Alters­gren­ze für Anwalts­no­ta­re

Das Amt des Notars erlischt gemäß § 47 Nr. 1 BNo­tO bei Errei­chen der Alters­gren­ze des § 48a BNo­tO auch dann kraft Geset­zes, wenn er vor Ein­füh­rung die­ser Alters­gren­ze eine Urkun­de über die Bestel­lung als Notar für die Dau­er sei­ner Anwalts­zu­las­sung aus­ge­hän­digt erhal­ten hat­te.

Alters­gren­ze für Anwalts­no­ta­re

Nach der mitt­ler­wei­le stän­di­gen; vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt nicht bean­stan­de­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs1 ver­sto­ßen § 47 Nr. 1 und § 48a BNo­tO weder gegen das Grund­ge­setz noch gegen das aus der Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf2 fol­gen­de Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Alters oder gegen Art. 15, 16, 17 und 21 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on. Hier­an hält der Bun­des­ge­richts­hof fest.

Ein Ver­stoß gegen § 7 Abs. 1 AGG schei­det schon des­halb aus, weil § 48a BNo­tO eine vor­ran­gi­ge berufs­spe­zi­fi­sche Alters­gren­ze dar­stellt3, abge­se­hen davon, dass es min­des­tens höchst zwei­fel­haft ist, ob ein Notar in den per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes fällt (vgl. § 6 Abs. 1, § 24 AGG; sie­he fer­ner BGH, Beschluss vom 26.11.2007 – NotZ 23/​07, BGHZ 174, 273 Rn. 27 zur Anwend­bar­keit der Richt­li­nie 2000/​78/​EG, auf die das AGG zurück­zu­füh­ren ist).

Fehl geht der Anwalts­no­tar auch mit sei­ner Auf­fas­sung, auf­grund des Wort­lauts sei­ner Bestel­lungs­ur­kun­de und man­gels einer die Bestel­lung auf­he­ben­den Ver­wal­tungs­ent­schei­dung gel­te die gesetz­li­che Alters­gren­ze nicht für ihn. Nach § 47 Nr. 1 BNo­tO erlischt das Amt des Notars bei Errei­chen des in § 48a BNo­tO bestimm­ten Alters kraft Geset­zes, ohne dass es eines geson­der­ten Voll­zugs­akts der Ver­wal­tung bedarf4. Dass dies auch für (Anwalts)Nota­re gilt, die, wie der Anwalts­no­tar, noch vor der Ein­füh­rung der Alters­gren­ze des § 48a BNo­tO durch das Gesetz zur Ände­rung des Berufs­rechts der Nota­re und der Rechts­an­wäl­te vom 29.01.19915 ihr Amt über­tra­gen und dem­entspre­chend eine Urkun­de mit einer Bestel­lung für die Dau­er ihrer Anwalts­zu­las­sung erhal­ten hat­ten, folgt im Rück­schluss aus der Über­gangs­vor­schrift des Art. 3 Satz 1 die­ses Geset­zes. Danach konn­ten Nota­re, sofern sie bei Inkraft­tre­ten des Geset­zes das 58. Lebens­jahr voll­endet hat­ten, für wei­te­re zwölf Jah­re im Amt blei­ben. Eine Rück­nah­me oder einen Wider­ruf der Bestel­lung durch Ver­wal­tungs­akt nach Ablauf der Über­gangs­frist hat das Gesetz auch für die­se Fäl­le nicht vor­ge­schrie­ben, son­dern ist eben­falls vom Erlö­schen des Notar­amts kraft Geset­zes aus­ge­gan­gen, sobald der Über­gangs­zeit­raum ende­te. Es ist nichts dafür ersicht­lich, dass dies bei Errei­chen der Alters­gren­ze nicht eben­so für die Amts­trä­ger gel­ten soll­te, die zum Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens des Geset­zes zwar gleich­falls "unbe­fris­tet" zum Notar bestellt, jedoch noch nicht 58 Jah­re alt waren. Die dage­gen ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den Gewal­ten­tei­lungs­grund­satz erho­be­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken des Anwalts­no­tars ver­mag der Bun­des­ge­richts­hof nicht zu tei­len. Es ist dem Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich nicht ver­wehrt, auch durch Ver­wal­tungs­akt begrün­de­te Rechts­ver­hält­nis­se zu ändern6. Er muss aller­dings gege­be­nen­falls dem durch die bis­he­ri­ge Rechts­la­ge begrün­de­ten Ver­trau­ens­tat­be­stand durch Über­gangs­re­ge­lun­gen Rech­nung tra­gen. Dies hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber mit Art. 3 des Geset­zes zur Ände­rung des Berufs­rechts der Nota­re und der Rechts­an­wäl­te vom 29.01.1991 in ver­fas­sungs­recht­lich ein­wand­frei­er Wei­se voll­zo­gen7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2015 – NotZ(Brfg) 10/​14

  1. grund­le­gend Beschluss vom 22.03.2010 – NotZ 16/​09, BGHZ 185, 30; zuletzt Beschluss vom 17.03.2014 – NotZ(Brfg) 21/​13, NJW-RR 2014, 1085 Rn. 4 ff m. umfangr. w. N.; sie­he hier­zu auch den die­se Ent­schei­dung nicht bean­stan­den­den Beschluss des BVerfG vom 27.06.2014 – 1 BvR 1313/​14 6 ff []
  2. ABl. EG L 303/​16 []
  3. vgl. z.B. Adomeit/​Mohr, AGG, 2. Aufl., § 10 Rn.193, 195 []
  4. BGH, Beschluss vom 22.03.2010 – NotZ 16/​09, BGHZ 185, 30 Rn. 5; BVerfG, Beschluss vom 29.10.1992 – 1 BvR 1581/​91 2, inso­weit nicht in NJW 1993, 1575 abge­druckt []
  5. BGBl. I S. 150 []
  6. vgl. auch BVerfG aaO Rn. 2, 14 []
  7. BVerfG aaO Rn. 12 []