Die Insol­venz des Rechts­an­walts

Für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit des Wider­rufs einer Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft ist nach der mit Wir­kung ab 1.09.2009 erfolg­ten Ände­rung des Ver­fah­rens­rechts allein auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens, also auf den Erlass des Wider­spruchs­be­scheids oder – wenn das nach neu­em Recht grund­sätz­lich vor­ge­schrie­be­ne Vor­ver­fah­ren ent­behr­lich ist – auf den Aus­spruch der Wider­rufs­ver­fü­gung abzu­stel­len; die Beur­tei­lung danach ein­ge­tre­te­ner Ent­wick­lun­gen ist einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten [1].

Die Insol­venz des Rechts­an­walts

Mit Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens wird der Ein­tritt des Ver­mö­gens­ver­falls ver­mu­tet (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO).

Nach Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens sind die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se erst dann wie­der geord­net, wenn dem Schuld­ner nach dem hier maß­geb­li­chen Insol­venz­recht durch Beschluss des Insol­venz­ge­richts die Rest­schuld­be­frei­ung ange­kün­digt wur­de (§ 291 InsO a.F.) oder ein vom Insol­venz­ge­richt bestä­tig­ter Insol­venz­plan (§ 248 InsO) oder ange­nom­me­ner Schul­den­be­rei­ni­gungs­plan (§ 308 InsO) vor­liegt, bei des­sen Erfül­lung der Schuld­ner von sei­nen übri­gen For­de­run­gen gegen­über den Gläu­bi­gern befreit wird [2].

Nach­dem auf­grund der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens der Ver­mö­gens­ver­fall ver­mu­tet wird, kön­nen im Hin­blick auf einen aus­rei­chen­den Schutz der Inter­es­sen der Recht­su­chen­den geord­ne­te Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen des Rechts­an­walts nur unter den vor­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen ange­nom­men wer­den. Lie­gen sie nicht vor, kann – unab­hän­gig von dem Grund für das Feh­len eines die Rest­schuld­be­frei­ung ankün­di­gen­den Beschlus­ses nach § 291 InsO a.F. – noch nicht von (wie­der) geord­ne­ten Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen aus­ge­gan­gen wer­den.

Die Fest­stel­lung der Vor­aus­set­zun­gen eines Beschlus­ses nach § 291 InsO a.F., ins­be­son­de­re zu einem Grund für die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung nach § 290 InsO, bleibt dem Insol­venz­ge­richt vor­be­hal­ten. Sie konn­te vor­lie­gend nicht durch die Rechts­an­walts­kam­mer gleich­sam vor­weg­ge­nom­men wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juni 2015 – AnwZ (Brfg) 16/​15

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; und vom 10.03.2014 – AnwZ (Brfg) 77/​13, m.w.N.[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 18.01.2014 – AnwZ (Brfg) 53/​13 8; vom 09.07.2013 – AnwZ (Brfg) 20/​13 5; vom 23.06.2012 – AnwZ (Brfg) 23/​12 3; jeweils m.w.N.[]