Frist­fax – und die Kon­trol­le des Fax­be­richts

Ein Rechts­an­walt hat durch orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen dafür Sor­ge zu tra­gen, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz recht­zei­tig gefer­tigt wird und inner­halb der lau­fen­den Frist beim zustän­di­gen Gericht ein­geht.

Frist­fax – und die Kon­trol­le des Fax­be­richts

Zu die­sem Zweck muss er nicht nur sicher­stel­len, dass ihm die Akten von Ver­fah­ren, in denen Rechts­mit­tel­ein­le­gungs- und Rechts­mit­tel­be­grün­dungs­fris­ten lau­fen, recht­zei­tig vor­ge­legt wer­den, son­dern er hat auch eine Aus­gangs­kon­trol­le ein­zu­rich­ten, durch die zuver­läs­sig gewähr­leis­tet wird, dass frist­wah­ren­de Schrift­sät­ze auch tat­säch­lich hin­aus­ge­hen1.

Bei einer Über­mitt­lung frist­wah­ren­der Schrift­sät­ze per Tele­fax genügt der Rechts­an­walt sei­ner Pflicht zu einer Aus­gangs­kon­trol­le dann, wenn er sei­ne Ange­stell­ten anweist, anhand des Sen­de­be­richts und gege­be­nen­falls des Inhalts der Akte zu über­prü­fen, ob die Über­mitt­lung voll­stän­dig und an den rich­ti­gen Emp­fän­ger erfolgt ist; erst danach darf die Frist im Fris­ten­ka­len­der gestri­chen wer­den2.

Außer­dem gehört zu einer Aus­gangs­kon­trol­le eine Anord­nung des Rechts­an­walts, durch die gewähr­leis­tet wird, dass die Erle­di­gung der frist­ge­bun­de­nen Sachen am Ende eines jeden Arbeits­tags anhand des Fris­ten­ka­len­ders von einer damit beauf­trag­ten Büro­kraft noch­mals selb­stän­dig über­prüft wird3.

Wenn eine all­ge­mei­ne Kanz­lei­an­wei­sung zur Über­prü­fung eines per Tele­fax über­mit­tel­ten Schrift­stücks anhand des Sen­de­pro­to­kolls fehlt, muss die Prü­fung der Erle­di­gung der frist­ge­bun­de­nen Sachen am Abend auch eine inhalt­li­che Prü­fung des Sen­de­pro­to­kolls umfas­sen4.

Besteht indes eine sol­che all­ge­mei­ne Kanz­lei­an­wei­sung, muss sich die von einem Rechts­an­walt anzu­ord­nen­de Aus­gangs­kon­trol­le am Ende eines jeden Arbeits­tags im Fal­le der Über­mitt­lung eines Schrift­sat­zes per Tele­fax nicht auf die erneu­te inhalt­li­che Über­prü­fung des Sen­de­be­richts erstre­cken5. Zu der von einem Rechts­an­walt anzu­ord­nen­den Aus­gangs­kon­trol­le am Ende eines jeden Arbeits­tags gehört es dann, dass die damit beauf­trag­te Büro­kraft über­prüft, ob bei Tele­fa­x­über­mitt­lung über­haupt ein Sen­de­be­richt vor­liegt6.

Gemes­sen hier­an lies sich im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall das schuld­haf­te Unter­las­sen einer Aus­gangs­kon­trol­le am Ende eines jeden Arbeits­tags als Ursa­che für die Frist­ver­säu­mung nicht aus­schlie­ßen:

Zwar konn­te der Beschwer­de­füh­rer glaub­haft machen, dass ein Sen­de­be­richt vor­lag, die­ser genügt unter den Umstän­den des Streit­fal­les jedoch nicht, die unter­las­se­ne Aus­gangs­kon­trol­le als Ursa­che aus­zu­schlie­ßen. Das vor­ge­leg­te Über­mitt­lungs­pro­to­koll ist über­sicht­lich. Als Sen­de­sta­tus ist nicht „OK” (für eine erfolg­rei­che Sen­dungs­über­mitt­lung), son­dern „BES” (für besetzt), als über­tra­ge­ne Sei­ten­zahl „000/​008” und als Dau­er der Sen­dung „00:00:00” ein­ge­tra­gen. Der Sen­de­sta­tus ist im Gegen­satz zu ande­ren Anga­ben auf dem Sen­de­pro­to­koll nicht mit einem Kenn­zei­chen ver­se­hen, dass die­ser bereits über­prüft wor­den war. Danach ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass bei der am Ende des Arbeits­tags gebo­te­nen Prü­fung, ob bei Tele­fa­x­über­mitt­lung über­haupt ein Sen­de­be­richt vor­liegt, durch einen Blick auf den kon­kre­ten Über­mitt­lungs­be­richt auf­ge­fal­len wäre, dass das Tele­fax noch nicht ver­sandt wor­den war. Dann wäre nach dem gewöhn­li­chen Lauf der Din­ge bei ansons­ten pflicht­ge­mä­ßem Ver­hal­ten der ein­ge­setz­ten Büro­kraft die Beru­fungs­frist nicht ver­säumt wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. März 2017 – IX ZB 1/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 26.02.2015 – III ZB 55/​14, NJW 2015, 2041 Rn. 8; vom 06.04.2016 – VII ZB 7/​15, NJW-RR 2016, 1262 Rn. 9 mwN
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.05.2008 – XII ZB 34/​07, NJW 2008, 2508 Rn. 11; vom 16.02.2012 – IX ZB 110/​11, n.v., Rn. 4; vom 03.12 2015 – V ZB 72/​15, NJW 2016, 874 Rn. 12
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 09.12 2014 – VI ZB 42/​13, NJW-RR 2015, 442 Rn. 8; vom 15.12 2015 – VI ZB 15/​15, NJW 2016, 873 Rn. 8; vom 25.02.2016 – III ZB 42/​15, NJW 2016, 1742 Rn. 10; jeweils mwN
  4. BGH, Beschluss vom 23.02.2016 – II ZB 9/​15, NJW 2016, 1664 Rn. 18
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 23.02.2016 aaO; vom 10.08.2016 – VII ZB 17/​16, NJW-RR 2016, 1403 Rn. 18
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2012 – V ZB 45/​11 Rn. 12