Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht – und die Fäl­le aus dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht

Fall­be­ar­bei­tun­gen aus dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht genü­gen nur dann für den Erwerb der erfor­der­li­chen beson­de­ren prak­ti­schen Erfah­run­gen im Fach­ge­biet "Urhe­ber- und Medi­en­recht", wenn die Fäl­le einen kon­kret dar­zu­le­gen­den urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezug auf­wei­sen 1.

Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht – und die Fäl­le aus dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht

Nach § 43c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 2 Abs. 1 FAO hat der Antrag­stel­ler für die Ver­lei­hung einer Fach­an­walts­be­zeich­nung beson­de­re theo­re­ti­sche Kennt­nis­se und beson­de­re prak­ti­sche Erfah­run­gen nach­zu­wei­sen. Sol­che lie­gen vor, wenn sie auf dem Fach­ge­biet erheb­lich das Maß des­sen über­stei­gen, das übli­cher­wei­se durch die beruf­li­che Aus­bil­dung und prak­ti­sche Erfah­rung im Beruf ver­mit­telt wird (§ 2 Abs. 2 FAO). Der Erwerb beson­de­rer prak­ti­scher Erfah­run­gen im Urhe­ber- und Medi­en­recht setzt nach § 5 Abs. 1 Buchst. q FAO vor­aus, dass der Antrag­stel­ler als Rechts­an­walt per­sön­lich und wei­sungs­frei 80 Fäl­le aus allen der in § 14j Nr. 1 bis 6 FAO bestimm­ten Berei­che bear­bei­tet hat, davon min­des­tens jeweils fünf Fäl­le aus den in § 14j Nr. 1 bis 3 FAO bestimm­ten Berei­chen. Min­des­tens 20 Fäl­le müs­sen gericht­li­che Ver­fah­ren sein.

Fall­be­ar­bei­tun­gen genü­gen nur dann für den Erwerb der nach § 5 Abs. 1 Buchst. q FAO erfor­der­li­chen beson­de­ren prak­ti­schen Erfah­run­gen im Fach­ge­biet Urhe­ber- und Medi­en­recht, wenn sie einen – kon­kret dar­zu­le­gen­den – urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezug auf­wei­sen. Die Grund­sät­ze der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 5 Abs. 1 Buchst. c FAO (Arbeits­recht) und § 10 Nr. 1 Buchst. e FAO (Grund­zü­ge des Arbeits­för­de­rungs- und Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts) 2 sind auf die – hier zu beant­wor­ten­de – Fra­ge über­trag­bar, ob Fäl­le aus den in § 14j Nr. 6 FAO genann­ten Berei­chen nur dann aus­rei­chen­de Erfah­run­gen im Urhe­ber- und Medi­en­recht aus­wei­sen, wenn sie urhe­ber- oder medi­en­recht­li­che Bezü­ge besit­zen.

Ent­ste­hungs­ge­schich­te sowie Sinn und Zweck der Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen gebie­ten ein Ver­ständ­nis von § 14j Nr. 6 FAO im Sin­ne eines erfor­der­li­chen urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezu­ges der Fall­be­ar­bei­tun­gen aus den dort genann­ten Rechts­be­rei­chen 3.

Der Rechts­an­walt, der eine Fach­an­walts­be­zeich­nung führt, weist damit das recht­su­chen­de Publi­kum auf Spe­zi­al­kennt­nis­se hin, über wel­che er im Unter­schied zu ande­ren Rechts­an­wäl­ten ver­fügt, die kei­ne Fach­an­walts­be­zeich­nung füh­ren dür­fen 4. Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wur­de die Ein­fü­gung der §§ 42a ff. BRAO a.F., wel­che die Fach­an­walt­schaft regel­ten, wie folgt begrün­det 5: "Wegen der raschen Zunah­me und wach­sen­den Kom­pli­ziert­heit des Nor­men­be­stan­des und der Fort­bil­dung des Rechts durch ver­schie­de­ne Zwei­ge der Gerichts­bar­keit bedarf die Beschäf­ti­gung des Rechts­an­walts mit Rechts­fra­gen außer­halb eines Kern­be­reichs, vor allem des Straf- und Zivil­rechts, auf den in der "All­ge­mein­pra­xis" immer wie­der ein­zu­ge­hen ist, einer nach­drück­li­chen Ein­ar­bei­tung in das betref­fen­de Rechts­ge­biet. Unter wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten ist sie häu­fig nur dann loh­nend, wenn die ein­mal erlang­ten Kennt­nis­se in stän­di­ger Beschäf­ti­gung mit dem Gebiet wei­ter ange­wandt und aus­ge­baut wer­den kön­nen. Eine nicht gerin­ge Zahl von Rechts­an­wäl­ten hat sich daher Spe­zi­al­ge­bie­ten zuge­wandt. Ihre beruf­li­chen Inter­es­sen tref­fen sich mit dem Ver­lan­gen der Recht­su­chen­den nach einer mög­lichst hohen Befä­hi­gung der Rechts­an­wäl­te, die sie bera­ten und ver­tre­ten sol­len."

