Die ein­ge­scan­te Unter­schrift auf der gefax­ten Beschwer­de­schrift

Die Unter­schrift auf der Beschwer­de­schrift muss grund­sätz­lich eigen­hän­dig erfol­gen (§ 64 Abs. 2 Satz 4 FamFG).

Die ein­ge­scan­te Unter­schrift auf der gefax­ten Beschwer­de­schrift

Zwar ist beim Com­pu­ter­fax eine ein­ge­scann­te Unter­schrift auf­grund der tech­ni­schen Beson­der­hei­ten die­ses Über­mitt­lungs­wegs aus­nahms­wei­se aus­rei­chend. Dem­ge­gen­über wird dem Form­erfor­der­nis nicht genügt, wenn die Unter­schrift in den Schrift­satz ein­ge­scannt, der Schrift­satz danach jedoch aus­ge­druckt und mit­tels eines nor­ma­len Fax­ge­rä­tes und nicht unmit­tel­bar aus dem Com­pu­ter ver­sandt wird [1].

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat das Beschwer­de­ge­richt inso­weit fest­ge­stellt, dass die Beschwer­de­schrift ledig­lich mit einem maschi­nell erzeug­ten Namens­zug des Bevoll­mäch­tig­ten ver­se­hen und der Schrift­satz nicht per Com­pu­ter­fax über­mit­telt wor­den ist.

Bei der Rechts­be­schwer­de gegen eine Ver­wer­fungs­ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts bil­det die Fra­ge nach der Zuläs­sig­keit der Erst­be­schwer­de den allei­ni­gen Ver­fah­rens­ge­gen­stand in der Rechts­be­schwer­de­instanz. Aus die­sem Grun­de sind die vom Beschwer­de­ge­richt fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen, auf denen die Ver­wer­fungs­ent­schei­dung beruht, gemäß § 74 Abs. 3 Satz 3 FamFG iVm § 559 ZPO für das Rechts­be­schwer­de­ge­richt bin­dend, sofern die­se Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen nicht Gegen­stand einer form­ge­rech­ten und begrün­de­ten Ver­fah­rens­rüge sind [2].

Gegen die Fest­stel­lung des Beschwer­de­ge­richts, dass die Beschwer­de­schrift vom 07.11.2017 nicht als Com­pu­ter­fax unmit­tel­bar aus einem Com­pu­ter ver­sen­det wor­den ist, erin­nert die Rechts­be­schwer­de nichts. Sie ist des­halb für den Bun­des­ge­richts­hof bin­dend. Soweit die Rechts­be­schwer­de gel­tend macht, das zur Amts­er­mitt­lung (§ 26 FamFG) ver­pflich­te­te Beschwer­de­ge­richt hät­te sich von dem Sohn der Betrof­fe­nen das Ori­gi­nal der per Tele­fax ver­sen­de­ten Beschwer­de­schrift vor­le­gen las­sen müs­sen, genügt die­ses Vor­brin­gen schon nicht den for­mel­len Anfor­de­run­gen (§ 71 Abs. 3 Nr. 2 lit. b FamFG), die an die ord­nungs­ge­mä­ße Begrün­dung einer Ver­fah­rens­rüge zu stel­len sind.

Wird der Ver­fah­rens­man­gel dar­in gese­hen, dass sich das Gericht pflicht­wid­rig eine bestimm­te Urkun­de nicht hat vor­le­gen las­sen, han­delt es sich dabei nicht um einen Ver­fah­rens­ver­stoß, der schon sei­ner Art nach ohne wei­te­res ergibt, dass die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung dar­auf beru­hen kann. Um unter den hier obwal­ten­den Umstän­den die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit des von der Rechts­be­schwer­de rekla­mier­ten Ver­fah­rens­ver­sto­ßes dar­le­gen zu kön­nen, müss­te sich der Ver­fah­rens­rüge ein­deu­tig ent­neh­men las­sen, dass eine Beschwer­de­schrift exis­tiert, die als Tele­fax­vor­la­ge im Ori­gi­nal eine eigen­hän­di­ge Unter­schrift des Bevoll­mäch­tig­ten trägt, und dass der Bevoll­mäch­tig­te bereit und in der Lage ist, eine sol­che Urkun­de dem Gericht vor­zu­le­gen. Gemes­sen dar­an ist das vage gehal­te­ne Vor­brin­gen, dass der Bevoll­mäch­tig­te der Betrof­fe­nen zur Vor­la­ge des Ori­gi­nals der Beschwer­de­schrift hät­te auf­ge­for­dert wer­den müs­sen und aus dem Ori­gi­nal danach "gege­be­nen­falls" die Eigen­hän­dig­keit der Unter­schrift zu ent­neh­men gewe­sen wäre, nicht aus­rei­chend.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Febru­ar 2020 – XII ZB 291/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 18.03.2015 XII ZB 424/​14 FamRZ 2015, 919 Rn. 13; BGH Beschluss vom 10.10.2006 – XI ZB 40/​05 NJW 2006, 3784 Rn. 9[]
  2. vgl. BGHZ 156, 165, 168 = FamRZ 2004, 180, 181; Keidel/​MeyerHolz FamFG 20. Aufl. § 74 Rn.20[]