ver­trag­par­tei­en somit kei­nen bestimm­ten Arbeits­ort bzw. kei­ne bestimm­te Beschäf­ti­gungs­re­gi­on ver­ein­bart und die Arbeit­neh­me­rin kann grund­sätz­lich gem. § 106 GewO bun­des­weit ver­setzt wer­den.

Ver­set­zung im Fili­al­be­trieb

Aus dem gesetz­li­chen Ände­rungs­schutz (§ 2 LSGchG) lässt sich nichts ande­res ablei­ten. Er knüpft an den arbeits­ver­trag­li­chen Sta­tus quo an, er gestal­tet ihn aber nicht. Was die Ver­trags­part­ner nicht ver­ein­bart haben, kann über § 2 LSGchG nicht fest­ge­schrie­ben wer­den. Ange­sichts der Fili­al­struk­tur der Arbeit­ge­be­rin kann die Arbeit­neh­me­rin auch kein Ver­trau­en dar­auf ent­wi­ckeln, die Arbeit­ge­be­rin wer­de sie dau­er­haft nur in einem bestimm­ten Umkreis ein­set­zen.

Aller­dings ist die Ver­set­zungs­ent­schei­dung der Arbeit­ge­be­rin gemäß § 315 Abs. 3 S. 1 BGB unver­bind­lich, wenn sie ent­ge­gen § 106 Satz 1 GewO nicht bil­li­gem Ermes­sen ent­spricht.

Nach § 106 Satz 1 GewO hat der Arbeit­ge­ber sein Wei­sungs­recht nach bil­li­gem Ermes­sen aus­zu­üben. Auch wenn die Ver­set­zung des Arbeit­neh­mers nach dem Arbeits­ver­trag zuläs­sig ist, muss die Aus­übung des Direk­ti­ons­rechts gem. § 106 Satz 1 GewO bil­li­gem Ermes­sen ent­spre­chen. Eine Leis­tungs­be­stim­mung ent­spricht bil­li­gem Ermes­sen, wenn die wesent­li­chen Umstän­de des Falls abge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den 1.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 12. April 2013 – 12 Sa 136/​12

  1. vgl. BAG, NZA 2011, 613, Rn. 18; ein­ge­hend: BAG, Urteil vom 13.04.2010, 9 AZR 557/​05, AP Nr. 45 zu § 307 BGB, Rn. 38, 40; BAG, NZA 2012, 1154, Rn. 29 f.[]