Wenn die Ver­set­zung am Betriebs­rat schei­tert

Bin­det der Arbeit­ge­ber sich bei der Aus­übung sei­nes Wei­sungs­rechts dahin­ge­hend, den Arbeit­neh­mer bei Vor­lie­gen der fach­li­chen und per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen in bestimm­ter Wei­se ein­zu­set­zen, ist er nicht gehin­dert, von dem Ein­satz abzu­se­hen, falls der Betriebs­rat for­mal wirk­sam sei­ne erfor­der­li­che Zustim­mung zu einer damit ver­bun­de­nen Ver­set­zung ver­wei­gert. Der Arbeit­ge­ber ist nicht ver­pflich­tet, ein Zustim­mungs­erset­zungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren.

Wenn die Ver­set­zung am Betriebs­rat schei­tert

Nach § 106 Satz 1 GewO kann der Arbeit­ge­ber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeits­leis­tung nach bil­li­gem Ermes­sen näher bestim­men, soweit die­se Arbeits­be­din­gun­gen nicht durch Arbeits­ver­trag, Bestim­mun­gen einer Betriebs­ver­ein­ba­rung, eines anwend­ba­ren Tarif­ver­tra­ges oder gesetz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt sind. Die Rege­lung in § 106 Satz 1 GewO trägt der Gege­ben­heit Rech­nung, dass Arbeits­ver­trä­ge nur eine rah­men­mä­ßig umschrie­be­ne Leis­tungs­pflicht fest­le­gen kön­nen 1. Das gesetz­li­che Wei­sungs­recht ermög­licht es dem Arbeit­ge­ber, die­se rah­men­mä­ßig umschrie­be­ne Leis­tungs­pflicht im Ein­zel­nen nach zeit­li­cher Ver­tei­lung, Art und Ort unter Beach­tung des bil­li­gen Ermes­sens zu kon­kre­ti­sie­ren 2. Der Arbeit­ge­ber kann das ihm zuste­hen­de Ermes­sen im Wege der Selbst­bin­dung ein­schrän­ken, z.B. wenn der Arbeit­ge­ber die end­gül­ti­ge Über­tra­gung einer höher­wer­ti­gen Tätig­keit an bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen knüpft. In die­sem Fall ver­hiel­te er sich wider­sprüch­lich und ver­stie­ße damit gegen das in § 242 BGB nie­der­ge­leg­te Gebot von Treu und Glau­ben, wenn er bei Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zung ohne das Hin­zu­tre­ten neu­er Umstän­de von sei­ner ursprüng­li­chen Ent­schei­dung Abstand näh­me 3.

Die Selbst­bin­dung bei Aus­übung des Wei­sungs­rechts nach § 106 GewO geht nur so weit, wie es ihr recht­li­cher Aus­gangs­punkt erfor­dert: Nur in dem Umfang der Arbeit­neh­mer das Ver­hal­ten des Arbeit­ge­bers berech­tigt als wider­sprüch­lich anse­hen kann, ist der Arbeit­ge­ber durch die Selbst­bin­dung gehin­dert, von der sei­tens des Arbeit­neh­mers erstreb­ten Aus­übung des Wei­sungs­rechts abzu­se­hen.

Geht es um die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Zustim­mung des Betriebs­rats zu einer per­so­nel­len Ein­zel­maß­nah­me im Sin­ne der §§ 99 ff. BetrVG, kann der Arbeit­neh­mer – ohne beson­de­re Umstän­de – nicht davon aus­ge­hen, dass der Arbeit­ge­ber sich hin­sicht­lich sei­nes Ver­hal­tens gegen­über dem Betriebs­rat selbst bin­den wol­le. Kein Arbeit­neh­mer kann ohne beson­de­re Umstän­de dar­auf ver­trau­en, dass der Arbeit­ge­ber sich ohne wei­te­res ver­pflich­ten wol­le, gegen­über dem Betriebs­rat einen recht­li­chen Kon­flikt durch­zu­ste­hen ledig­lich des­halb, weil er die­sen gewin­nen wür­de. Eine der­ar­ti­ge Her­an­ge­hens­wei­se wider­sprä­che einer ratio­na­len und die Funk­ti­on des Betriebs­rats als Organ der Betriebs­ver­fas­sung ach­ten­den Vor­ge­hens­wei­se des Arbeit­ge­bers. Um eine der­art weit­ge­hen­de Selbst­bin­dung des Arbeit­ge­bers gegen­über einem ein­zel­nen Arbeit­neh­mer anzu­neh­men, müs­sen beson­de­re Anhalts­punk­te gege­ben sein.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 16. März 2010 – 3 AZR 31/​09

  1. BAG 13.03.2007 – 9 AZR 433/​06, AP BGB § 307 Nr. 26[]
  2. vgl. BAG 15.09.2009 – 9 AZR 757/​08, EzA GewO § 106 Nr. 4[]
  3. vgl. BAG 17.12.1997 – 5 AZR 332/​96, BAGE 87, 311[]