Zivil­be­schäf­tig­te der NATO-Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­te – und ihre Kla­gen

Nach Art. 56 Abs. 8 des Zusatz­ab­kom­mens zum NATO-Trup­pen­sta­tut vom 03.08.1959 (ZA-NTS) unter­lie­gen Strei­tig­kei­ten aus einem ein­ge­gan­ge­nen Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen dem der NATO zuge­hö­ri­gen Ent­sen­de­staat und der von ihm ein­ge­stell­ten zivi­len Arbeits­kraft der deut­schen Gerichts­bar­keit.

Zivil­be­schäf­tig­te der NATO-Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­te – und ihre Kla­gen

Kla­gen der zivi­len Arbeits­kräf­te sind gegen die Bun­des­re­pu­blik zu rich­ten, die für den Ent­sen­de­staat in Pro­zess­stand­schaft auf­tritt1.

An die­ser Rechts­la­ge hat sich durch die Wie­der­her­stel­lung der Ein­heit Deutsch­lands nichts geän­dert2.

Der Durch­füh­rung des Erkennt­nis­ver­fah­rens steht nicht ent­ge­gen, dass die Zivil­be­schäf­tig­te nicht aus­schließ­lich eine Geld­for­de­rung gel­tend macht. Auf sol­che For­de­run­gen hat die Bun­des­re­pu­blik nach Art. 25 des Geset­zes zu dem Abkom­men zwi­schen den Par­tei­en des Nord­at­lan­tik­ver­trags vom 19.06.1951 über die Rechts­stel­lung ihrer Trup­pen und zu den Zusatz­ver­ein­ba­run­gen vom 03.08.1959 zu die­sem Abkom­men vom 18.08.19613 für den Ent­sen­de­staat als Schuld­ner zu leis­ten. Sie sind des­halb ggf. gegen die Bun­des­re­pu­blik zu voll­stre­cken.

Ob eine sol­che Voll­stre­ckungs­mög­lich­keit bei der von der Arbeit­neh­me­rin auch erstreb­ten Ver­ur­tei­lung zur Gewäh­rung einer bezahl­ten Frei­stel­lung besteht, kann offen­blei­ben. Mög­li­che Schwie­rig­kei­ten bei der Voll­stre­ckung eines sol­chen Titels ändern nichts dar­an, dass auch ande­re Ansprü­che als Geld­for­de­run­gen gegen die Bun­des­re­pu­blik als Pro­zess­stand­schaf­te­rin zu ver­fol­gen sind4. Im vor­lie­gen­den Erkennt­nis­ver­fah­ren ist nicht dar­über zu ent­schei­den, in wel­cher Wei­se im Fall der Ver­ur­tei­lung der Bun­des­re­pu­blik die Zwangs­voll­stre­ckung durch­zu­füh­ren wäre bzw. wel­che etwai­gen Schutz- und Hilfs­pflich­ten inso­weit die Bun­des­re­pu­blik zuguns­ten ihrer bei den Sta­tio­nie­rungs­streit­kräf­ten als Arbeit­neh­mer täti­gen Staats­bür­ger zu erfül­len hät­te5.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 13. Dezem­ber 2018 – 6 AZR 549/​17

  1. BAG 10.05.2005 – 9 AZR 230/​04, zu B I 1 a der Grün­de mwN, BAGE 114, 299 []
  2. Ver­ord­nung vom 28.09.1990 zu dem Noten­wech­sel vom 25.09.1990 zu dem Abkom­men zwi­schen den Par­tei­en des Nord­at­lan­tik­ver­trags über die Rechts­stel­lung ihrer Trup­pen vom 19.06.1951 und zu dem Zusatz­ab­kom­men zu die­sem Abkom­men vom 03.08.1959 nebst zuge­hö­ri­gen Über­ein­künf­ten sowie zu dem Noten­wech­sel vom 25.09.1990 zu dem befris­te­ten Ver­bleib von Streit­kräf­ten der Fran­zö­si­schen Repu­blik, des Ver­ei­nig­ten König­reichs Groß­bri­tan­ni­en und Nord­ir­land und der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka in Ber­lin, BGBl. II S. 1250 []
  3. BGBl. II S. 1183 []
  4. BAG 10.05.2005 – 9 AZR 230/​04, zu B I 1 b der Grün­de, BAGE 114, 299 []
  5. vgl. BAG 29.01.1986 – 4 AZR 479/​84 22, BAGE 51, 104 []