Der Gesetz­ge­ber hat bei der Rege­lung der Fach­an­walt­schaft mit­hin aus­drück­lich dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass beim recht­su­chen­den Publi­kum durch die Fach­an­walts­be­zeich­nung die Erwar­tung beson­de­rer, in einem for­ma­li­sier­ten Ver­fah­ren nach­ge­wie­se­ner theo­re­ti­scher und prak­ti­scher Kennt­nis­se erweckt wird 6. Dem­entspre­chend sind für die Aus­le­gung der eine Fach­an­walt­schaft betref­fen­den Vor­schrif­ten der Fach­an­walts­ord­nung die berech­tig­ten Erwar­tun­gen des recht­su­chen­den Publi­kums, für wel­ches die Fach­an­walts­be­zeich­nung maß­geb­lich bestimmt ist, von ent­schei­den­der Bedeu­tung 7. Inso­weit ist in Bezug auf das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht zu beden­ken, dass es inner­halb des Rege­lungs­ge­fü­ges des den Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht betref­fen­den § 14j FAO als Neben­ge­biet aus­ge­wie­sen ist, wäh­rend es in der Bestim­mung des den Fach­an­walt für Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht betref­fen­den § 14k FAO als Kern­ge­biet erscheint. Dem ent­spricht es, dass, wer Bera­tung in aus­schließ­lich tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten sucht, sich eher an einen Fach­an­walt für Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht als einen Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht wen­den dürf­te. Vor allem aber rech­net der­je­ni­ge, der einen Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht auf­sucht, nicht damit, dass die­ser sei­ne beson­de­ren prak­ti­schen Erfah­run­gen zu wesent­li­chen Tei­len – § 5 Abs. 1 Buchst. q FAO lässt inso­weit bis zu 65 von 80 Fäl­len zu – durch tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Fall­be­ar­bei­tun­gen erwor­ben hat, die kei­nen Bezug zum Urhe­ber- und Medi­en­recht auf­wei­sen 8. Er hegt viel­mehr die berech­tig­te Erwar­tung, dass die Fach­an­walts­be­zeich­nung ein Aus­weis beson­de­rer prak­ti­scher Erfah­rung auch auf den Kern­ge­bie­ten des Urhe­ber- und Medi­en­rechts ist. Die­se Erwar­tung wür­de ent­täuscht, wenn die Fach­an­walts­be­zeich­nung weit­ge­hend durch tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Fall­be­ar­bei­tun­gen ohne Bezug zu die­sen Kern­ge­bie­ten erwor­ben wer­den könn­te.

