Auf­spal­tung eines Lebens­sach­ver­halts in zwei gebüh­ren­recht­li­che Ange­le­gen­hei­ten?

Der Inhalt des Auf­trags bestimmt auch, ob der Rechts­an­walt von sei­ner Man­dan­tin zwei Geschäfts­ge­büh­ren gemäß Nr. 2300 VV RVG ver­lan­gen kann. Dies ist der Fall, wenn es sich bei dem Man­dat um zwei Ange­le­gen­hei­ten im gebüh­ren­recht­li­chen Sin­ne han­delt 1.

Auf­spal­tung eines Lebens­sach­ver­halts in zwei gebüh­ren­recht­li­che Ange­le­gen­hei­ten?

Soll­te aus dem Innen­ver­hält­nis zwi­schen dem Rechts­an­walt und sei­ner Man­dan­tin auf zwei Ange­le­gen­hei­ten im Sin­ne des § 15 RVG zu schlie­ßen sein, stell­te sich im Ver­hält­nis zum Schuld­ner der Man­dan­tin die Fra­ge der Erstat­tungs­fä­hig­keit. Die bei­den Rech­nun­gen, mit deren Aus­gleich sich der Schuld­ner im Ver­zug befand, betra­fen Repa­ra­tur­ar­bei­ten für ein und das­sel­be Kraft­fahr­zeug, die im Abstand von nur vier Tagen erstellt wur­den.

Die For­de­run­gen, die der Rechts­an­walt außer­ge­richt­lich gel­tend gemacht hat, könn­ten daher aus einem ein­heit­li­chen Lebens­vor­gang erwach­sen sein. Gege­be­nen­falls hät­te die Gläu­bi­ge­rin (Man­dan­tin) die Auf­spal­tung der For­de­run­gen in zwei Ange­le­gen­hei­ten im gebüh­ren­recht­li­chen Sin­ne ohne einen sach­li­chen Grund kaum für zweck­mä­ßig und erfor­der­lich hal­ten dür­fen. Hät­te sie die For­de­run­gen in getrenn­ten Pro­zes­sen ver­folgt, wäre ein Antrag auf Fest­set­zung dadurch ent­stan­de­ner Mehr­kos­ten als rechts­miss­bräuch­lich anzu­se­hen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2015 – IX ZR 280/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 09.02.1995 – IX ZR 207/​94, NJW 1995, 1431; vom 11.12 2003 – IX ZR 109/​00, WM 2004, 1792, 1794[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.09.2012 – VI ZB 59/​11, MDR 2012, 1314; vom 20.11.2012 – VI ZB 3/​12, MDR 2013, 247 Rn. 9 f[]