Fach­an­walt – und die spä­te­re Wie­der­zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft

Im Fall der Wie­der­zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft ist auf Antrag ohne Wei­te­res die bis zum Wider­ruf der Zulas­sung bereits geführ­te Fach­an­walts­be­zeich­nung zu ver­lei­hen, sofern die (Ex)Rechtsanwältin nach­weist, dass sie sich in dem in § 15 FAO bezeich­ne­ten Umfang fort­ge­bil­det hat, und sofern nicht der Gesetz­ge­ber Rege­lun­gen zur Neu­ver­lei­hung einer Fach­an­walts­be­zeich­nung bei erneu­ter Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft nach deren vor­he­ri­gem Erlö­schen getrof­fen hat.

Fach­an­walt – und die spä­te­re Wie­der­zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft

Einen Anspruch des (ehe­ma­li­gen) Rechts­an­walts auf eine der­ar­ti­ge Zusi­che­rung hat­te der Bun­des­ge­richts­hof zunächst abge­lehnt 1. Die­se Ent­schei­dung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Beschluss vom 22.10.2014 2 auf­ge­ho­ben und die Sache an den Bun­des­ge­richts­hof zurück­ver­wie­sen. Die­ser setz­te nun die Anfor­de­run­gen aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts – ent­ge­gen dem ein­deu­ti­gen anders­lau­ten­den Wort­laut der Fach­an­walts­ord­nung – um:

Der Bun­des­ge­richts­hof hält an sei­ner – von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den­den 3 – Auf­fas­sung fest, dass die der (Ex)Rechtsanwältin erteil­te Befug­nis zum Füh­ren der Fach­an­walts­be­zeich­nung mit der Bestands­kraft des Wider­rufs der Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft ihre Wirk­sam­keit ver­lo­ren hat und nach etwai­ger erneu­ter Zulas­sung nicht wie­der auf­le­ben kann 4. Dem­ge­mäß müss­te die (Ex)Rechtsanwältin im Fall ihrer Wie­der­zu­las­sung zur Rechts­an­walt­schaft die Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung neu bean­tra­gen, wor­über die Rechts­an­walts­kam­mer dann zu ent­schei­den hät­te 5.

Die Rechts­an­walts­kam­mer wäre auf der Grund­la­ge des der­zeit gel­ten­den Sat­zungs­rechts ver­pflich­tet, die Fach­an­walts­be­zeich­nung auf Antrag der (Ex)Rechtsanwältin aber­mals zu ver­lei­hen.

Die Fach­an­walts­ord­nung ent­hält zwar gegen­wär­tig kei­ne spe­zi­fi­schen Rege­lun­gen betref­fend die Neu­ver­lei­hung einer Fach­an­walts­be­zeich­nung nach erlo­sche­ner und dann wie­der erfolg­ter Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft. Gemäß bin­den­der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­stößt jedoch eine Aus­le­gung des maß­ge­ben­den Berufs­rechts, nach der die (Ex)Rechtsanwältin des­we­gen das in den §§ 2 ff. FAO nor­mier­te Ver­fah­ren zur (erst­ma­li­gen) Befug­nis­er­tei­lung noch­mals voll­stän­dig zu durch­lau­fen hät­te, gegen den Vor­be­halt des Geset­zes 6. Dies gilt unge­ach­tet der Fra­ge, für wel­che Zeit die (Ex)Rechtsanwältin aus der Rechts­an­walt­schaft aus­ge­schie­den und mit wel­chen beruf­li­chen Auf­ga­ben sie zwi­schen­zeit­lich befasst gewe­sen ist; denn das Berufs­recht ent­hält der­zeit kei­ne Bestim­mung, nach der die ein­mal erwor­be­ne berufs­prak­ti­sche Qua­li­fi­ka­ti­on all­ge­mein (vgl. § 3 FAO) oder hin­sicht­lich des Fach­ge­biets (vgl. § 5 FAO) allein durch Aus­schei­den aus dem Anwalts­be­ruf oder durch Zei­ten beruf­li­cher Untä­tig­keit erlischt 7.

Des­halb dürf­te die Rechts­an­walts­kam­mer die Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung nicht mit der Begrün­dung ableh­nen, dass die (Ex)Rechtsanwältin nicht – wie von § 3 FAO gefor­dert – über eine drei­jäh­ri­ge Zulas­sung und Tätig­keit inner­halb der letz­ten sechs Jah­re vor (erneu­ter) Antrag­stel­lung ver­fü­ge oder dass der prak­ti­sche Nach­weis nicht erbracht sei, weil die (Ex)Rechtsanwältin inner­halb der letz­ten drei Jah­re vor Antrag­stel­lung kei­ne Fäl­le im Fach­ge­biet bear­bei­tet habe (vgl. § 5 Abs. 1 FAO). Eine sol­che Ent­schei­dung könn­te vor der Ver­fas­sung kei­nen Bestand haben. Der Anspruch auf Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung ergä­be sich dabei unmit­tel­bar aus § 43c Abs. 1 Satz 1 BRAO, weil die (Ex)Rechtsanwältin die von ihr ein­mal erwor­be­ne berufs­prak­ti­sche Qua­li­fi­ka­ti­on auf dem Gebiet des Ver­wal­tungs­rechts wäh­rend des Nicht­be­stehens der Rechts­an­walts­zu­las­sung nicht wie­der ver­lo­ren hat 8.

Der Bun­des­ge­richts­hof kann die dies­be­züg­li­che Fest­stel­lung trotz ent­ge­gen­ste­hen­den zwin­gen­den Sat­zungs­rechts (§§ 3, 5 FAO) selbst tref­fen.

