Befan­gen­heit wegen enger per­sön­li­cher Bezie­hung – zum Insol­venz­ver­wal­ter

Ein Befan­gen­heits­grund gemäß § 32 Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 21 Abs. 1 Satz 1 VwVfG kann sich aus einer engen per­sön­li­chen Bezie­hung erge­ben. Dies wird regel­mä­ßig anzu­neh­men sein, wenn der Amts­wal­ter mit einem Betei­lig­ten eine Rechts­an­walts­kanz­lei betreibt 1.

Befan­gen­heit wegen enger per­sön­li­cher Bezie­hung – zum Insol­venz­ver­wal­ter

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war der Insol­venz­ver­wal­ter nicht unmit­tel­ba­rer Betei­lig­ter des den insol­ven­ten Rechts­an­walt betref­fen­den Wider­rufs­ver­fah­rens, an dem mög­li­cher­wei­se ein Sozi­us des Insol­venz­ver­wal­ters auf Sei­ten des Vor­stan­des der Rechts­an­walts­kam­mer mit­ge­wirkt hat.

Ob den­noch wegen sei­ner Stel­lung als Insol­venz­ver­wal­ter über das Ver­mö­gen des vom Zulas­sungs­wi­der­ruf betrof­fe­nen Rechts­an­walts im Hin­blick auf das mit ihm in einer Rechts­an­walts­kanz­lei ver­bun­de­ne Vor­stands­mit­glied der Rechts­an­walts­kam­mer die Besorg­nis der Befan­gen­heit begrün­det sein könn­te, kann offen blei­ben.

Selbst wenn dies der Fall wäre, könn­te der insol­ven­te Rechts­an­walt gemäß § 32 Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 46 VwVfG den­noch nicht die Auf­he­bung des Wider­rufs­be­scheids der Beklag­ten bean­spru­chen. Denn es ist offen­sicht­lich, dass eine etwai­ge Befan­gen­heit des Sozi­us des Insol­venz­ver­wal­ters – sei­ne Mit­wir­kung unter­stellt – die Sache nicht beein­flusst hat 2. Denn vor­lie­gend hat­te der Insol­venz­ver­wal­ter im Wider­rufs­ver­fah­ren der Anwalts­kam­mer Stel­lung genom­men und sich "im Inter­es­se der Gläu­bi­ger­ge­mein­schaft" für die Fort­füh­rung der Tätig­keit des Klä­gers als Rechts­an­walt und gegen den Wider­ruf sei­ner Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft aus­ge­spro­chen. Den­noch hat die Rechts­an­walts­kam­mer die Zulas­sung des in der Insol­venz befind­li­chen Rechts­an­walts wie­der­ru­fen. Selbst wenn der Sozi­us des Insol­venz­ver­wal­ters an dem zugrun­de lie­gen­den Beschluss der RAK mit­ge­wirkt haben soll­te, hat mit­hin eine etwai­ge, in Bezug auf ihn bestehen­de Besorg­nis der Befan­gen­heit die­sen Beschluss nicht beein­flusst. Ent­we­der hat er sich den Stand­punkt des Insol­venz­ver­wal­ters, sei­nes Sozi­us, in der dem Beschluss vor­an­ge­hen­den Vor­stands­sit­zung der Rechts­an­walts­kam­mer nicht zu Eigen gemacht oder eine etwai­ge Stel­lung­nah­me sei­ner­seits gegen einen Wider­ruf der Zulas­sung des Klä­gers zur Rechts­an­walt­schaft hat sich nicht auf das Ergeb­nis der Bera­tung aus­ge­wirkt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2016 – AnwZ (Brfg) 34/​16

  1. Ram­sau­er in Kopp/​Ramsauer, VwVfG, 17. Aufl., § 21 Rn. 17 unter Hin­weis auf BVerfGE 108, 122, 127 ff.[]
  2. vgl. zur Anwend­bar­keit von § 46 VwVfG bei Mit­wir­kung eines Amts­trä­gers trotz Besorg­nis der Befan­gen­heit: BVerw­GE 75, 214, 228; Ram­sau­er in Kopp/​Ramsauer, VwVfG, 17. Aufl., § 21 Rn. 29; Schmitz in Stelkens/​Bonk/​Sachs, VwVfG, 8. Aufl., § 21 Rn. 26; BeckOK/​Heßhaus, VwVfG, § 21 Rn. 17 [Stand: 01.04.2016][]