Wirk­sam­keit einer Haus­halts­be­fris­tung für Arge-Mit­ar­bei­ter

Die Befris­tung eines Arbeits­ver­trags ist nach einem ges­tern ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzB­fG sach­lich nur dann gerecht­fer­tigt, wenn der Arbeit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln ver­gü­tet wird, die haus­halts­recht­lich für eine befris­te­te Beschäf­ti­gung bestimmt sind, und er ent­spre­chend beschäf­tigt wird. Dies ent­schied das Bun­des­ar­beits­ge­richts auf die Kla­ge eines von der Bun­des­an­stalt für Arbeit nur befris­tet bei einer "Arge" ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ters.

Wirk­sam­keit einer Haus­halts­be­fris­tung für Arge-Mit­ar­bei­ter

Für eine sol­cher­ma­ßen wirk­sa­me Befris­tung müs­sen im Haus­halts­plan Mit­tel mit einer nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung für eine Auf­ga­be von vor­über­ge­hen­der Dau­er aus­ge­wie­sen sein. Die Zweck­set­zung muss schon aus Grün­den des Euro­päi­schen Gemein­schafts­rechts so bestimmt sein, dass sie eine Kon­trol­le ermög­licht, ob die befris­te­te Beschäf­ti­gung der Deckung eines vor­über­ge­hen­den Bedarfs dient.

Die­sen Anfor­de­run­gen genügt jedoch eine Bestim­mung im Haus­halts­plan der Bun­des­agen­tur für Arbeit für das Jahr 2005, nach der „für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ bun­des­weit 5000 Ermäch­ti­gun­gen für Kräf­te mit befris­te­tem Arbeits­ver­trag für die Dau­er von drei Jah­ren vor­ge­se­hen sind, nicht. Sie ermög­licht kei­ne Prü­fung, ob die Beschäf­ti­gung der befris­tet ein­ge­stell­ten Arbeit­neh­mer mit Auf­ga­ben von vor­über­ge­hen­der Dau­er erfolgt oder ob damit ein stän­di­ger Bedarf abge­deckt wird. Dies gilt auch im Hin­blick auf die in dem Haus­halts­plan pau­schal for­mu­lier­te Erwar­tung, dass der Bedarf für Auf­ga­ben nach dem SGB II infol­ge der Arbeits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wer­de, und den nicht näher begrün­de­ten Hin­weis, dass die Bun­des­agen­tur per­so­nel­le Ent­las­tungs­mög­lich­kei­ten im SGB III-Bereich dazu nut­zen wer­de, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat daher – anders als in der Vor­in­stanz das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 1 – der Kla­ge einer Arbeit­neh­me­rin statt­ge­ge­ben, die sich gegen die am 26. Okto­ber 2005 zum 31. Dezem­ber 2007 ver­ein­bar­te Befris­tung ihres Arbeits­ver­hält­nis­ses mit der Bun­des­agen­tur für Arbeit rich­te­te. Die Bun­des­agen­tur für Arbeit hat­te die Befris­tung aus­schließ­lich dar­auf gestützt, die Klä­ge­rin gehö­re zu den Mit­ar­bei­tern, für deren befris­te­te Beschäf­ti­gung mit Auf­ga­ben nach dem SGB II im Haus­halts­plan 2005 Mit­tel aus­ge­wie­sen sei­en. Da die Zweck­be­stim­mung in dem Haus­halts­plan nicht hin­rei­chend kon­kret ist, muss­te der Senat erneut nicht ent­schei­den, ob sich die Beklag­te als Selbst­ver­wal­tungs­kör­per­schaft über­haupt auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzB­fG beru­fen kann oder ob die­ser Sach­grund ein förm­li­ches Haus­halts­ge­setz vor­aus­setzt.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. März 2010 – 7 AZR 843/​08

  1. LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 20.08.2008 – 21 Sa 961/​08[]