Bewer­bung auf eine neue Notar­stel­le – und die Min­dest­ver­weil­dau­er

Die Prü­fung, ob die Inter­es­sen an einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge die Beru­fung auf die Min­dest­ver­weil­dau­er recht­fer­ti­gen, ist stets am Ein­zel­fall zu ori­en­tie­ren1.

Bewer­bung auf eine neue Notar­stel­le – und die Min­dest­ver­weil­dau­er

Ent­schei­dend sind des­halb die Ver­hält­nis­se vor Ort betref­fend die kon­kre­te Notar­stel­le.

Dem­entspre­chend ist inso­weit der all­ge­mein gehal­te­ne Vor­trag, es habe schon Fäl­le gege­ben, in denen die Min­dest­ver­weil­dau­er in Nord­rhein-West­fa­len nicht ein­ge­hal­ten wor­den sei, nicht geeig­net, die Beru­fung auf die Ein­hal­tung der Min­dest­ver­weil­dau­er betref­fend die der­zeit ver­wal­te­te Notar­stel­le in Fra­ge zu stel­len.

Ohne Erfolg blieb vor dem Bun­des­ge­richts­hof auch die Rüge, dass § 10 Abs. 1 Satz 3 BNo­tO die Amts­sitz­ver­le­gung nur unter Beach­tung der Belan­ge einer geord­ne­ten Rechts­pfle­ge gestat­te, recht­fer­ti­ge es nicht, sei­ne Rech­te aus Art. 12 GG im Hin­blick auf die Beru­fung der abge­ben­den Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung auf eine Min­dest­ver­weil­dau­er ein­zu­schrän­ken. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts genügt § 10 Abs. 1 Satz 3 BNo­tO, um den Ein­griff in die Berufs­aus­übung im Hin­blick auf einen Wech­sel des Ortes der Amts­aus­übung zu legi­ti­mie­ren2.

Eine Ver­let­zung der Rech­te aus Art. 33 Abs. 2 GG (i.V.m. Art. 12 Abs. 1 GG) im Hin­blick auf die Beru­fung auf die Min­dest­ver­weil­dau­er liegt nicht vor. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts steht Art. 33 GG der Berück­sich­ti­gung der Min­dest­ver­weil­dau­er auch in einem ande­ren Bun­des­land nicht ent­ge­gen3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Juli 2015 – NotZ (Brfg) 1/​15

  1. vgl. BVerfG, NJW-RR 2005, 1431, 1433 []
  2. vgl. BVerfG aaO 1432 []
  3. BVerfG aaO []