Wech­sel­schicht- und Schicht­zu­la­ge für Teil­zeit­be­schäf­tig­te

Die tarif­ver­trag­li­che Gewäh­rung eines ledig­lich antei­li­gen Anspruchs auf eine Wech­sel­schicht­zu­la­ge und Schicht­zu­la­ge für Teil­zeit­be­schäf­tig­te ver­stößt nicht gegen § 4 Abs. 1 Satz 1 TzB­fG.

Wech­sel­schicht- und Schicht­zu­la­ge für Teil­zeit­be­schäf­tig­te

Nach § 4 Abs. 1 Satz 1 TzB­fG darf ein teil­zeit­be­schäf­tig­ter Arbeit­neh­mer wegen der Teil­zeit­ar­beit nicht schlech­ter behan­delt wer­den als ein ver­gleich­ba­rer voll­zeit­be­schäf­tig­ter Arbeit­neh­mer, es sei denn, dass sach­li­che Grün­de eine unter­schied­li­che Behand­lung recht­fer­ti­gen. Dem­ge­mäß ist nach § 4 Abs. 1 Satz 2 TzB­fG einem teil­zeit­be­schäf­tig­ten Arbeit­neh­mer das Arbeits­ent­gelt min­des­tens in dem Umfang zu gewäh­ren, der dem Anteil sei­ner Arbeits­zeit an der Arbeits­zeit eines ver­gleich­ba­ren Voll­zeit­be­schäf­tig­ten ent­spricht (sog. Pro-rata-tem­po­ris-Grund­satz). Eine Ungleich­be­hand­lung wegen Teil­zeit­ar­beit liegt vor, wenn die Dau­er der Arbeits­zeit das Kri­te­ri­um dar­stellt, an wel­ches die unter­schied­li­che Behand­lung bei den Arbeits­be­din­gun­gen anknüpft. Voll­zeit- und Teil­zeit­kräf­te wer­den daher ungleich ver­gü­tet, wenn für jeweils die glei­che Stun­den­an­zahl nicht die glei­che Gesamt­ver­gü­tung gezahlt wird 1.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen liegt kein Ver­stoß gegen § 4 Abs. 1 Satz 1 TzB­fG vor. Viel­mehr gewährt § 20 Abs. 5 AVR DWBO einen ratier­li­chen Anspruch auf Wech­sel­schicht- und Schicht­zu­la­ge nach der jewei­li­gen Arbeits­zeit. Die Rege­lung ent­spricht dabei in dop­pel­ter Hin­sicht der gesetz­li­chen Vor­ga­be. Zum einen berück­sich­tigt sie bei dem Schwel­len­wert für die Ent­ste­hung des Zula­gen­an­spruchs, dass Teil­zeit­be­schäf­tig­te auf­grund ihrer ver­rin­ger­ten Arbeits­zeit in der Regel auch eine ver­rin­ger­te Anzahl von Nacht­ar­beits­stun­den erbrin­gen bzw. erbrin­gen kön­nen. Des­halb ist der Schwel­len­wert durch § 20 Abs. 5 Satz 2 AVR DWBO ent­spre­chend dem Anteil der Arbeits­zeit her­ab­ge­setzt 2.

Zum ande­ren macht Abs. 5 Satz 1 deut­lich, dass § 20 AVR DWBO den Teil­zeit­be­schäf­tig­ten einen antei­li­gen Anspruch auf die Zula­gen ent­spre­chend dem Anteil ihrer Arbeits­zeit gewäh­ren will. Zu den tarif­li­chen Wech­sel­schicht- und Schicht­zu­la­gen für Teil­zeit­be­schäf­tig­te im Anwen­dungs­be­reich des TVöD hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 24.09.2008 3 inso­fern aus­ge­führt: Tarif­li­che Wech­sel­schicht- und Schicht­zu­la­gen sol­len dem Arbeit­neh­mer einen finan­zi­el­len Aus­gleich dafür gewäh­ren, dass die Wech­sel­schicht- und die Schicht­ar­beit erheb­lich auf sei­nen Lebens­rhyth­mus ein­wir­ken und ihr Beginn und Ende außer­halb der all­ge­mein übli­chen Arbeits- und Geschäfts­zei­ten lie­gen. Die­ses Ziel eines Aus­gleichs hat­ten auch die Tarif­ver­trags­par­tei­en des TVöD vor Augen. Sie haben die Höhe der Wech­sel­schicht- und der Schicht­zu­la­ge in § 8 Abs. 5 Satz 1 und Abs. 6 Satz 1 TVöD unter der Über­schrift "Aus­gleich für Son­der­for­men der Arbeit" gere­gelt. Der Zweck, mit Wech­sel­schicht- und Schicht­ar­beit ver­bun­de­ne Belas­tun­gen und Erschwer­nis­se aus­zu­glei­chen, steht einer Gleich­be­hand­lung teil­zeit- und voll­zeit­be­schäf­tig­ter Arbeit­neh­mer bei der Zah­lung der Wech­sel­schicht- und der Schicht­zu­la­ge nach dem Pro-rata-tem­po­ris-Grund­satz nicht ent­ge­gen. Die Ein­schät­zung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, dass die sich aus Wech­sel­schicht- und Schicht­ar­beit erge­ben­den Erschwer­nis­se einen Teil­zeit­be­schäf­tig­ten im Ver­gleich zu einem Voll­zeit­be­schäf­tig­ten pro­por­tio­nal gerin­ger belas­ten, über­schrei­tet nicht die Gren­zen ihrer auto­no­men Rege­lungs­macht. Dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en die Höhe der monat­li­chen Zula­gen an die sich aus der Wech­sel­schicht- und Schicht­ar­beit jeweils erge­ben­de Belas­tung bin­den woll­ten und die Wech­sel­schicht- und die Schicht­zu­la­ge nach ihrem Wil­len einem Beschäf­tig­ten nicht unab­hän­gig vom Umfang der von ihm geleis­te­ten Wech­sel­schicht- und Schicht­ar­beit in vol­ler Höhe zuste­hen soll­ten, wird auch aus den Rege­lun­gen in § 8 Abs. 5 Satz 2 und Abs. 6 Satz 2 TVöD deut­lich.