Aller­dings ist eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung nament­lich der §§ 3, 5 Abs. 1 FAO mit dem vor­ge­nann­ten Inhalt schon im Blick auf die Ein­deu­tig­keit der bezeich­ne­ten Bestim­mun­gen nicht mög­lich 9. Fer­ner darf der nor­ma­ti­ve Rege­lungs­in­halt nicht im Wege ver­für wel­che Zeit die (Ex)Rechtsanwältin aus der Rechts­an­walt­schaft aus­ge­schie­den und mit wel­chen beruf­li­chen Auf­ga­ben sie zwi­schen­zeit­lich befasst gewe­sen ist; denn das Berufs­recht ent­hält der­zeit kei­ne Bestim­mung, nach der die ein­mal erwor­be­ne berufs­prak­ti­sche Qua­li­fi­ka­ti­on all­ge­mein (vgl. § 3 FAO) oder hin­sicht­lich des Fach­ge­biets (vgl. § 5 FAO) allein durch Aus­schei­den aus dem Anwalts­be­ruf oder durch Zei­ten beruf­li­cher Untä­tig­keit erlischt 7.

Des­halb dürf­te die Rechts­an­walts­kam­mer die Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung nicht mit der Begrün­dung ableh­nen, dass die (Ex)Rechtsanwältin nicht – wie von § 3 FAO gefor­dert – über eine drei­jäh­ri­ge Zulas­sung und Tätig­keit inner­halb der letz­ten sechs Jah­re vor (erneu­ter) Antrag­stel­lung ver­fü­ge oder dass der prak­ti­sche Nach­weis nicht erbracht sei, weil die (Ex)Rechtsanwältin inner­halb der letz­ten drei Jah­re vor Antrag­stel­lung kei­ne Fäl­le im Fach­ge­biet bear­bei­tet habe (vgl. § 5 Abs. 1 FAO). Eine sol­che Ent­schei­dung könn­te vor der Ver­fas­sung kei­nen Bestand haben. Der Anspruch auf Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung ergä­be sich dabei unmit­tel­bar aus § 43c Abs. 1 Satz 1 BRAO, weil die (Ex)Rechtsanwältin die von ihr ein­mal erwor­be­ne berufs­prak­ti­sche Qua­li­fi­ka­ti­on auf dem Gebiet des Ver­wal­tungs­rechts wäh­rend des Nicht­be­stehens der Rechts­an­walts­zu­las­sung nicht wie­der ver­lo­ren hat 8.

Der Bun­des­ge­richts­hof kann die dies­be­züg­li­che Fest­stel­lung trotz ent­ge­gen­ste­hen­den zwin­gen­den Sat­zungs­rechts (§§ 3, 5 FAO) selbst tref­fen.

Aller­dings ist eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung nament­lich der §§ 3, 5 Abs. 1 FAO mit dem vor­ge­nann­ten Inhalt schon im Blick auf die Ein­deu­tig­keit der bezeich­ne­ten Bestim­mun­gen nicht mög­lich 9. Fer­ner darf der nor­ma­ti­ve Rege­lungs­in­halt nicht im Wege ver­walts­zu­las­sung nicht gege­ben. Unge­ach­tet des­sen weist die Rechts­an­walts­kam­mer mit Recht dar­auf hin, dass der Nach­weis beim Ersu­chen um aber­ma­li­ge Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung antrags­ge­mäß zu erbrin­gen sein wird.

Dar­über hin­aus ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass der Gesetz­ge­ber bis zu einer Ent­schei­dung über eine Wie­der­zu­las­sung der (Ex)Rechtsanwältin zur Rechts­an­walt­schaft und einem erneu­ten Antrag auf Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung spe­zi­fi­sche Rege­lun­gen zu der inmit­ten ste­hen­den Pro­ble­ma­tik schafft. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat hier­zu Hin­wei­se gege­ben 10. Für die­sen Fall wird ein etwai­ger Antrag auf Ver­lei­hung der Fach­an­walts­be­zeich­nung an den dann gel­ten­den Sat­zungs­be­stim­mun­gen zu mes­sen sein. Die (Ex)Rechtsanwältin genießt kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz gegen eine zukünf­ti­ge Ände­rung des gel­ten­den Rechts 11. Nament­lich hat die (Ex)Rechtsanwältin kei­nen Anspruch dar­auf, dass es der Gesetz­ge­ber bei dem der­zeit unge­re­gel­ten Rechts­zu­stand belässt 12.

BGh, Urteil vom 11. Janu­ar 2016 – AnwZ (Brfg) 49/​14

  1. BGH, Urteil vom 02.07.2012 – AnwZ (Brfg) 57/​11, BRAK-Mitt.2012, 242[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 1 BvR 1815/​12, NJW 2015, 394[]
  3. vgl. BVerfG, NJW 2015, 394 Rn. 25, 26[]
  4. vgl. im Ein­zel­nen BGH, Beschluss vom 02.07.2012 – AnwZ (Brfg) 57/​11, aaO Rn. 4 ff.[]
  5. a.M. wohl Offer­mann-Burck­art, NJW 2015, 380, 381[]
  6. BVerfG, NJW 2015, 394 Rn. 15[]
  7. BVerfG, aaO Rn. 30[][]
  8. vgl. hier­zu BVerfG, aaO Rn. 26, 30[][]
  9. vgl. zusam­men­fas­send BVerfG, Beschluss vom 16.12 2014 – 1 BvR 2142/​11, NVwZ 2015, 510 Rn. 89 ff. mwN[][]
  10. BVerfG, aaO Rn. 31[]
  11. vgl. BVerfG, NJW 2010, 3629 Rn. 57[]
  12. vgl. BVerfG, NJW 2015, 394 Rn.20, 31[]