Weih­nachts­ge­schen­ke im Ver­sand­han­del – und kei­ne Sonn­tags­ar­beit am 4. Advent

Die Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten zwei­er Logis­tik­zen­tren in Rhein­berg und Wer­ne sind auch in zwei­ter Instanz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter mit ihren Begeh­ren geschei­tert, an den bei­den letz­ten Advents­sonn­ta­gen zur Bewäl­ti­gung des Weih­nachts­ge­schäfts Arbeit­neh­mer beschäf­ti­gen zu dür­fen.

Weih­nachts­ge­schen­ke im Ver­sand­han­del – und kei­ne Sonn­tags­ar­beit am 4. Advent

Die zustän­di­gen Bezirks­re­gie­run­gen Düs­sel­dorf und Arns­berg hat­ten zwar für den drit­ten und vier­ten Advents­sonn­tag jeweils Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen nach dem Arbeits­zeit­ge­setz erteilt. Nach­dem jedoch die Gewerk­schaft ver.di hier­ge­gen jeweils geklagt hat­te, durf­ten die Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten von die­sen Bewil­li­gun­gen für den noch bevor­ste­hen­den vier­ten Advents­sonn­tag kei­nen Gebrauch mehr machen. Mit ihren Begeh­ren, die sofor­ti­ge Voll­zie­hung der Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen anzu­ord­nen, blie­ben die Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten jeweils in bei­den Instan­zen ohne Erfolg.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist bei sei­nen Ent­schei­dun­gen eben­so in der Vor­in­stanz die Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf1 und Gel­sen­kir­chen2 davon aus­ge­gan­gen, dass die erteil­ten Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen rechts­wid­rig sei­en: Aus den Anga­ben der Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten erge­be sich nicht, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Aus­nah­me vom Sonn­tags­ar­beits­ver­bot vor­lä­gen.

Eine sol­che Aus­nah­me kom­me nach dem Arbeits­zeit­ge­setz unter Berück­sich­ti­gung des ver­fas­sungs­recht­lich abge­si­cher­ten Sonn- und Fei­er­tags­schut­zes nur in Betracht, wenn beson­de­re Ver­hält­nis­se dies zur Ver­hü­tung eines unver­hält­nis­mä­ßi­gen Scha­dens erfor­der­ten. Hier­durch wür­den auch die Anfor­de­run­gen gesteu­ert, die an das gebo­te­ne Bemü­hen des betrof­fe­nen Unter­neh­mens zu stel­len sei­en, Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit zu ver­mei­den.

Das von den Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten in ihren Bewil­li­gungs­an­trä­gen dar­ge­leg­te und als sol­ches bezeich­ne­te „Geschäfts­mo­dell”, das Kun­den­wün­sche nach spon­ta­ner Belie­fe­rung von Weih­nachts­ge­schen­ken unein­ge­schränkt zu befrie­di­gen ver­su­che und sie durch die Zusa­ge kür­zes­ter Lie­fer­fris­ten – der Anteil der kos­ten­pflich­ti­gen Express-Bestel­lun­gen lie­ge nach Anga­ben der Betrei­be­rin des Logis­tik­zen­trums Rhein­berg bei 75 % – noch beför­de­re, tra­ge dem Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge nicht die gebo­te­ne Rech­nung. Die erkenn­bar ohne Rück­sicht auf den Sonn- und Fei­er­tags­schutz abge­ge­be­nen Lie­fer­zu­sa­gen inner­halb kür­zes­ter Fris­ten ver­stärk­ten und erzeug­ten Eng­päs­se in der Bewäl­ti­gung des Auf­trags­vo­lu­mens, denen der Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge nicht wei­chen müs­se.

Auf die Ver­let­zung der ein­schlä­gi­gen dem Sonn­tags­schutz die­nen­den Vor­schrif­ten des Arbeits­zeit­ge­set­zes kön­ne sich auch die Gewerk­schaft ver.di beru­fen. Denn sie wer­de in ihren Grund­rech­ten aus Art. 9 Abs. 1 und Abs. 3 GG ver­letzt, wenn – wie hier – mit einer rechts­wid­ri­gen Aus­nah­me­be­wil­li­gung die aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 139 WRV fol­gen­den Min­dest­an­for­de­run­gen an den Sonn­tags­schutz unter­schrit­ten wür­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len – Beschlüs­se vom 18. Dezem­ber 2015 – 4 B 1463/​15 und 4 B 1465/​15

  1. VG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 17.12.2015 – 15 L 4019/​15
  2. VG Gel­sen­kir­chen – 16 L 2500/​15