Vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu § 24 BAT, die für die Nach­fol­ge­be­stim­mung des § 14 TVöD her­an­ge­zo­gen wer­den kann, ist die vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung einer höher bewer­te­ten Tätig­keit an den Regeln zu mes­sen, die der Arbeit­ge­ber bei der Aus­übung sei­nes arbeits­ver­trag­li­chen Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts (Direk­ti­ons­rechts) ent­spre­chend § 106 GewO grund­sätz­lich ein­zu­hal­ten hat.

Vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit

In einem ers­ten Schritt muss es bil­li­gem Ermes­sen ent­spre­chen, dem Arbeit­neh­mer die höher bewer­te­te Tätig­keit über­haupt zu über­tra­gen. In einem zwei­ten Schritt ist zu prü­fen, ob es bil­li­gem Ermes­sen ent­spricht, die­se Tätig­keit nur vor­über­ge­hend zu über­tra­gen ("dop­pel­te Bil­lig­keits­prü­fung"). Dabei ist unter Beach­tung aller Umstän­de des Ein­zel­falls abzu­wä­gen, ob das Inter­es­se des Arbeit­ge­bers an einer nur vor­über­ge­hen­den Über­tra­gung oder das Inter­es­se des Arbeit­neh­mers an der Bei­be­hal­tung der höher­wer­ti­gen Tätig­keit und ggf. einer höhe­ren Ver­gü­tung über­wiegt. Ins­ge­samt ist eine „dop­pel­te“ Bil­lig­keits­kon­trol­le vor­zu­neh­men, die sich bei einer vor­über­ge­hen­den Über­tra­gung höher­wer­ti­ger Tätig­kei­ten auf meh­re­re Beschäf­tig­te in einer Ver­wal­tung sowohl auf das Gesamt­kon­zept als auch auf die ein­zel­nen per­so­nen­be­zo­ge­nen Über­tra­gungs­ver­fü­gun­gen bezieht. Die Umstän­de für die ein­zel­nen vor­über­ge­hen­den Über­tra­gun­gen höher­wer­ti­ger Tätig­keit müs­sen vor dem Hin­ter­grund des Gesamt­kon­zepts deut­lich wer­den 1. Bei einer mehr­fa­chen Über­tra­gung stei­gen die Anfor­de­run­gen an die dar­zu­le­gen­den Grün­de 2.

Ent­spricht die vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung der Tätig­keit nicht bil­li­gem Ermes­sen, erfolgt die Bestim­mung der „Leis­tung“ ent­spre­chend § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung. Sie kann bei einer inte­ri­mis­ti­schen Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit auch dar­in bestehen, dass die Über­tra­gung der Tätig­keit nicht als nur vor­über­ge­hend, son­dern als auf Dau­er vor­ge­nom­men erklärt oder die zeit­li­che Dau­er anders bestimmt wird. Eine sol­che Bestim­mung kann im Ein­grup­pie­rungs­rechts­streit inzi­dent vor­ge­nom­men wer­den. Die Beweis­last dafür, dass die Aus­übung des Direk­ti­ons­rechts bil­li­gem Ermes­sen ent­spricht, trägt der­je­ni­ge, der das Leis­tungs­be­stim­mungs­recht aus­übt 3.

Nach der Rege­lung des § 22 BAT stellt die Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit auf Dau­er den Regel­fall dar, wohin­ge­gen die vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung nach § 24 BAT und § 14 TVöD die Aus­nah­me ist und des­halb eines aus­rei­chen­den Grun­des bedarf, um bil­li­gem Ermes­sen zu ent­spre­chen 4. Allein die mög­li­che Unsi­cher­heit über die Dau­er der Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit mit den über­tra­ge­nen höher­wer­ti­gen Tätig­kei­ten reicht nicht aus. Die Rege­lung des § 14 TVöD kann nicht dafür her­an­ge­zo­gen wer­den, die Unge­wiss­heit über die Dau­er der wei­te­ren Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit auf den Arbeit­neh­mer zu ver­la­gern.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 4.Juli 2012 – 4 AZR 759/​10

  1. zu § 24 BAT grdl. BAG 17.04.2002 – 4 AZR 174/​01, zu II 3 c bb (1) der Grün­de, BAGE 101, 91; wei­ter­hin 18.04.2012 – 10 AZR 134/​11, Rn.19 f., NZA 2012, 927; 17.01.2006 – 9 AZR 226/​05, Rn. 37, AP BAT‑O § 24 Nr. 6[]
  2. BAG 17.01.2006 – 9 AZR 226/​05, Rn. 46, aaO; 15.05.2002 – 4 AZR 433/​01, zu 4 c aa der Grün­de, ZTR 2003, 80[]
  3. BAG 18.04.2012 – 10 AZR 134/​11, Rn. 21, NZA 2012, 927; 15.05.2002 – 4 AZR 433/​01, zu 3 c bb (2) der Grün­de, ZTR 2003, 80; 17.04.2002 – 4 AZR 174/​01, zu II 3 c bb (2) der Grün­de, BAGE 101, 91[]
  4. BAG 17.04.2002 – 4 AZR 174/​01, zu II 3 d der Grün­de, BAGE 101, 91[]
  5. BAG 26.07.2012 – 6 AZR 701/​10, Rn.19[]