Vor die­sem Hin­ter­grund trägt die Erwäh­nung des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­rechts in § 14j Nr. 6 FAO im Wesent­li­chen den inhalt­li­chen Bezü­gen zwi­schen dem Urhe­ber- und Medi­en­recht einer­seits und dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht ande­rer­seits Rech­nung. Ohne Grund­kennt­nis­se in den in § 14j Nr. 6 FAO genann­ten Rechts­be­rei­chen kann der Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht sei­ner Auf­ga­be in vie­len Fäl­len nicht gerecht wer­den. Dem ent­spricht es, wenn dem Urhe­ber- und Medi­en­recht in § 14j Nr. 6 FAO das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht nicht als sol­ches, son­dern nur in sei­nen Grund­zü­gen zuge­ord­net wird. Dar­aus wird zugleich deut­lich, dass ihm für die­se Fach­an­walts­be­zeich­nung nur eine die­nen­de Funk­ti­on zukommt. Die – nach der Fach­an­walts­ord­nung erfor­der­li­che und von dem recht­su­chen­den Publi­kum erwar­te­te – prak­ti­sche Erfah­rung auf dem Gebiet des Urhe­ber- und Medi­en­rechts kann nur mit urhe­ber- und medi­en­recht­li­chen Fäl­len nach­ge­wie­sen wer­den. Fäl­le aus dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht kön­nen die­sen Zweck daher nur erfül­len, wenn sie wenigs­tens einen urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezug haben, bei ihnen also auch urhe­ber- oder medi­en­recht­li­che Fra­gen eine Rol­le spie­len 9.

Auf den Nach­weis eines kon­kre­ten urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezugs könn­te zwar ver­zich­tet wer­den, wenn für das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht nie ein feh­len­der Bezug zum Medi­en­recht fest­ge­stellt wer­den könn­te, weil es selbst (aus­nahms­los) zum Medi­en­recht zähl­te. Das ist indes nicht der Fall. Der Begriff des Medi­en­rechts ist wenig kon­tu­riert und gesetz­lich nicht defi­niert. Ein wei­tes Ver­ständ­nis die­ses Begriffs mag auch das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht umfas­sen 10. Hier­auf kommt es vor­lie­gend jedoch nicht an. Maß­ge­bend ist viel­mehr neben der Erwar­tung des recht­su­chen­den Publi­kums 11. Das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht dage­gen regelt auch Fall­ge­stal­tun­gen, die kei­nen Bezug zu Inhal­ten haben, son­dern aus­schließ­lich die Über­tra­gung von Daten ohne die Auf­be­rei­tung und Anse­hung von Inhal­ten betref­fen 12. Zu der­ar­ti­gen, durch das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht gere­gel­ten "klas­si­schen" Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­ten, die ganz in der Über­tra­gung von Signa­len über Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­ze bestehen (zur Defi­ni­ti­on des Begriffs der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te vgl. § 3 Nr. 24 TKG) gehört zum Bei­spiel die Bereit­stel­lung von Teil­neh­mer­an­schlüs­sen oder die Sprach- und Daten­über­tra­gung 13. Fall­be­ar­bei­tun­gen, die aus­schließ­lich sol­che Dienst­leis­tun­gen betref­fen, wei­sen kei­nen Bezug zu Inhal­ten und damit kei­nen urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezug auf. Aber auch Diens­te, mit denen – wie etwa bei einem Inter­net-Zugang – neben der Über­tra­gungs­dienst­leis­tung noch eine inhalt­li­che Dienst­leis­tung ange­bo­ten wird und die des­halb sowohl Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons- als auch Tele­me­di­en­diens­te sind 14, kön­nen in der im Ein­zel­fall erfolg­ten Bear­bei­tung auf die Über­tra­gungs­dienst­leis­tung, das heißt auf einen rein tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Aspekt beschränkt und ohne jeden urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezug sein.

Auch die sys­te­ma­ti­sche Stel­lung der Rege­lung ver­langt die Ein­schrän­kung auf Fäl­le mit urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chem Bezug. Zu berück­sich­ti­gen ist näm­lich, dass die Fach­an­walts­ord­nung in § 1 Satz 2 FAO nicht eine ein­heit­li­che Fach­an­walts­be­zeich­nung für das Urhe­ber- und Medi­en­recht sowie für das Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht kennt, son­dern für das Urhe­ber- und Medi­en­recht einer­seits und das Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht ande­rer­seits jeweils eine eige­ne Fach­an­walts­be­zeich­nung mit unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen vor­sieht (vgl. § 5 Abs. 1 Buchst. q in Ver­bin­dung mit § 14j FAO und § 5 Abs. 1 Buchst. r in Ver­bin­dung mit § 14k FAO; zu den unter­schied­li­chen Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen für das Arbeits­recht und das Sozi­al­recht vgl. BGH, Beschluss vom 25.02.2008, aaO Rn. 13). Bei den Bera­tun­gen der Sat­zungs­ver­samm­lung der Bun­des­rechts­an­walts­kam­mer sind die­se unter­schied­li­chen Anfor­de­run­gen aus­drück­lich erör­tert und als maß­geb­li­cher Grund für die unter­schied­li­chen Fach­an­walts­be­rei­che ange­führt wor­den. Danach beschränkt sich der Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht auf die inhalt­li­che Sei­te. Die tech­ni­schen Spe­zi­al­kennt­nis­se und die damit ein­her­ge­hen­den recht­li­chen Gebie­te habe man aus dem Kon­zept her­aus­ge­nom­men und einen eige­nen Fach­an­walt für IT-Recht erar­bei­tet 15.

