Wie­der­ho­lungs­kün­di­gung

Eine Kün­di­gung kann nicht erfolg­reich auf Grün­de gestützt wer­den, die der Arbeit­ge­ber schon zur Begrün­dung einer vor­her­ge­hen­den Kün­di­gung vor­ge­bracht hat und die in dem über die­se geführ­ten Pro­zess mit dem Ergeb­nis mate­ri­ell geprüft wor­den sind, dass sie eine sol­che Kün­di­gung nicht tra­gen. Mit einer Wie­der­ho­lung der frü­he­ren Kün­di­gung ist der Arbeit­ge­ber in die­sem Fall aus­ge­schlos­sen.

Wie­der­ho­lungs­kün­di­gung

Eine Prä­k­lu­si­ons­wir­kung ent­fal­tet die Ent­schei­dung über die frü­he­re Kün­di­gung aller­dings nur bei iden­ti­schem Kün­di­gungs­sach­ver­halt. Hat sich die­ser wesent­lich geän­dert, darf der Arbeit­ge­ber ein wei­te­res Mal kün­di­gen 1. Das gilt auch bei einem sog. Dau­er­tat­be­stand 2.

Ein ande­rer Kün­di­gungs­sach­ver­halt liegt auch in die­sem Fall nur vor, wenn sich die tat­säch­li­chen Umstän­de, aus denen der Arbeit­ge­ber den Kün­di­gungs­grund ablei­tet, wesent­lich ver­än­dert haben 3. Die Prä­k­lu­si­ons­wir­kung tritt fer­ner dann nicht ein, wenn die frü­he­re Kün­di­gung bereits aus for­mel­len Grün­den, also etwa wegen der nicht ord­nungs­ge­mä­ßen Betei­li­gung der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung für unwirk­sam erklärt wor­den ist 4.

Der Umstand, dass die Beklag­te den Betriebs­rat erneut um Zustim­mung zur Umgrup­pie­rung des Klä­gers ersucht und nach Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung ein wei­te­res Ver­fah­ren auf Erset­zung der Zustim­mung ein­ge­lei­tet hat, wel­ches der­zeit beim Bun­des­ar­beits­ge­richt anhän­gig ist 5, führt nicht dazu, dass die Bin­dungs­wir­kung der Vor­ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts für die vor­lie­gen­de Ände­rungs­kün­di­gung ent­fal­len wäre.

Bei Ein­stel­lun­gen und Ver­set­zun­gen ist es dem Arbeit­ge­ber zwar grund­sätz­lich unbe­nom­men, nach rechts­kräf­ti­gem Unter­lie­gen im Zustim­mungs­erset­zungs­ver­fah­ren die auf das glei­che Ziel gerich­te­te per­so­nel­le Maß­nah­me erneut nach Maß­ga­be von § 99 Abs. 1 Satz 1 BetrVG ein­zu­lei­ten und erfor­der­li­chen­falls gemäß § 99 Abs. 4 BetrVG die gericht­li­che Erset­zung der Zustim­mung des Betriebs­rats zu bean­tra­gen 6. Durch die rechts­kräf­ti­ge Ableh­nung der Zustim­mungs­erset­zung in einem vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren ist der Aus­gang eines wei­te­ren Erset­zungs­ver­fah­rens auch nicht prä­ju­di­ziert 7. Bei den erneu­ten Anträ­gen han­delt es sich um neue, pro­zes­su­al eigen­stän­di­ge Gegen­stän­de 8.

