Fris­ten­kon­trol­le durch den Rechts­an­walt

Ein Rechts­an­walt muss den Ablauf von Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­fris­ten immer dann eigen­ver­ant­wort­lich prü­fen, wenn ihm die Akten im Zusam­men­hang mit einer frist­ge­bun­de­nen Pro­zess­hand­lung vor­ge­legt wer­den. Dazu muss er gege­be­nen­falls ver­an­las­sen, ihm die Hand­ak­ten vor­zu­le­gen.

Fris­ten­kon­trol­le durch den Rechts­an­walt

Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass der Rechts­an­walt die Prü­fung des Frist­ab­laufs im Zusam­men­hang mit der Bear­bei­tung der Sache nach­prü­fen muss, wenn ihm die­se zur Vor­be­rei­tung einer frist­ge­bun­de­nen Pro­zess­hand­lung vor­ge­legt wird. Nach den zur anwalt­li­chen Fris­ten­kon­trol­le ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen hat der Rechts­an­walt alles ihm Zumut­ba­re zu tun und zu ver­an­las­sen, damit die Fris­ten zur Ein­le­gung und Begrün­dung eines Rechts­mit­tels gewahrt wer­den. Die Über­wa­chungs­pflicht des Rechts­an­walts, dem die Hand­ak­ten zwecks Fer­ti­gung der Beru­fungs­schrift vor­ge­legt wer­den, beschränkt sich dabei nicht nur auf die Prü­fung, ob die Beru­fungs­frist zutref­fend notiert ist, son­dern erstreckt sich auch auf die ord­nungs­ge­mä­ße Notie­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist, die nach § 520 Abs. 2 Satz 1 ZPO mit der Zustel­lung des erst­in­stanz­li­chen Urteils zu lau­fen beginnt und deren Ablauf daher im Zeit­punkt der Fer­ti­gung der Beru­fungs­schrift bereits fest­steht. Mit der anwalt­li­chen Ver­pflich­tung, alle zumut­ba­ren Vor­keh­run­gen gegen Frist­ver­säum­nis­se zu tref­fen, wäre nicht zu ver­ein­ba­ren, wenn sich der Anwalt bei der im Zusam­men­hang mit der Akten­vor­la­ge zwecks Fer­ti­gung der Beru­fungs­schrift gebo­te­nen Prü­fung der Frist­no­tie­rung auf die Beru­fungs­frist beschrän­ken und die Prü­fung der bereits fest­ste­hen­den Beru­fungs­be­grün­dungs­frist aus­spa­ren woll­te. Er hat daher bei Vor­la­ge der Hand­ak­te zur Fer­ti­gung der Beru­fungs­schrift auch zu prü­fen, dass die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist rich­tig notiert wor­den ist 1.

Im hier ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Hät­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers bei Fer­ti­gung der am 28.11.2013 bei Gericht ein­ge­gan­ge­nen Beru­fungs­schrift kon­trol­liert, ob die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist rich­tig notiert wor­den ist, hät­te er bemer­ken kön­nen, dass ihm am 30.10.2013 inso­weit ein Feh­ler unter­lau­fen ist und die feh­ler­haf­te Notie­rung der Frist auf den 28.01.2014 im Ter­min­ka­len­der kor­ri­gie­ren kön­nen. Soweit sein Vor­brin­gen im Wie­der­ein­set­zungs­an­trag und mit der Rechts­be­schwer­de dahin zu ver­ste­hen sein soll­te, dass ihm bei Fer­ti­gung der Beru­fungs­schrift eine Hand­ak­te nicht und viel­mehr erst auf­grund der auf den 21.01.2014 notier­ten Vor­frist – auch mit den bereits am 16.12 2013 in sei­ner Kanz­lei ein­ge­trof­fe­nen Unter­la­gen – vor­ge­legt wur­de, läge bereits inso­weit ein Ver­schul­den des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vor 2.

Da mit­hin dem Antrag auf Wie­der­ein­set­zung nicht statt­zu­ge­ben war, hat das Beru­fungs­ge­richt die Beru­fung des Klä­gers wegen Ver­säu­mung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist zu Recht als unzu­läs­sig ver­wor­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2015 – VI ZB 37/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 03.05.2011 – VI ZB 4/​11 6; BGH, Urteil vom 25.09.2014 – III ZR 47/​14, NJW 2014, 3452 Rn. 8, 10; Beschlüs­se vom 21.04.2004 – XII ZB 243/​03, Fam­RZ 2004, 1183 f.; vom 01.12 2004 – XII ZB 164/​03, NJW-RR 2005, 498, 499
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.09.2014 – III ZR 47/​14, NJW 2014, 3452 Rn. 8, 10 mwN