Wenn das Wachpersonal den zu sichern­den Bereich ver­lässt

Verlässt ein Sicherheitsmitarbeiter ohne Grund für eine erheb­li­che Zeitspanne einen beson­ders zu sichern­den Bereich, in dem er für die Ausgangskontrolle zustän­dig ist, kann ihm frist­los gekün­digt wer­den.

Wenn das Wachpersonal den zu sichern­den Bereich ver­lässt

Mit die­ser Begründung hat das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die außer­or­dent­li­che Kündigung eines Mitarbeiters eines Wach- und Sicherheitsgewerbes ent­ge­gen der Entscheidung des Arbeitsgerichts als recht­mä­ßig ange­se­hen. Die Arbeitgeberin setz­te den Arbeitnehmer bei der Kontrolle des Ausgangs des Produktionsbereichs einer Münzprägeanstalt ein. Der Produktionsbereich wur­de durch ein Drehkreuz gesi­chert. Die Mitarbeiter konn­ten das Drehkreuz öff­nen, sofern es nicht durch einen Zufallsgenerator gesperrt wur­de; sie wur­den bei einer Sperrung einer Personenkontrolle durch das Wachpersonal unter­zo­gen. Der Arbeitnehmer schal­te­te den Zufallsgenerator aus und ver­ließ den Kontrollbereich, ohne für einen Ersatz zu sor­gen. Er hielt sich anschlie­ßend aus pri­va­ten Gründen län­ge­re Zeit bei einem Mitarbeiter der Münzprägeanstalt auf, von dem er den Rest eines Kunststoffrohrs ohne den vor­ge­schrie­be­nen Begleitschein ent­ge­gen­nahm und es in sein Kraftfahrzeug brach­te. Während sei­ner Abwesenheit konn­te der Produktionsbereich unkon­trol­liert ver­las­sen wer­den. Wenige Tage spä­ter stell­te die Münzprägeanstalt einen Verlust von Gold im Wert von ca. 74.000,00 EUR fest. Die Arbeitgeberin kün­dig­te das Arbeitsverhältnis aus wich­ti­gem Grund.

Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg habe der Arbeitnehmer den von ihm zu sichern­den Bereich ohne jede Veranlassung für einen erheb­li­chen Zeitraum preis­ge­ge­ben, als er nach einer Veränderung der Kontrolleinrichtung den Kontrollbereich ver­ließ, ohne einen Ersatz her­bei­zu­ru­fen. Er habe damit das beson­de­re Sicherungsinteresse der Münzprägeanstalt ver­letzt, für das der Arbeitgeber ein­zu­ste­hen habe. Mit der uner­laub­ten Mitnahme eines Gegenstandes habe der Arbeitnehmer zudem ein Verhalten an den Tag gelegt, das mit sei­ner Beschäftigung habe ver­hin­dert wer­den sol­len. Angesichts die­ser schwer­wie­gen­den Pflichtverletzungen sei es dem Arbeitgeber nicht zuzu­mu­ten gewe­sen, den Arbeitnehmer abzu­mah­nen und ihn anschlie­ßend wie­der als Sicherheitsmitarbeiter zu beschäf­ti­gen; er habe viel­mehr das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist been­den dür­fen.

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 9. September2015 – 17 Sa 810/​15