Der Rechts­an­walt in der Insol­venz

(Spä­tes­tens) mit Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens wird der Ein­tritt des Ver­mö­gens­ver­falls ver­mu­tet (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO). Hier­an ver­mag auch die Frei­ga­be der selb­stän­di­gen Tätig­keit des Klä­gers durch den Insol­venz­ver­wal­ter nichts zu ändern. Die Frei­ga­be besei­tigt nicht die Insol­venz und damit nicht den Ver­mö­gens­ver­fall.

Der Rechts­an­walt in der Insol­venz

Nach Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens sind die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se näm­lich erst dann wie­der geord­net, wenn dem Schuld­ner nach dem hier maß­geb­li­chen Insol­venz­recht durch Beschluss des Insol­venz­ge­richts die Rest­schuld­be­frei­ung ange­kün­digt wur­de (§ 291 InsO a.F.) oder ein vom Insol­venz­ge­richt bestä­tig­ter Insol­venz­plan (§ 248 InsO) oder ange­nom­me­ner Schul­den­be­rei­ni­gungs­plan (§ 308 InsO) vor­liegt, bei des­sen Erfül­lung der Schuld­ner von sei­nen übri­gen For­de­run­gen gegen­über den Gläu­bi­gern befreit wird [1].

Nach der in § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zum Aus­druck gekom­me­nen gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tung ist mit dem Ver­mö­gens­ver­fall eines Rechts­an­walts grund­sätz­lich eine Gefähr­dung der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den ver­bun­den. Im vor­ran­gi­gen Inter­es­se der Recht­su­chen­den kann sie nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len ver­neint wer­den, wobei den Rechts­an­walt die Fest­stel­lungs­last trifft [2]. Die Annah­me einer der­ar­ti­gen Son­der­si­tua­ti­on setzt zumin­dest vor­aus, dass der Rechts­an­walt sei­ne anwalt­li­che Tätig­keit nur noch für eine Rechts­an­walts­so­zie­tät aus­übt und mit die­ser recht­lich abge­si­cher­te Maß­nah­men ver­ab­re­det hat, die eine Gefähr­dung der Man­dan­ten effek­tiv ver­hin­dern [3].

Eine sol­che Aus­nah­me­si­tua­ti­on ist hier nicht gege­ben, solan­ge der Rechts­an­walt als Ein­zel­an­walt tätig ist, selbst wenn er Maß­nah­men ergrif­fen haben will, mit denen der Ein­gang von Fremd­geld ver­mie­den wer­den soll. Selbst auf­er­leg­te Beschrän­kun­gen des in Ver­mö­gens­ver­fall gera­te­nen Rechts­an­walts sind näm­lich – wie der Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung annimmt [4] – nicht geeig­net, eine Gefähr­dung der Recht­su­chen­den aus­zu­schlie­ßen. Dass es in der Ver­gan­gen­heit nicht zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten im Zusam­men­hang mit Fremd­gel­dern gekom­men ist, bleibt im Blick auf die gege­be­ne abs­trak­te Gefähr­dungs­la­ge gleich­falls recht­lich ohne Belang [5]. Durch die im Rah­men der gebo­te­nen Gefah­ren­pro­gno­se ange­stell­ten Erwä­gun­gen wird nicht etwa die per­sön­li­che Inte­gri­tät des Klä­gers in Fra­ge gestellt.

Eine Gefähr­dung der Inter­es­sen Recht­su­chen­der wird auch durch die Frei­ga­be der selb­stän­di­gen Tätig­keit durch den Insol­venz­ver­wal­ter weder aus­ge­schlos­sen noch ver­min­dert [6]. Die Gefähr­dung ent­fällt viel­mehr grund­sätz­lich erst mit dem Beschluss nach § 289 InsO [7].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2015 – AnwZ (Brfg) 47/​14

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.01.2014 – AnwZ (Brfg) 53/​13, Rn. 8; vom 09.07.2013 – AnwZ (Brfg) 20/​13, Rn. 5; vom 23.06.2012 – AnwZ (Brfg) 23/​12, Rn. 3; jeweils m.w.N.[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 02.10.2014 – AnwZ (Brfg) 30/​14, Rn. 7; vom 15.03.2012 – AnwZ (Brfg) 55/​11, Rn. 9[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.10.2014 – AnwZ (Brfg) 30/​14, aaO; vom 04.04.2012 – AnwZ (Brfg) 62/​11, Rn. 6; vom 05.09.2012 – AnwZ (Brfg) 26/​12, NJW-RR 2013, 175 Rn. 5; jeweils m.w.N.[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 18.01.2014 – AnwZ (Brfg) 53/​13, Rn. 6; vom 15.03.2012 – AnwZ (Brfg) 55/​11, Rn. 10; vom 31.05.2010 – AnwZ (B) 55/​09, HFR 2010, 1351 Rn. 12[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.10.2014 – AnwZ (Brfg) 30/​14, Rn. 10; vom 23.04.2014 – AnwZ (Brfg) 8/​14 6; vom 05.11.2013 – AnwZ (Brfg) 36/​13, Rn. 6[]
  6. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.01.2014 – AnwZ (Brfg) 62/​13, Rn. 8; vom 23.06.2012 – AnwZ (Brfg) 23/​12, Rn. 4; vom 21.03.2011 – AnwZ (B) 37/​10, NZI 2011, 464 Rn. 8[]
  7. BGH, Beschluss vom 04.01.2014 – AnwZ (Brfg) 62/​13, aaO m.w.N.[]