Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) – und die Start­gut­schrif­ten

Der Bun­des­ge­richts­hof hat auch die geän­der­te Start­gut­schrif­ten­re­ge­lung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) für ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te für unwirk­sam erklärt.

Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) – und die Start­gut­schrif­ten

Die Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) hat die Auf­ga­be, Ange­stell­ten und Arbei­tern der an ihr betei­lig­ten Arbeit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes im Wege pri­vat­recht­li­cher Ver­si­che­rung eine zusätz­li­che Alters‑, Erwerbs­min­de­rungs- und Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu gewäh­ren. Mit Neu­fas­sung ihrer Sat­zung (VBLS) vom 22. Novem­ber 2002 stell­te die Beklag­te ihr Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem rück­wir­kend zum 31. Dezem­ber 2001 (Umstel­lungs­stich­tag) von einem an der Beam­ten­ver­sor­gung ori­en­tier­ten Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem auf ein auf dem Punk­te­mo­dell beru­hen­des, bei­trags­ori­en­tier­tes Betriebs­ren­ten­sys­tem um.

Die neu­ge­fass­te Sat­zung ent­hält Über­gangs­re­ge­lun­gen zum Erhalt von bis zur Sys­tem­um­stel­lung erwor­be­nen Ren­ten­an­wart­schaf­ten. Die­se wer­den als so genann­te Start­gut­schrif­ten den Ver­sor­gungs­kon­ten der Ver­si­cher­ten gut­ge­schrie­ben. Dabei wer­den Ver­si­cher­te, deren Ver­sor­gungs­fall noch nicht ein­ge­tre­ten war, in ren­ten­na­he und ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te unter­schie­den. Grund­sätz­lich ist ren­ten­fern, wer am 1. Janu­ar 2002 das 55. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te, das betraf bei der Sys­tem­um­stel­lung ca. 1,7 Mil­lio­nen Ver­si­cher­te.

Im Novem­ber 2007 hat­te der Bun­des­ge­richts­hof die frü­he­ren Start­gut­schrif­ten für ren­ten­fer­ne Ver­si­cher­te wegen Ver­sto­ßes der zugrun­de lie­gen­den Über­gangs­re­ge­lung gegen Art. 3 Abs. 1 GG für unver­bind­lich erklärt und ins­be­son­de­re eine gleich­heits­wid­ri­ge Benach­tei­li­gung von Beschäf­tig­ten mit lan­gen Aus­bil­dungs­zei­ten bean­stan­det 1. Dar­auf­hin einig­ten sich die Tarif­ver­trags­par­tei­en in einem Ände­rungs­ta­rif­ver­trag vom 30. Mai 2011 dar­auf, die bis­he­ri­ge Rege­lung zur Ermitt­lung der Start­gut­schrif­ten im Grund­satz bei­zu­be­hal­ten, jedoch durch eine Ver­gleichs­be­rech­nung zu ergän­zen, wel­che unter näher gere­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen zu einer Erhö­hung der Start­gut­schrift ren­ten­fer­ner Ver­si­cher­ter füh­ren kann. Die Beklag­te über­nahm die­se tarif­ver­trag­li­chen Vor­ga­ben in § 79 Abs. 1a ihrer Sat­zung.

Auch die Wirk­sam­keit die­ser Neu­re­ge­lung ist umstrit­ten und mitt­ler­wei­le Gegen­stand zahl­rei­cher gegen die VBL erho­be­ner Kla­gen ren­ten­fer­ner Ver­si­cher­ter, wel­che wei­ter­hin höhe­re Start­gut­schrif­ten erstre­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he ist zu dem Ergeb­nis gelangt, die den Klä­gern erteil­ten Start­gut­schrif­ten leg­ten deren Ren­ten­an­wart­schaf­ten wei­ter­hin nicht ver­bind­lich fest, weil auch die geän­der­te Sat­zungs­re­ge­lung zur Ermitt­lung der Start­gut­schrif­ten ren­ten­fer­ner Ver­si­cher­ter gegen den Gleich­heits­satz ver­sto­ße.

Der hier­mit nun­mehr erst­mals befass­te Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Auf­fas­sung mit zwei Revi­si­ons­ent­schei­dun­gen vom heu­ti­gen Tage bestä­tigt und bean­stan­det, die in sei­nem Urteil vom 14. Novem­ber 2007 fest­ge­stell­te Ungleich­be­hand­lung wer­de auch durch die Neu­re­ge­lung der Sat­zung für eine Viel­zahl ren­ten­fer­ner Ver­si­cher­ter nicht besei­tigt. Auch die Anschluss­re­vi­si­on eines ren­ten­fer­nen Ver­si­cher­ten, der eine Start­gut­schrift nach Maß­ga­be der Über­gangs­vor­schrif­ten für ren­ten­na­he Ver­si­cher­te erstrebt hat, hat der Senat zurück­ge­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 9. März 2016 – IV ZR 9/​15 und IV ZR 168/​15

  1. BGH, Urteil vom 14. Novem­ber 2007 – IV ZR 74/​06[]