Die Exis­tenz unter­schied­li­cher Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen schließt zwar nicht von vor­ne­her­ein aus, dass eine Fall­be­ar­bei­tung sowohl für die eine als auch für die ande­re Fach­an­walts­be­zeich­nung ange­rech­net wer­den kann 16. Vor­aus­set­zung hier­für ist aber, dass die Fall­be­ar­bei­tung den Nach­weis prak­ti­scher Erfah­run­gen auf bei­den Fach­ge­bie­ten erbringt. Das ist nur der Fall, wenn sie Bezü­ge zu bei­den Fach­ge­bie­ten hat, das heißt wenn Fra­gen aus bei­den Fach­ge­bie­ten für die argu­men­ta­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung "eine Rol­le spie­len" 17. Andern­falls könn­te ein Rechts­an­walt mit Fall­be­ar­bei­tun­gen etwa aus dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht die Berech­ti­gung zur Füh­rung bei­der Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen erwer­ben. Das stellt, wie der Anwalts­ge­richts­hof zutref­fend erkannt hat, die vom Sat­zungs­ge­ber gewoll­te Unter­schei­dung zwi­schen zwei ver­schie­de­nen Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen im Bereich des Urhe­ber- und Medi­en­rechts einer­seits und des Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­rechts ande­rer­seits in Fra­ge.

Der Wort­laut von § 14j FAO steht der vor­ge­nann­ten, an Ent­ste­hungs­ge­schich­te, Sinn und Zweck sowie sys­te­ma­ti­scher Stel­lung der Vor­schrift ori­en­tier­ten Aus­le­gung nicht ent­ge­gen. Der Anwäl­tin ist zwar ein­zu­räu­men, dass sich das Wort "Bezü­ge", inso­fern anders als in § 12 Nr. 1, § 14c Nr. 5, § 14f Nr. 1, § 14i Nr. 3 und § 14j Nr. 5 FAO, nicht in § 14j Nr. 6 FAO fin­det. Die Begriffs­ver­wen­dung in den Vor­schrif­ten der §§ 8 ff. FAO, in denen die in den ver­schie­de­nen Fach­ge­bie­ten nach­zu­wei­sen­den beson­de­ren Kennt­nis­se gere­gelt sind, erfolgt indes nicht ein­heit­lich. So fin­det sich etwa in § 14j Nr. 5 FAO – anders als in § 14j Nr. 6 FAO – nicht der Begriff der "Grund­zü­ge". Den­noch wer­den auch im Hin­blick auf das in § 14j Nr. 5 FAO genann­te Wett­be­werbs­recht nur Kennt­nis­se der Grund­zü­ge gefor­dert 18. Aus dem Feh­len eines Begriffs in einer Teil­re­ge­lung der Fach­an­walts­ord­nung kann mit­hin nicht zwin­gend auf einen unter­schied­li­chen Rege­lungs­in­halt im Ver­gleich zu einer ein ande­res Fach­ge­biet betref­fen­den Rege­lung geschlos­sen wer­den, die die­sen Begriff ent­hält. Dem­entspre­chend hat der Bun­des­ge­richts­hof auch hin­sicht­lich § 10 Nr. 1 Buchst. e FAO das Erfor­der­nis eines Bezu­ges zum Arbeits­recht ange­nom­men, obwohl auch dort der Begriff "Bezü­ge" im Unter­schied zu ande­re Fach­ge­bie­te betref­fen­den Rege­lun­gen nicht genannt wird.

