Ver­wir­kung – und das Umstands­mo­ment

Die Ver­wir­kung ist ein Son­der­fall der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung und soll dem Bedürf­nis nach Rechts­klar­heit die­nen.

Ver­wir­kung – und das Umstands­mo­ment

Sie hat nicht den Zweck, Schuld­ner, denen gegen­über Gläu­bi­ger ihre Rech­te län­ge­re Zeit nicht gel­tend gemacht haben, von ihrer Pflicht zur Leis­tung vor­zei­tig zu befrei­en. Des­halb kann allein der Zeit­ab­lauf die Ver­wir­kung eines Rechts nicht recht­fer­ti­gen (Zeit­mo­ment).

Es müs­sen viel­mehr beson­de­re Umstän­de sowohl im Ver­hal­ten des Berech­tig­ten als auch des Ver­pflich­te­ten hin­zu­tre­ten (Umstands­mo­ment), die es recht­fer­ti­gen, die spä­te Gel­tend­ma­chung des Rechts als mit Treu und Glau­ben unver­ein­bar und für den Ver­pflich­te­ten als unzu­mut­bar anzu­se­hen. Der Berech­tig­te muss unter Umstän­den untä­tig geblie­ben sein, die den Ein­druck erwe­cken konn­ten, dass er sein Recht nicht mehr gel­tend machen wol­le, so dass der Ver­pflich­te­te sich dar­auf ein­stel­len durf­te, nicht mehr in Anspruch genom­men zu wer­den 1.

Eine Ver­wir­kung schei­det zudem aus, wenn vom Schul­der Beklag­ten kei­ne Umstän­de vor­ge­bracht wur­den, wel­che die Annah­me recht­fer­tig­ten, ihm sei es auf­grund eige­ner Dis­po­si­tio­nen unzu­mut­bar gewor­den, die Ansprü­che des Gläu­bi­gers zu erfül­len 2.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 23. Novem­ber 2017 – 6 AZR 739/​15

  1. vgl. BAG 26.10.2016 – 5 AZR 168/​16, Rn. 41, BAGE 157, 116[]
  2. vgl. BAG 22.03.2017 – 5 AZR 424/​16, Rn. 24[]
  3. vgl. BAG 25.04.2018 – 2 AZR 493/​17, Rn. 15, BAGE 162, 317; 26.03.2015 – 2 AZR 483/​14, Rn. 37[]