Wenn statt des Lan­des als Arbeit­ge­ber ver­klag­te Behör­de

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 1 ZPO muss die Kla­ge­schrift die Bezeich­nung der Par­tei­en ent­hal­ten. Ist die Bezeich­nung nicht ein­deu­tig, ist die Par­tei durch Aus­le­gung zu ermit­teln 1.

Wenn statt des Lan­des als Arbeit­ge­ber ver­klag­te Behör­de

Dabei sind nicht nur die im Rubrum der Kla­ge­schrift ent­hal­te­nen Anga­ben, son­dern auch die Kla­ge­be­grün­dung sowie der Kla­ge­schrift bei­gefüg­te Anla­gen zu berück­sich­ti­gen 2.

Auch bei äußer­lich ein­deu­ti­ger, aber offen­kun­dig unrich­ti­ger Bezeich­nung ist grund­sätz­lich die­je­ni­ge Per­son als Par­tei anzu­se­hen, die erkenn­bar mit der Par­tei­be­zeich­nung gemeint ist 3. Die Berich­ti­gung einer offen­sicht­lich unrich­ti­gen Par­tei­be­zeich­nung ist wäh­rend des gesam­ten Ver­fah­rens mög­lich.

Danach hat die Arbeit­neh­me­rin in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ihre Befris­tungs­kon­troll­kla­ge von Anfang an gegen den Frei­staat Thü­rin­gen gerich­tet. Zwar hat die Klä­ge­rin in der Kla­ge­schrift das Thü­rin­ger Lan­des­ver­wal­tungs­amt als beklag­te Par­tei bezeich­net. Der Kla­ge­schrift waren jedoch die Arbeits­ver­trä­ge bei­gefügt, die sie mit dem Frei­staat Thü­rin­gen geschlos­sen hat­te.

Ver­trags­ar­beit­ge­ber ist schon aus Rechts­grün­den der Frei­staat Thü­rin­gen und nicht das Lan­des­ver­wal­tungs­amt als des­sen Behör­de. Trä­ge­rin öffent­li­cher und pri­va­ter Rech­te und Pflich­ten und als sol­che rechts- sowie par­tei­fä­hig ist die öffent­lich-recht­li­che Gebiets­kör­per­schaft, vor­lie­gend also der Frei­staat Thü­rin­gen.

Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht bei der Bezeich­nung des Pas­siv­ru­brums berück­sich­tigt. Durch die erst im zwei­ten Rechts­zug und nach Ablauf der Drei­wo­chen­frist des § 17 Satz 1 TzB­fG erfolg­te Berich­ti­gung der Par­tei­be­zeich­nung wur­den kei­ne pro­zes­sua­len Rech­te des beklag­ten Frei­staa­tes ver­kürzt. Die­ser hat­te durch sei­nen Ver­tre­ter, das Thü­rin­ger Lan­des­ver­wal­tungs­amt, von Anfang an Kennt­nis von der pro­zes­sua­len Inan­spruch­nah­me durch die Arbeit­neh­me­rin. Er hat hier­ge­gen auch kei­ne Ein­wen­dun­gen erho­ben, son­dern selbst die Beru­fung gegen das erst­in­stanz­li­che Urteil im eige­nen Namen ein­ge­legt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 21. August 2019 – 7 AZR 572/​17

  1. BAG 20.02.2014 – 2 AZR 248/​13, Rn. 15, BAGE 147, 227[]
  2. BAG 20.01.2010 – 7 AZR 753/​08, Rn. 13, BAGE 133, 105; 1.03.2007 – 2 AZR 525/​05, Rn. 13; BGH 29.03.2017 – VIII ZR 11/​16, Rn.20, BGHZ 214, 294[]
  3. BAG 20.01.2010 – 7 AZR 753/​08, Rn. 13, aaO; 1.03.2007 – 2 AZR 525/​05, Rn. 12 mwN; BGH 29.03.2017 – VIII ZR 11/​16, Rn.19, aaO; 24.01.1952 – III ZR 196/​50BGHZ 4, 328[]