Der Wort­laut von § 5 Abs. 1 Buchst. q und § 14j FAO lässt viel­mehr den Schluss auf die Erfor­der­lich­keit eines medi­en- oder urhe­ber­recht­li­chen Bezu­ges von Fall­be­ar­bei­tun­gen aus den in § 14j Nr. 6 FAO genann­ten Rechts­be rei­chen zu. Aus § 14j FAO ergibt sich, wel­chen Rechts­stoff das Fach­ge­biet Urhe­ber- und Medi­en­recht umfasst. Mit der Auf­nah­me des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­rechts in § 14j Nr. 6 FAO wird dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­ches Grund­la­gen­wis­sen für die medi­en­recht­li­che Pra­xis unab­ding­bar ist. Dem ent­spricht es, wenn dem Urhe­ber- und Medi­en­recht in § 14j Nr. 6 FAO das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht nicht als sol­ches, son­dern nur in sei­nen Grund­zü­gen zuge­ord­net wird. Dar­aus wird zugleich deut­lich, dass ihm für die­se Fach­an­walts­be­zeich­nung nur eine die­nen­de Funk­ti­on zukommt.

Der unein­ge­schränk­ten Ver­wei­sung in § 5 Abs. 1 Buchst. q Satz 1 FAO auf § 14j Nr. 6 FAO lässt sich ent­neh­men, dass beson­de­re prak­ti­sche Erfah­run­gen im Urhe­ber- und Medi­en­recht auch durch eine hohe Zahl von Fall­be­ar­bei­tun­gen aus den dort genann­ten Neben­ge­bie­ten nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Die prak­ti­sche Erfah­rung auf dem Fach­ge­biet des Urhe­ber- und Medi­en­rechts kann indes sinn­voll nur mit urhe­ber- und medi­en­recht­li­chen Fäl­len nach­ge­wie­sen wer­den. Fäl­le aus dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht kön­nen die­sen Zweck nur erfül­len, wenn sie wenigs­tens einen urhe­ber- oder medi­en­recht­li­chen Bezug haben, bei ihnen also auch urhe­ber- oder medi­en­recht­li­che Fra­gen eine Rol­le spie­len (vgl. zu § 10 Nr. 1 und § 5 Abs. 1 Buchst. c Satz 1 FAO BGH, Beschluss vom 25.02.2008, aaO Rn. 12; vgl. zu § 14d Nr. 2 und § 5 Abs. 1 Buchst. k FAO BGH, Urteil vom 27.10.2014, aaO).

Schließ­lich gebie­tet auch das ver­fas­sungs­recht­li­che Bestimmt­heits­ge­bot nicht ein Ver­ständ­nis von § 5 Abs. 1 Buchst. q Satz 1 FAO in Ver­bin­dung mit § 14j Nr. 6 FAO dahin­ge­hend, dass prak­ti­sche Erfah­run­gen im Urhe­ber- und Medi­en­recht durch die Vor­la­ge tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­cher Fäl­le stets und unab­hän­gig von ihrem urhe­ber- und medi­en­recht­li­chen Bezug nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Das aus Art.20 Abs. 3 GG fol­gen­de Bestimmt­heits­ge­bot erfor­dert nur, dass die Betrof­fe­nen die Rechts­la­ge erken­nen und ihr Ver­hal­ten danach ein­rich­ten kön­nen 19. Dies ist schon dann anzu­neh­men, wenn sich der Rege­lungs­ge­halt der Norm im Wege der Aus­le­gung der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung mit Hil­fe der aner­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den fest­stel­len lässt 20. Das rechts­staat­li­che Bestimmt­heits­ge­bot wird ein­ge­hal­ten, wenn sich aus der gesetz­li­chen Rege­lung und ihrer Ziel­set­zung rich­tungs­wei­sen­de Gesichts­punk­te für die – den Gerich­ten und Ver­wal­tungs­be­hör­den über­tra­ge­ne – Aus­le­gung der ver­wen­de­ten unbe­stimm­ten Rechts­be­grif­fe erge­ben 21.