Im Ver­fah­ren auf Erset­zung der Zustim­mung des Betriebs­rats zu einer Ein- oder Umgrup­pie­rung ent­fal­tet aber die Rechts­kraft einer gericht­li­chen Ent­schei­dung bei gleich­blei­ben­dem Sach­ver­halt Bin­dungs­wir­kung auch für nach­fol­gen­de Ver­fah­ren. Die gericht­li­che Zustim­mungs­erset­zung ist solan­ge bin­dend, wie kei­ne neue Ein­grup­pie­rung erfor­der­lich wird, die das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 99 BetrVG aus­löst 9. Dies gilt im umge­kehr­ten Fall ent­spre­chend. Hat das Gericht die Zustim­mung des Betriebs­rats rechts­kräf­tig nicht ersetzt und dabei die Rich­tig­keit der beab­sich­tig­ten Ein­grup­pie­rung mate­ri­ell geprüft, ist der Arbeit­ge­ber auch dar­an mate­ri­ell gebun­den. Das Mit­be­stim­mungs­recht bei Ein- und Umgrup­pie­run­gen ist ein Mit­be­ur­tei­lungs, nicht ein Mit­ge­stal­tungs­recht. Die Ein­grup­pie­rung des Arbeit­neh­mers in eine im Betrieb ange­wand­te Lohn- und Gehalts­grup­pen­ord­nung ist kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Maß­nah­me, son­dern Rechts­an­wen­dung oder Kund­ga­be einer Rechts­an­sicht 10. Die Betei­li­gung des Betriebs­rats nach § 99 BetrVG soll dazu bei­tra­gen, recht­lich mög­lichst zutref­fen­de Ergeb­nis­se zu erzie­len 11. Dabei ist es ohne Bedeu­tung, ob die Beur­tei­lung eine Ein­grup­pie­rung oder eine Umgrup­pie­rung zum Gegen­stand hat 12. Umgrup­pie­rung iSd. § 99 BetrVG ist die Neu-Ein­rei­hung des Beschäf­tig­ten in eine im Betrieb gel­ten­de Ver­gü­tungs­ord­nung. Sie besteht in der Fest­stel­lung des Arbeit­ge­bers, dass die Tätig­keit des Arbeit­neh­mers nicht – oder nicht mehr – die Merk­ma­le erfüllt, die der bis­he­ri­gen Beur­tei­lung zugrun­de lie­gen. Anlass für eine sol­che Fest­stel­lung kann eine Ände­rung der Tätig­keit sein, aber auch eine Ände­rung des Ent­gelt­sche­mas 13 oder – sofern ein vor­her­ge­gan­ge­nes Zustim­mungs­erset­zungs­ver­fah­ren kei­ne Bin­dungs­wir­kung ent­fal­tet – eine nach Ansicht des Arbeit­ge­bers bis­her feh­ler­haf­te Ein­grup­pie­rung 14. Hat ein Gericht im Rah­men des Ver­fah­rens nach § 99 Abs. 4 BetrVG rechts­kräf­tig die Rich­tig­keit der bis­he­ri­gen Ein­grup­pie­rung fest­ge­stellt und haben sich seit­dem weder die Tätig­keit des Arbeit­neh­mers noch das Ent­gelt­sche­ma geän­dert, ist die­se Ent­schei­dung bin­dend 15.

Das neu­er­li­che, beim Bun­des­ar­beits­ge­richt anhän­gi­ge Zustim­mungs­erset­zungs­ver­fah­ren ist für den vor­lie­gen­den Rechts­streit nicht vor­greif­lich. Selbst wenn die Beklag­te mit ihrem dor­ti­gen Begeh­ren wegen einer spä­te­ren Tarif­än­de­rung oder sons­ti­gen Ände­rung der Umstän­de Erfolg haben soll­te, wäre dies unbe­acht­lich. In dem hier maß­geb­li­chen Zeit­raum bis zum Zugang der Ände­rungs­kün­di­gung vom 29.03.2011 hat sich die Sach- und Rechts­la­ge – ver­gli­chen mit den dem Beschluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 26.04.2005 zugrun­de lie­gen­den Umstän­den – nicht geän­dert.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 20. März 2014 – 2 AZR 840/​12

  1. BAG 11.07.2013 – 2 AZR 994/​12, Rn. 37; 20.12 2012 – 2 AZR 867/​11, Rn. 26[]
  2. BAG 20.12 2012 – 2 AZR 867/​11, Rn. 26; 6.09.2012 – 2 AZR 372/​11, Rn. 13[]
  3. BAG 6.09.2012 – 2 AZR 372/​11, Rn. 13[]
  4. BAG 20.12 2012 – 2 AZR 867/​11, Rn. 26; 25.03.2004 – 2 AZR 399/​03, zu C I der Grün­de[]
  5. 1 ABR 1/​13[]
  6. BAG 22.04.2010 – 2 AZR 491/​09, Rn. 18, BAGE 134, 154; 18.03.2008 – 1 ABR 81/​06, Rn.20, BAGE 126, 176[]
  7. BAG 22.04.2010 – 2 AZR 491/​09, Rn. 18, aaO; 16.01.2007 – 1 ABR 16/​06[]
  8. BAG 18.03.2008 – 1 ABR 81/​06, Rn.20, aaO[]
  9. BAG 11.11.1997 – 1 ABR 29/​97, zu B II 1 b der Grün­de[]
  10. BAG 4.05.2011 – 7 ABR 10/​10, Rn. 17, BAGE 138, 39; 11.11.2008 – 1 ABR 68/​07, Rn. 23, BAGE 128, 265[]
  11. BAG 19.10.2011 – 4 ABR 119/​09, Rn.19; 11.11.2008 – 1 ABR 68/​07, Rn. 24, aaO[]
  12. BAG 11.11.1997 – 1 ABR 29/​97, zu B III 1 der Grün­de; 2.04.1996 – 1 ABR 50/​95, zu B II 1 a der Grün­de[]
  13. BAG 12.01.2011 – 7 ABR 15/​09, Rn. 23; 11.11.1997 – 1 ABR 29/​97, zu B III 1 der Grün­de[]
  14. vgl. BAG 2.04.1996 – 1 ABR 50/​95, zu B II 1 a der Grün­de; 20.03.1990 – 1 ABR 20/​89, zu B II 2 b der Grün­de, BAGE 64, 254[]
  15. vgl. zur Unzu­läs­sig­keit schon eines neu­er­li­chen Ersu­chens um Zustim­mung zur Ein­grup­pie­rung bei unver­än­der­ter Tätig­keit BAG 1.07.2009 – 4 ABR 18/​08, Rn. 14, BAGE 131, 197[]