"Da gehen wir bis Karls­ru­he!" – Vor­trags­pflich­ten bei der Anwalts­haf­tung

Zur schlüs­si­gen Dar­le­gung eines Scha­dens­er­satz­an­spru­ches ist es nicht aus­rei­chend nur vor­zu­tra­gen, dass eine anwalt­li­che Pflicht ver­letzt wor­den sei, son­dern es ist auch dar­zu­le­gen, wie sich bei pflicht­ge­mä­ßem Ver­hal­ten der Sach­ver­halt und die Ver­mö­gens­la­ge des Geschä­dig­ten ent­wi­ckelt hät­ten.

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Sofern ein sol­cher Vor­trag erfolgt, hat der im Scha­dens­er­satz­pro­zess zur Ent­schei­dung beru­fe­ne Rich­ter zu prü­fen, wie nach sei­ner Auf­fas­sung der Vor­pro­zess – hier bei Ein­le­gung der Gehörs­rü­ge – rich­ti­ger­wei­se hät­te ent­schie­den wer­den müs­sen 1. Dar­in liegt kein Ver­stoß gegen Art. 101 GG. Gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne von Art. 101 GG ist der zur Ent­schei­dung des Scha­dens­er­satz­pro­zes­ses beru­fe­ne Rich­ter.

Soweit der Man­dant meint, der sei­ner­zeit von ihm beauf­trag­te Rechts­an­walt, der sich über das sei­ner­zei­ti­ge Ver­fah­ren "auf­ge­regt” habe, kön­ne nun nicht anders vor­tra­gen, ist dies unzu­tref­fend. Der Recht­an­walt, der sei­ner­zeit Par­tei­ver­tre­ter war, ist nicht dar­an gehin­dert, in eige­ner Sache abwei­chen­den Vor­trag zu hal­ten.

Soweit der Ex-Man­dant aus­führt, dass eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de erst zuläs­sig sei, nach­dem gege­be­nen­falls die Gehörs­rü­ge erho­ben wur­de, ist dies zutref­fend. Die Gehörs­rü­ge ist Teil des Rechts­we­ges i. S. v. § 90 Abs. 2 BVerfGG, der vor Anru­fung des Ver­fas­sungs­ge­richts aus­ge­schöpft sein muss 2. Es ist aller­dings weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich, dass die Ein­le­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nach einer etwai­gen Zurück­wei­sung der Gehörs­rü­ge durch das Land­ge­richt erfolg­reich gewe­sen wäre.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 1. August 2014 – 12 W 27/​13

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des BGH; vgl. etwa BGH WM 2009, 2138, 2141 Rn.20 m.w.N. und G. Fischer in Zuge­hör, a.a.O., Rn. 1190 m.w.N.[]
  2. vgl. hier­zu Uter­mark in Beck-Vor­wer­k/­Wolf, Beck’scher Online-Kom­men­tar zur ZPO, Edi­ti­on 13, Stand 15.06.2014, § 321a ZPO Rn. 38 m.w.N.[]