Die­sen Anfor­de­run­gen ent­spricht vor­lie­gend eine Aus­le­gung von § 5 Abs. 1 Buchst. q Satz 1 FAO in Ver­bin­dung mit § 14j Nr. 6 FAO, die zum Nach­weis von beson­de­ren prak­ti­schen Erfah­run­gen im Urhe­ber- und Medi­en­recht nur sol­che Fall­be­ar­bei­tun­gen genü­gen lässt, die urhe­ber- oder medi­en­recht­li­che Bezü­ge auf­wei­sen. Der ent­spre­chen­de Rege­lungs­ge­halt lässt sich – wie gezeigt – im Wege der Aus­le­gung von § 14j Nr. 6 FAO nach Ent­ste­hungs­ge­schich­te, Sinn und Zweck der Vor­schrift sowie ihrer sys­te­ma­ti­schen Stel­lung im Rege­lungs­ge­fü­ge der Fach­an­walts­ord­nung fest­stel­len. Aus der Ziel­set­zung von § 14j Nr. 6 FAO, beson­de­re Kennt­nis­se als Vor­aus­set­zung für den Erwerb der Fach­an­walts­be­zeich­nung sicher­zu­stel­len, erge­ben sich rich­tungs­wei­sen­de Gesichts­punk­te für eine Aus­le­gung der Rege­lung im vor­ge­nann­ten Sinn.

Fäl­le aus dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht mit Bezug zum Urhe­ber- oder Medi­en­recht wer­den nicht sel­ten eine Struk­tur dahin­ge­hend haben, dass sie ihren Aus­gangs­punkt im Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht, ihren Wir­kungs­be­reich jedoch im Urhe­ber- oder Medi­en­recht fin­den. Das ist etwa der Fall, wenn Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen zu (behaup­te­ten) Ver­let­zun­gen von Rechts­po­si­tio­nen genutzt wer­den, die durch das Urhe­ber- oder das Medi­en­recht geschützt wer­den. Fall­ge­stal­tun­gen die­ser Art erge­ben sich bei Ver­stö­ßen gegen das Urhe­ber- oder Medi­en­recht unter Nut­zung von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­la­gen und ver­bin­dun­gen wie bei­spiels­wei­se beim File­sha­ring 22, der sog. Ver­brei­ter­haf­tung 23, der Haf­tung von Inha­bern von Inter­net­an­schlüs­sen 24 und bei Aus­kunfts­an­sprü­chen gegen­über Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men gemäß § 101 Abs. 2 Nr. 3, Abs. 9 UrhG. Bezug zum Medi­en­recht haben aber auch – wie der Anwalts­ge­richts­hof zutref­fend erkannt hat – Fäl­le betref­fend die tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten zur Fre­quenz- und Rund­funk­re­gu­lie­rung 25.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Febru­ar 2015 – AnwZ (Brfg) 54/​13

