Anwalts­ge­richts­hof – und die Beschwer­de gegen den able­hen­den PKH-Beschluss

Gemäß § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO gel­ten für das gericht­li­che Ver­fah­ren in ver­wal­tungs­recht­li­chen Anwalts­sa­chen die Vor­schrif­ten der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung ent­spre­chend, soweit die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung kei­ne abwei­chen­den Bestim­mun­gen ent­hält.

Anwalts­ge­richts­hof – und die Beschwer­de gegen den able­hen­den PKH-Beschluss

Die Anfech­tung von Beschlüs­sen über die Ableh­nung von Gerichts­per­so­nen wird schon durch § 146 Abs. 2 VwGO aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen 1.

Fer­ner steht der Anwalts­ge­richts­hof – wes­halb auch eine Beschwer­de gegen die durch ihn erfolg­te Ableh­nung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Kla­ge­ver­fah­ren nicht statt­haft ist 2 – einem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt gleich (§ 112c Abs. 1 Satz 2 BRAO; sie­he auch BT-Drs. 16/​11385, S. 40 f.). Ent­schei­dun­gen der Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­te kön­nen aber – von hier nicht ein­schlä­gi­gen Aus­nah­me­fäl­len abge­se­hen – nicht mit der Beschwer­de an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ange­foch­ten wer­den (§ 152 Abs. 1 VwGO).

Die Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung ent­hält kei­ne abwei­chen­den Bestim­mun­gen. Nach § 112a Abs. 2 BRAO ent­schei­det der Bun­des­ge­richts­hof viel­mehr nur über die Rechts­mit­tel der Beru­fung gegen Urtei­le des Anwalts­ge­richts­hofs und der Beschwer­de nach § 17a Abs. 4 Satz 4 GVG 3.

An der feh­len­den Statt­haf­tig­keit des Rechts­mit­tels der Rechts­an­wäl­tin ändert der Umstand nichts, dass der Anwalts­ge­richts­hof über den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag nicht – wie gesetz­lich vor­ge­se­hen (§ 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 166 Abs. 1 Satz 1 VwGO, § 127 Abs. 1 Satz 1 ZPO) – durch (geson­der­ten) Beschluss, son­dern im Urteil ent­schie­den hat.

Zwar dür­fen die Pro­zess­par­tei­en nach dem von der Rechts­an­wäl­tin ange­führ­ten Grund­satz der Meist­be­güns­ti­gung dadurch, dass das Gericht sei­ne Ent­schei­dung in einer fal­schen Form erlas­sen hat, kei­nen Rechts­nach­teil erlei­den. Ihnen steht des­halb grund­sätz­lich sowohl das Rechts­mit­tel zu, das nach der Art der tat­säch­lich ergan­ge­nen Ent­schei­dung statt­haft ist, als auch das Rechts­mit­tel, das bei einer in der rich­ti­gen Form erlas­se­nen Ent­schei­dung zuläs­sig wäre. Die Meist­be­güns­ti­gung soll die beschwer­te Par­tei vor Nach­tei­len schüt­zen, die auf der unrich­ti­gen Ent­schei­dungs­form beru­hen. Der Grund­satz der Meist­be­güns­ti­gung führt aber nicht dazu, dass gegen eine inkor­rek­te Ent­schei­dung auch dann ein ihrer äuße­ren Form ent­spre­chen­des Rechts­mit­tel zum Bun­des­ge­richts­hof zuläs­sig ist, wenn gegen die kor­rek­te Ent­schei­dung eine Anru­fung des Bun­des­ge­richts­hofs aus beson­de­ren Grün­den des jewei­li­gen Ver­fah­rens – wie hier gemäß §§ 112a Abs. 2, 112c Abs. 1 Satz 1 und 2 BRAO, § 152 VwGO der Fall – nicht statt­haft wäre. Die Meist­be­güns­ti­gung führt näm­lich nicht zu einer dem kor­rek­ten Ver­fah­ren wider­spre­chen­den Erwei­te­rung des Instan­zen­zugs 4.

Die von der Rechts­an­wäl­tin gegen das Urteil des Anwalts­ge­richts­hofs zudem erho­be­ne Rüge einer Ver­let­zung ihrer Rech­te auf den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) und auf eine "will­kürfreie effek­ti­ve Rechts­schutz­ge­wäh­rung in fai­rem Ver­fah­ren" (Art. 3, 19 Abs. 4 GG), mit der die Rechts­an­wäl­tin die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer "anwalts­ei­ge­nen Gerichts­bar­keit" anzwei­felt, führt eben­falls nicht zur Statt­haf­tig­keit der von Geset­zes wegen nicht eröff­ne­ten sofor­ti­gen Beschwer­de 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2016 – AnwZ (B) 2/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 31.01.2013 – AnwZ (B) 5/​12; vom 08.12 2014 – AnwZ (Brfg) 45/​14, mwN[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 14.10.2014 – AnwZ (B) 2/​14, BeckRS 2014, 20922 unter – II 2[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.09.2012 – AnwZ (B) 3/​12 2 f.; vom 31.01.2013 – AnwZ (B) 5/​12, aaO; Schmidt-Räntsch in Gaier/​Wolf/​Göcken, Anwalt­li­ches Berufs­recht, 2. Aufl., § 112a BRAO Rn. 11 ff.; Kili­mann in Feuerich/​Weyland, BRAO, 9. Aufl., § 112a BRAO Rn. 32 ff.; Decken­brock in Henssler/​Prütting, 4. Aufl., § 112a BRAO Rn.20 f.[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 24.11.1993 – BLw 19/​93, BGHZ 124, 192, 194 f.; vom 27.01.2010 – AnwZ (B) 104/​09 4; vom 13.06.2012 – XII ZR 77/​10, Fam­RZ 2012, 1293 Rn. 15 ff.; vom 08.07.2015 – XII ZB 586/​14, NJW-RR 2015, 1346 Rn. 7 ff.[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 04.09.2012 – AnwZ (B) 3/​12, aaO Rn. 3[]

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