Wech­sel von der Leis­tungs­kla­ge zur Fest­stel­lungs­kla­ge

In dem Wech­sel vom Leis­tungs- zum Fest­stel­lungs­an­trag bei unver­än­der­tem Sach­ver­halt und Kla­ge­grund liegt ledig­lich eine – qua­li­ta­ti­ve – Beschrän­kung des Kla­ge­an­trags ohne Ände­rung des Kla­ge­grun­des iSd. § 264 Nr. 2 ZPO 1, er ver­än­dert in einem sol­chen Fall nicht den Streit­ge­gen­stand 2.

Wech­sel von der Leis­tungs­kla­ge zur Fest­stel­lungs­kla­ge

Die gericht­li­che Gel­tend­ma­chung eines Anspruchs erfasst grund­sätz­lich auch einen Anspruch, der als ein "Weni­ger" in ihm ent­hal­ten ist 3. Aus § 308 Abs. 1 ZPO ergibt sich damit die Ver­pflich­tung des Gerichts, bei Kla­gen, die sich auf eine bestimm­te Ein­grup­pie­rung stüt­zen, auch ohne geson­der­ten Antrag zu prü­fen, ob die Kla­ge nicht inso­weit teil­wei­se begrün­det ist, als sie auf eine nicht aus­drück­lich gel­tend gemach­te – nied­ri­ge­re – Ent­gelt­grup­pe gestützt wer­den kann. Das setzt jedoch vor­aus, dass es sich bei dem – mög­li­cher­wei­se – begrün­de­ten Teil der Kla­ge um ein "Weni­ger" und nicht um etwas ande­res, dh. ein "ali­ud", han­delt 4. Im letz­te­ren Fall bedarf es einer geson­der­ten pro­zes­sua­len Gel­tend­ma­chung durch meh­re­re Kla­ge­an­trä­ge 5. Ob es sich bei dem "gerin­ge­ren" Anspruch um ein "Weni­ger" oder ein "ali­ud" han­delt, hängt von den kon­kre­ten Umstän­den und Ansprü­chen sowie dem erkenn­ba­ren Begeh­ren der kla­gen­den Par­tei ab. Sie bestimmt den Streit­ge­gen­stand. Ihr darf vom Gericht nichts zuge­spro­chen wer­den, was nicht bean­tragt wur­de. Umge­kehrt darf die beklag­te Par­tei nicht zu etwas ande­rem ver­ur­teilt wer­den als zu dem, wor­auf sie ihre Ver­tei­di­gung ein­rich­ten muss­te 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 14. Sep­tem­ber 2016 – 4 AZR 456/​14

  1. BAG 9.12 2015 – 10 AZR 156/​15, Rn. 15[]
  2. BAG 14.12 2010 – 9 AZR 642/​09, Rn. 21[]
  3. BAG 24.02.2010 – 4 AZR 657/​08, Rn. 15; vgl. auch 6.06.2007 – 4 AZR 505/​06, Rn. 16[]
  4. BAG 21.03.2012 – 4 AZR 275/​10, Rn. 36 mwN[]
  5. vgl. BAG 23.10.2013 – 4 AZR 321/​12, Rn. 36; 25.02.2009 – 4 AZR 41/​08, Rn. 35, BAGE 129, 355[]
  6. BAG 25.02.2009 – 4 AZR 41/​08, Rn. 34, aaO; 6.06.2007 – 4 AZR 505/​06, Rn. 17 mwN[]