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 10.03.2014 – AnwZ (Brfg) 58/​12, NJW-RR 2014, 752 Rn. 13 ff. und BGH, Beschluss vom 25.02.2008 – AnwZ (B) 17/​07, NJW-RR 2008, 925 Rn. 10 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 25.02.2008 – AnwZ (B) 17/​07, NJW-RR 2008, 925 Rn. 10 ff.; Urteil vom 10.03.2014 – AnwZ (Brfg) 58/​12, NJW-RR 2014, 752 Rn. 13 ff.; vgl. zu § 5 Abs. 1 Buchst. k FAO (Ver­kehrs­recht) und § 14d Nr. 2 FAO (Ver­si­che­rungs­recht) BGH, Urteil vom 27.10.2014 – AnwZ (Brfg) 85/​13 11 f.[]
  3. vgl. für § 5 Abs. 1 Buchst. c und § 10 Nr. 1 FAO BGH, Beschluss vom 25.02.2008, aaO Rn. 12; zu § 5 Abs. 1 Buchst. a und § 8 FAO (Ver­wal­tungs­recht) vgl. BGH, Urteil vom 25.11.2013 – AnwZ (Brfg) 44/​12, NJW-RR 2014, 751 Rn. 11[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 14.05.1990 – AnwZ (B) 4/​90, BGHZ 111, 229, 231[]
  5. BT-Drs. 11/​8307, S.19[]
  6. vgl. hier­zu BVerfG, AnwBl.2014, 1052, 1053; NJW 1992, 816; NJW 2007, 1945; NJW 1992, 493[]
  7. BGH, Urtei­le vom 25.11.2013, aaO Rn. 14; und vom 27.10.2014, aaO Rn. 12[]
  8. vgl. zu den Fach­an­walts­be­zeich­nun­gen für das Arbeits­recht und das Sozi­al­recht BGH, Beschluss vom 25.02.2008, aaO; zur Fach­an­walts­be­zeich­nung für das Ver­wal­tungs­recht vgl. BGH, Urteil vom 25.11.2013, aaO; zum Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht vgl. BGH, Urteil vom 27.10.2014, aaO[]
  9. vgl. zum Fach­an­walt für Arbeits­recht BGH, Beschluss vom 25.02.2008, aaO; zum Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht vgl. BGH, Urteil vom 27.10.2014, aaO Rn. 11 f.[]
  10. vgl. zum Begriff des Medi­en­rechts Cole in Dörr/​Kreile/​Cole, Hand­buch Medi­en­recht, 2. Aufl., Teil A Rn. 1 ff.[]
  11. vgl. oben zu (a) das – auch in den ein­schlä­gi­gen Nor­men zum Aus­druck gekom­me­ne – Ver­ständ­nis des Sat­zungs­ge­bers. Danach beschränkt sich der Fach­an­walt für Urhe­ber- und Medi­en­recht auf die inhalt­li­che Sei­te ((vgl. Pro­to­koll über die 6. Sit­zung der 3. Sat­zungs­ver­samm­lung bei der BRAK am 3.04.2006, S. 29[]
  12. vgl. Holznagel/​Ricke in Spindler/​Schuster, Recht der elek­tro­ni­schen Medi­en, 2. Aufl., § 1 TMG Rn. 5 m.w.N.[]
  13. BT-Drs. 16/​3078, S. 13[]
  14. vgl. hier­zu BT-Drs. 16/​3078, aaO[]
  15. vgl. Pro­to­koll über die 6. Sit­zung der 3. Sat­zungs­ver­samm­lung bei der BRAK am 3.04.2006, S. 29[]
  16. vgl. dazu Hartung/​Scharmer, BORA/​FAO, 5. Aufl., § 5 FAO Rn. 77 f.[]
  17. vgl. BGH, Beschluss vom 20.04.2009 – AnwZ (B) 48/​08, BRAK-Mitt.2009, 177 Rn. 9[]
  18. vgl. Pro­to­koll über die 6. Sit­zung der 3. Sat­zungs­ver­samm­lung bei der BRAK am 3.04.2006, S. 29; Vos­se­bür­ger in Feuerich/​Weyland, BRAO, 8. Aufl., § 14j Rn. 7[]
  19. vgl. BVerfGE 78, 205, 212; BVerfGE 84, 133, 149; BVerfGE 87, 234, 263; BVerfGE 102, 254, 337[]
  20. st. Rspr.; vgl. BVerfGE 102 aaO; BVerfGE 110, 33, 56 f.; BVerfGE 117, 71, 111 f.; BVerfGE 131, 88, 118 f.; jeweils m.w.N.[]
  21. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.11.1988 – 1 BvR 900/​88 8[]
  22. vgl. hier­zu Keber in Pra­xis­hand­buch Medi­en, IT- und Urhe­ber­recht, 3. Aufl., Kapi­tel 23 Rn. 69 ff.[]
  23. vgl. hier­zu Münch­Komm-BGB/­Ri­x­e­cker, 6. Aufl., Anhang zu § 12 Rn.199; Münch­Komm-BGB/­Wag­ner, 6. Aufl., § 824 Rn. 30; Söder in Beck­OK, Infor­ma­ti­ons- und Medi­en­recht, Stand 1.11.2014, § 823 BGB Rn. 13[]
  24. vgl. BGH, Urteil vom 12.05.2010 – I ZR 121/​08, NJW 2010, 2061[]
  25. vgl. Cole in Dörr/​Kreile/​Cole, Hand­buch des Medi­en­rechts, 2. Aufl., Teil A Rn. 5 und Teil C Rn. 34; Ufer in Pra­xis­hand­buch Medi­en, IT- und Urhe­ber­recht, 3. Aufl., Kapi­tel 19 Rn. 11[]