Wech­sel­schicht­zu­la­ge im Urlaub

Nach den Rege­lun­gen des Tarif­ver­trags für den öffent­li­chen Dienst in der für kom­mu­na­le Kran­ken­häu­ser gel­ten­den Fas­sung (TVöD-K) haben Beschäf­tig­te, die stän­dig Wech­sel­schicht­ar­beit leis­ten, Anspruch auf eine Zula­ge von 105,00 Euro monat­lich. Beschäf­tig­te, die stän­dig Schicht­ar­beit leis­ten, erhal­ten 40,00 Euro monat­lich. Wech­sel­schicht­ar­beit ist die Arbeit nach einem Schicht­plan/​Dienst­plan, der einen regel­mä­ßi­gen Wech­sel der täg­li­chen Arbeit in Wech­sel­schich­ten vor­sieht, bei denen der Beschäf­tig­te längs­tens nach Ablauf eines Monats erneut zu min­des­tens zwei Nacht­schich­ten her­an­ge­zo­gen wird.

Wech­sel­schicht­zu­la­ge im Urlaub

Der Klä­ger eines jetzt vom Bun­des­ar­beits­ge­richt in Erfurt ent­schie­de­nen Rechts­streits ist als Kran­ken­pfle­ger in Wech­sel­schicht bei der Beklag­ten tätig. Die Beklag­te legt bis zum 15. eines jeden Monats die Ein­tei­lung der Arbeit­neh­mer für den Fol­ge­mo­nat fest. Der Klä­ger hat­te von Mit­te August 2006 bis Mit­te Sep­tem­ber 2006 Erho­lungs­ur­laub. Er hat des­we­gen erst nach mehr als einem Monat wie­der in Nacht­schich­ten gear­bei­tet. Ohne urlaubs­be­ding­te Frei­stel­lung wäre er spä­tes­tens nach Ablauf eines Monats erneut zu min­des­tens zwei Nacht­schich­ten her­an­ge­zo­gen wor­den. Die Arbeit­ge­be­rin hat dem Klä­ger für den Monat Sep­tem­ber 2006 nur die Zu lage für stän­di­ge Schicht­ar­beit, nicht aber die für stän­di­ge Wech­sel­schicht­ar­beit gezahlt. Die Dif­fe­renz macht er im vor­lie­gen­den Rechts­streit gel­tend.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat – anders als in der Vor­in­stanz das Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg 1 – der Kla­ge des Arbeit­neh­mers statt­ge­ge­ben:

Fällt eine tarif­lich für den Zula­gen­an­spruch gefor­der­te Schicht nur des­halb aus, weil der Beschäf­tig­te wegen der Gewäh­rung von Erho­lungs­ur­laub oder aus ande­ren in § 21 TVöD‑K genann­ten Grün­den (z. B. Arbeits­un­fä­hig­keit wäh­rend des Ent­gelt­fort­zah­lungs­zeit­raums) von der Ver­pflich­tung zur Erbrin­gung der Arbeits­leis­tung frei ist, so steht dies dem Anspruch auf die Zula­ge für stän­di­ge Wech­sel­schicht­ar­beit nicht ent­ge­gen. Ent­schei­dend ist, ob der Beschäf­tig­te ohne die Arbeits­be­frei­ung die gefor­der­ten Schich­ten geleis­tet hät­te. Den tarif­li­chen Rege­lun­gen lässt sich nicht mit der erfor­der­li­chen Deut­lich­keit ein Abwei­chen von den Bestim­mun­gen des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes oder des Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­set­zes zu Las­ten der Beschäf­tig­ten ent­neh­men. Die Rechts­la­ge hat sich inso­weit gegen­über der frü­he­ren tarif­li­chen Rege­lung des Bun­des-Ange­stell­ten­ta­rif­ver­trags (BAT) ver­än­dert.

Neben die­ser Kla­ge hat­ten heu­te noch zwei wei­te­re Ver­fah­ren mit ähn­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen in der Revi­si­on vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt – mit der glei­chen Begrün­dung – Erfolg.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urtei­le vom 24. März 2010 – 10 AZR 58/​09, 10 AZR 152/​09 und 10 AZR 570/​09

  1. LAG Nürn­berg, Urteil vom 18.12.2008 – 5 Sa 716/​07[]