Die­se Über­le­gun­gen, die in der Lite­ra­tur auf Zustim­mung gesto­ßen sind 4, gel­ten auch im Hin­blick auf § 20 AVR DWBO in der ab 1.05.2010 gül­ti­gen Fas­sung. Auch inso­weit hat die Arbeits­recht­li­che Kom­mis­si­on nun­mehr den Pro-rata-tem­po­ris-Grund­satz zur Anwen­dung gebracht und ist ersicht­lich davon aus­ge­gan­gen, dass wegen der von Teil­zeit­be­schäf­tig­ten zu erbrin­gen­den gerin­ge­ren Anzahl an Arbeits­stun­den die Belas­tung durch Wech­sel­schicht- und Schicht­ar­beit im Ver­gleich zu Voll­zeit­be­schäf­tig­ten gerin­ger ist. Zwar ver­langt § 20 AVR DWBO – anders als der TVöD – die Ableis­tung einer gewis­sen Anzahl von Nacht­ar­beits­stun­den; die­se ist aber für Teil­zeit­be­schäf­tig­te eben­falls nach dem Ver­hält­nis ihrer Arbeits­zeit her­ab­ge­setzt. Dies zeigt, dass § 20 AVR DWBO nicht (mehr) schwer­punkt­mä­ßig die Belas­tun­gen durch Nacht­ar­beit aus­glei­chen will, son­dern an die grund­sätz­li­chen Belas­tun­gen durch Wech­sel­schicht- bzw. Schicht­ar­beit anknüpft. Damit unter­schei­det sich die Rege­lung deut­lich von § 33a BAT und dem die­sem nach­ge­bil­de­ten § 20 AVR DWBO aF. Dort wur­de gera­de nicht danach unter­schie­den, wel­che Arbeits­zeit der ein­zel­ne Arbeit­neh­mer ins­ge­samt zu erbrin­gen hat, son­dern bestand auch für Teil­zeit­be­schäf­tig­te erst ab der Leis­tung von 40 Nacht­ar­beits­stun­den über­haupt die Mög­lich­keit, in den Genuss der Zula­gen zu kom­men. Des­halb hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu die­ser Tarif­re­ge­lung die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass sie an eine Belas­tung anknüpf­te, der Teil­zeit­be­schäf­tig­te in glei­cher Wei­se wie Voll­zeit­be­schäf­tig­te aus­ge­setzt waren 5. Dies ist bei der vor­lie­gen­den Rege­lung nicht der Fall.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2013 – 10 AZR 4/​12

  1. BAG 23.02.2011 – 10 AZR 299/​10, Rn. 21 f.; 19.10.2010 – 6 AZR 305/​09, Rn. 18, BAGE 136, 62; 24.09.2008 – 10 AZR 634/​07, Rn. 21, BAGE 128, 21[]
  2. vgl. zu die­sem Erfor­der­nis für teil­zeit­be­schäf­tig­te Beam­te: BVerwG 26.03.2009 – 2 C 12.08[]
  3. BAG – 10 AZR 634/​07, Rn.19, BAGE 128, 21[]
  4. vgl. zB Arnold/​Gräfl/​Rambach TzB­fG 3. Aufl. § 4 TzB­fG Rn. 28; ErfK/​Preis 13. Aufl. § 4 TzB­fG Rn. 45; Laux/​Schlachter/​Laux TzB­fG 2. Aufl. § 4 Rn. 171, 175; Sie­vers TK-TzB­fG 4. Aufl. § 4 Rn. 35[]
  5. BAG 23.06.1993 – 10 AZR 127/​92, zu 4 b der Grün­de, BAGE 73, 307[]