Anwalts­no­ta­ri­at – und der Nach­weis der anwalt­li­chen Tätig­keit

Zwar ist das Vor­lie­gen der Bestel­lungs­vor­aus­set­zun­gen vom Bewer­ber nach­zu­wei­sen (§ 6 Abs. 2 Satz 1 BNo­tO). Die Beant­wor­tung der Fra­ge nach Art, Umfang und Beur­tei­lung der erfor­der­li­chen Nach­wei­se hängt aber maß­ge­bend von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Uner­heb­lich ist bei Fra­gen des Bewei­ses von Tat­sa­chen ins­be­son­de­re, wie im Bereich ande­rer Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tun­gen ver­fah­ren wird.

Anwalts­no­ta­ri­at – und der Nach­weis der anwalt­li­chen Tätig­keit

Der Umfang der Ermitt­lun­gen wird dadurch bestimmt, wel­che der erheb­li­chen Tat­sa­chen im zu ent­schei­den­den Fall zwei­fel­haft sind, die not­wen­di­ge Über­zeu­gung von ihrem Vor­lie­gen oder Nicht­vor­lie­gen also fehlt. Die Art der Nach­wei­se für die anwalt­li­che Tätig­keit, um die es im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall geht, hat der Gesetz­ge­ber nicht beson­ders gere­gelt. Inso­weit gel­ten die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen in § 26 VwVfG. Bestehen an der Rich­tig­keit des Vor­brin­gens der Betei­lig­ten kei­ne Zwei­fel, bedarf es – im Ver­wal­tungs- wie im gericht­li­chen Ver­fah­ren (§ 86 VwGO) – kei­ner zusätz­li­chen Bewei­se.

Die Fra­ge, wel­che und wie vie­le Nach­wei­se vom jewei­li­gen Bewer­ber für das Amt des Notars zu erbrin­gen sei­en, ist mit Blick auf den Sinn der Rege­lun­gen in § 6 Abs. 2 BNo­tO zu beant­wor­ten. Sinn der nach § 6 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BNo­tO erfor­der­li­chen War­te­zeit ist, dass sich der Bewer­ber vor der Bestel­lung zum Notar mit den beruf­li­chen Anfor­de­run­gen und dem Umgang mit Recht­su­chen­den, Gerich­ten und Behör­den hin­rei­chend ver­traut gemacht hat 1. Auf Vor­schlag der Bun­des­re­gie­rung wur­de im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren das Erfor­der­nis der haupt­be­ruf­li­chen Tätig­keit als Rechts­an­walt aus dem Gesetz­ent­wurf gestri­chen, weil es kei­nen Grund gebe, einem Bewer­ber, der in dem gefor­der­ten Maße anwalt­lich tätig gewe­sen sei, einen Berufs­zu­gang nur des­halb zu ver­sa­gen, weil er dies neben­be­ruf­lich erreicht habe 1. Ent­schei­dend ist danach das Maß der anwalt­li­chen Tätig­keit und die erwor­be­ne beruf­li­che Erfah­rung. Der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung soll­te nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers aber auch die Ermitt­lung des Sach­ver­halts erleich­tert und die zur Fest­stel­lung der haupt­be­ruf­li­chen Anwalts­tä­tig­keit gebräuch­li­che, aber meist uner­gie­bi­ge Abfra­ge bei Rich­tern des Amts- und Land­ge­richts, bei denen der Bewer­ber als Rechts­an­walt zuge­las­sen war, ent­behr­lich gemacht wer­den 2.

Danach ist nicht zu bean­stan­den, wenn nur bei Unstim­mig­kei­ten in den Bewer­bungs­un­ter­la­gen und Zwei­feln auf­grund der Rück­mel­dung aus dem anwalt­li­chen Auf­sichts­be­reich Anlass zu wei­te­ren Nach­fra­gen für die Fest­stel­lun­gen der Vor­aus­set­zun­gen gemäß § 6 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 2 BNo­tO gese­hen wird. Der Bun­des­ge­richts­hof teilt inso­weit die Beden­ken gegen die Vor­la­ge von Man­dats­lis­ten. In anony­mi­sier­ter Form hät­ten sol­che Lis­ten einen gerin­gen Nach­weis­wert. In nicht anony­mi­sier­ter Form sind daten­schutz­recht­li­che und Beden­ken wegen Ver­let­zung der anwalt­li­chen Schwei­ge­pflicht nicht von der Hand zu wei­sen. Viel­mehr ist bei Rechts­an­wäl­ten, die sich als Notar bewer­ben, ohne greif­ba­re Anhalts­punk­te für das Gegen­teil anzu­neh­men, dass ihre anwalt­lich ver­si­cher­ten Anga­ben im Bewer­bungs­ver­fah­ren kor­rekt sind. Danach kön­nen auch die Nach­wei­se der prak­ti­schen Tätig­keit für die Erlan­gung einer Fach­an­walts­be­zeich­nung als Indiz für eine Rechts­an­walts­tä­tig­keit in nicht uner­heb­li­chem Umfang her­an­ge­zo­gen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Novem­ber 2015 – NotZ(Brfg) 2/​15

  1. vgl. BT-Drs. 16/​4972, S. 14[][]
  2. vgl. BT-Drs. 16/​4972, S. 10[]