Ver­un­glimp­fen­de Befan­gen­heits­an­trä­ge

Ein Ableh­nungs­ge­such, das ledig­lich ver­un­glimp­fen­de Aus­füh­run­gen ent­hält, die zur Begrün­dung der Besorg­nis der Befan­gen­heit gänz­lich unge­eig­net sind, ist offen­sicht­lich unzu­läs­sig. Wird das Rechts­in­sti­tut der Rich­terab­leh­nung in der­art rechts­miss­bräuch­li­cher Wei­se ein­ge­setzt, fehlt dem Befan­gen­heits­ge­such ein Rechts­schutz­in­ter­es­se und es ist als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen.

Ver­un­glimp­fen­de Befan­gen­heits­an­trä­ge

In dem die­ser Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg zugrun­de lie­gen­den Ver­fah­ren macht die Klä­ge­rin einen Ein­stel­lungs­an­spruch bzw. Zah­lungs­an­spruch wegen behaup­te­ter Dis­kri­mi­nie­rung gel­tend. Das Ver­fah­ren wur­de nach Stel­lung eines Antrags auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe in der Beru­fungs­in­stanz der drit­ten Kam­mer des LAG Ham­burg zuge­wie­sen. Mit ihrem Antrag lehn­te die Klä­ge­rin zunächst den Vor­sit­zen­den der drit­ten Kam­mer ab. Nach dem Geschäfts­ver­tei­lungs­plan ist über die­sen Antrag unter Vor­sitz von Frau Dr. G.-G. zu ent­schei­den, die ihrer­seits in eben die­sem Schrei­ben von der Klä­ge­rin abge­lehnt wird, (cite)„weil sie die vom Rich­ter S. im Urteil 3 Sa 39/​14 began­ge­ne Rechts­beu­gung für kor­rekt erklärt hat. Damit hat sie auch ihre eige­ne Unge­eig­net­heit als gesetz­li­che Rich­te­rin bestätigt.“(/cite) Im ergän­zen­den Schrei­ben führt die Klä­ge­rin wei­ter aus: (cite)„Doch die Rich­te­rin Dr. G.-G. behaup­tet zu die­sen absur­den und bös­wil­li­gen Aus­füh­run­gen im Urteil 3 Sa 39/​14 auf der Sei­te 7 in ihrem Beschluss vom 13.01.2016: „Anhalts­punk­te für eine Sach­wid­rig­keit sind dem vor­ge­nann­ten Urteil nicht zu entnehmen“(cite) sowie (cite)„Damit stimmt sie den vom Rich­ter S. began­ge­nen Rechts­beu­gung und Ver­leum­dung. Sowie grund­sätz­lich sei­ner Will­kür und Absur­di­tät. Des­we­gen muss sie genau­so wie Rich­ter S. abge­lehnt werden.“(/cite)

Das Ableh­nungs­ge­such ist gemäß §§ 64 Abs. 7, 49 Abs. 1 ArbGG, § 42 ZPO unzu­läs­sig. Die von der Klä­ge­rin in ihrem Schrei­ben vom 02.02.2016 über den Vor­sit­zen­den der Kam­mer 3 gemach­ten Äuße­run­gen sind grob ver­un­glimp­fend: Die Klä­ge­rin wer­tet sei­ne Aus­füh­run­gen nicht nur als absurd und bös­wil­lig, son­dern spricht von einer began­ge­nen Rechts­beu­gung. Rechts­beu­gung ist nach § 339 StGB ein Ver­bre­chen.

Die Ableh­nung der Vor­sit­zen­den Rich­te­rin, Frau Dr. G.-G., begrün­det die Klä­ge­rin damit, dass die­se der Rechts­beu­gung und Ver­leum­dung durch die Ent­schei­dung vom 13.01.2016 zustim­me.

Dies ist nichts ande­res als ein Ableh­nungs­ge­such mit grob ver­un­glimp­fen­dem Inhalt.Das Ableh­nungs­ge­such in die­sem – wie auch in einer Viel­zahl ande­rer – Ver­fah­ren dient nur der Schmä­hung der­je­ni­gen Vor­sit­zen­den, wel­che der Rechts­auf­fas­sung der Klä­ge­rin nicht zu fol­gen ver­moch­ten. Ein Ableh­nungs­ge­such, das ledig­lich ver­un­glimp­fen­de Aus­füh­run­gen ent­hält, die zur Begrün­dung der Besorg­nis der Befan­gen­heit gänz­lich unge­eig­net sind, ist offen­sicht­lich unzu­läs­sig [1].Wird das Rechts­in­sti­tut der Rich­terab­leh­nung in der­art rechts­miss­bräuch­li­cher Wei­se ein­ge­setzt, fehlt dem Befan­gen­heits­ge­such ein Rechts­schutz­in­ter­es­se und es ist als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen [2].

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 16. März 2016 – 3 Sa 73/​15

  1. BAG 6.02.2015 – 8 AZA 15/​14 – in einer Sache der Klä­ge­rin; OLG Köln 5.07.2013 – 20 W 45/​13, 20 W 49/​13 –, OLG Karls­ru­he, 18.12 1973 – 2 Ss 222/​73 –, OLG Karls­ru­he 25.05.1973 – 1 Ws 143/​73; Zöl­ler ZPO 30. Aufl.2014 Nr. 4 zu § 45[]
  2. OLG Sach­sen-Anhalt 14.02.2006 – 10 W 2/​06[]