Frist­fax ab 23:53 – und der beleg­te Fax­an­schluss des Land­ge­richts

Zwar darf der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te bei der Erstel­lung und Über­mitt­lung der Beru­fungs­be­grün­dung die ihm dafür ein­ge­räum­te Frist bis zur äußers­ten Gren­ze aus­schöp­fen 1. Ein Rechts­an­walt, der einen frist­ge­bun­de­nen Schrift­satz – wie hier – am letz­ten Tag der Frist ein­rei­chen will, muss aber sicher­stel­len, dass der Schrift­satz auf dem gewähl­ten Über­tra­gungs­weg noch recht­zei­tig vor Frist­ab­lauf bei Gericht ein­geht 2.

Frist­fax ab 23:53 – und der beleg­te Fax­an­schluss des Land­ge­richts

Das zur Frist­wah­rung Gebo­te­ne hat der Anwalt bei der Über­mitt­lung des Schrift­sat­zes per Fax daher nur getan, wenn er mit der Über­mitt­lung so recht­zei­tig begon­nen hat, dass unter gewöhn­li­chen Umstän­den mit ihrem Abschluss am Tage des Frist­ab­laufs bis 24:00 Uhr hät­te gerech­net wer­den kön­nen 3.

Das war hier nicht der Fall. Nach dem vor­ste­hen­den Maß­stab wider­sprach es den Sorg­falts­an­for­de­run­gen, erst um 23:53 Uhr und damit sie­ben Minu­ten vor Frist­ab­lauf damit zu begin­nen, die Beru­fungs­be­grün­dung dem Land­ge­richt per Fern­ko­pie zu über­mit­teln. Eine Par­tei muss nach stän­di­ger Recht­spre­chung bei der Über­mitt­lung ihrer Schrift­sät­ze Ver­zö­ge­run­gen ein­kal­ku­lie­ren, mit denen übli­cher­wei­se zu rech­nen ist, wozu – ins­be­son­de­re auch in den Abend- und Nacht­stun­den – die Bele­gung des Tele­fa­xemp­fangs­ge­räts bei Gericht durch ande­re ein­ge­hen­de Sen­dun­gen gehört 4.

Die Bele­gung des gerichts­ei­ge­nen Tele­fax­an­schlus­ses durch ande­re in Über­mitt­lung befind­li­che Fern­ko­pi­en ist eine kurz vor Frist­ab­lauf all­ge­mein zu beob­ach­ten­de Erschei­nung, die ver­schie­dent­lich Gegen­stand der Recht­spre­chung war und der der Anwalt im Hin­blick auf die ihm oblie­gen­de Sorg­falts­pflicht durch einen zeit­li­chen Sicher­heits­zu­schlag Rech­nung tra­gen muss 5.

Dass das Emp­fangs­ge­rät eines Gerichts in den Abend- und Nacht­stun­den für eine Zeit von zwan­zig Minu­ten belegt ist, ist kein unge­wöhn­li­ches Ereig­nis, mit dem der Absen­der des Tele­fax nicht rech­nen muss 6. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Beklag­ten hät­te dem­entspre­chend deut­lich frü­her als 23:53 Uhr mit der Ver­sen­dung der Beru­fungs­be­grün­dung begin­nen müs­sen.

Dafür, dass die ver­zö­ger­te Über­mitt­lung des Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift­sat­zes eine ande­re, in der Sphä­re des Land­ge­richts lie­gen­de Ursa­che als die Bele­gung von des­sen Fax­an­schluss hat­te, hat der Beklag­te nichts vor­ge­tra­gen und ist auch ansons­ten nichts ersicht­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2014 – III ZB 24/​14

  1. vgl. z.B. BGH, Beschluss vom 03.05.2011 – XI ZB 24/​10 9 mwN[]
  2. BGH aaO mwN[]
  3. BGH aaO; BVerfG, NJW 2000, 574[]
  4. BGH aaO Rn. 10; BVerfG aaO und NJW 2007, 2838; BFH, Beschluss vom 28.01.2010 – VIII B 88/​09 5[]
  5. BGH aaO; BVerfG NJW 2000, 574[]
  6. BGH aaO; BFH aaO mwN[]
  7. BFH, Beschluss vom 08.07.2011 – III B 7/​10, BFH/​NV 2011, 1895[]