Das Zurück­be­hal­tungs­recht des Notars bei der Eigen­tums­um­schrei­bung

Der mit dem Voll­zug eines Kauf­ver­trags betrau­te Notar kann ein Tätig­wer­den hin­sicht­lich der Eigen­tums­um­schrei­bung nicht nach § 141 i.V.m. § 10 Abs. 1 Kos­tO mit der Begrün­dung ver­wei­gern, der Käu­fer habe Gebüh­ren­an­sprü­che noch nicht erfüllt.

Das Zurück­be­hal­tungs­recht des Notars bei der Eigen­tums­um­schrei­bung

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint ein Zurück­be­hal­tungs­recht des Notars nach den hier gemäß § 136 Abs. 1 Nr. 4 u. Abs. 3 GNot­KG wei­ter­hin anwend­ba­ren Rege­lun­gen der §§ 141, 10 Abs. 1 Kos­tO. Ob dies bereits zwin­gend aus dem Wort­laut des § 10 Abs. 1 Kos­tO folgt, kann im Hin­blick dar­auf dahin gestellt blei­ben, dass der aus § 53 BeurkG fol­gen­den Amts­pflicht jeden­falls der Vor­rang ein­zu­räu­men ist 1.

Nach § 53 BeurkG hat der Notar, der bei dem Grund­buch­amt ein­zu­rei­chen­de Wil­lens­er­klä­run­gen beur­kun­det hat, die Amts­pflicht, die­se Urkun­den nach dem Ein­tritt der Voll­zugs­rei­fe bei dem Grund­buch­amt ein­zu­rei­chen 2. Hat er auch die Voll­zug­s­tä­tig­keit über­nom­men, steht die­se in einem so engen Zusam­men­hang mit der Urkunds­tä­tig­keit, dass dies bei der gebo­te­nen wer­ten­den Betrach­tung noch als deren Bestand­teil anzu­se­hen ist 3. Zu Recht geht das Beschwer­de­ge­richt dabei davon aus, dass der grund­buch­recht­li­che Voll­zug aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit zügig abzu­wi­ckeln ist. Danach ist der Notar ver­pflich­tet, bei dem Grund­buch­amt ein­zu­rei­chen­de Wil­lens­er­klä­run­gen und Unter­la­gen mit der ihm mög­li­chen und zumut­ba­ren Beschleu­ni­gung ein­zu­rei­chen 4.

Dass sich damit die Annah­me eines Zurück­be­hal­tungs­rechts nach § 10 Abs. 1 Kos­tO nicht ver­trägt, liegt zum einen auf der Hand und wird zum ande­ren dadurch bestä­tigt, dass der Gesetz­ge­ber mit § 11 GNot­KG unter inhalt­li­cher Über­nah­me des Rege­lungs­ge­halts von § 10 Abs. 1 Kos­tO eine Nach­fol­ge­re­ge­lung geschaf­fen und dabei gera­de im Hin­blick auf § 53 BeurkG nun­mehr aus­drück­lich den Aus­schluss des Zurück­be­hal­tungs­rechts ange­ord­net hat. Den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en ist ein­deu­tig zu ent­neh­men, dass hier­durch die Rechts­la­ge nicht umge­stal­tet, son­dern mit Blick auf die umstrit­te­ne Rechts­fra­ge ledig­lich klar­ge­stellt wer­den soll­te, dass den Amts­pflich­ten des Notars aus § 53 BeurkG der Vor­rang zukommt 5; der Rege­lungs­ge­halt des bis­he­ri­gen § 10 Abs. 1 Kos­tO soll­te ledig­lich ver­deut­licht wer­den. Unter­mau­ert wird die­se authen­ti­sche Selbst­in­ter­pre­ta­ti­on des Gesetz­ge­bers noch dadurch, dass der Notar hin­rei­chend durch die Mög­lich­keit geschützt ist, sei­ne Tätig­keit von der Zah­lung eines Vor­schus­ses nach § 141 i.V.m. § 8 Kos­tO (§ 15 GNot­KG) abhän­gig zu machen 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Okto­ber 2014 – V ZB 223/​12

  1. eben­so etwa OLG Köln, Beschluss vom 18.09.2009 – 2 Wx 78/​09 9 mwN; OLGR Naum­burg 2003, 307, 308; OLG Düs­sel­dorf, MDR 1999, 771, 772; aA etwa Eylmann/​Vaasen/​Limmer, BNotO/​BeurkG, 3. Aufl., § 53 BeurkG Rn. 16; Lap­pe in Korintenberg/​Lappe/​Bengel/​Reimann, Kos­tO, 18. Aufl., § 10 Rn. 22; Preuß in Armbrüster/​Preuß/​Renner, BeurkG, 6. Aufl., § 53 Rn. 18 mwN[]
  2. vgl. BayO­bLGZ 1998, 6, 8; OLG Düs­sel­dorf, FGPrax 1999, 72[]
  3. vgl. nur OLG Köln, Beschluss vom 18.09.2009 – 2 Wx 78/​09 9 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 13.06.2002 – – IX ZR 196/​01, NJW 2002, 3391, 3392[]
  5. BT-Drs. 17/​11471, S. 157[]
  6. vgl. auch BT-Drs. aaO[]