Frist­ver­säum­nis – und die haf­tungs­aus­fül­len­de Kau­sa­li­tät in der Anwalts­haf­tung

Grund­sätz­lich obliegt der Beweis für den Ursa­chen­zu­sam­men­hang zwi­schen der Pflicht­ver­let­zung und dem Scha­den als anspruchs­be­grün­den­de Vor­aus­set­zung nach all­ge­mei­nen Regeln dem­je­ni­gen, der Scha­dens­er­satz ver­langt1.

Frist­ver­säum­nis – und die haf­tungs­aus­fül­len­de Kau­sa­li­tät in der Anwalts­haf­tung

Dem­nach hat der Auf­trag­ge­ber den Nach­weis zu füh­ren, dass er den mit der Aus­gangs­kla­ge gel­tend gemach­ten Anspruch gegen sei­nen Schuld­ner ohne die anwalt­li­che Pflicht­ver­let­zung hät­te durch­set­zen kön­nen2.

Hier­bei hat das Gericht über die Fra­ge, wie der Vor­pro­zess nach Auf­fas­sung des Scha­dens­er­satz­rich­ters rich­ti­ger­wei­se hät­te ent­schie­den wer­den müs­sen3, nach den Grund­sät­zen des § 287 ZPO Fest­stel­lun­gen zu tref­fen4.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Als Anfech­ten­de traf die Man­dan­tin im Aus­gangs­pro­zess die Dar­le­gungs- und Beweis­last für die tat­säch­li­chen Fra­gen, wel­che bei der Beur­tei­lung der gel­tend gemach­ten Beschluss­män­gel der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft ent­schei­dungs­er­heb­lich sind5. Dem­entspre­chend oblag es ihr, auch im Scha­dens­er­satz­ver­fah­ren gegen den Recht­an­walt zu den Erfolgs­aus­sich­ten des Aus­gangs­pro­zes­ses vor­zu­tra­gen und die­se Tat­sa­chen erfor­der­li­chen­falls unter Beweis zu stel­len. Ob unter Zugrun­de­le­gung die­ser Dar­le­gungs- und Beweis­last­ver­tei­lung ein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der anwalt­li­chen Pflicht­ver­let­zung und dem ein­ge­tre­te­nen Scha­den ange­nom­men wer­den kann, hat das Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt. Statt­des­sen hat es sei­ne Ent­schei­dung allein auf eine ver­meint­li­che Wider­sprüch­lich­keit des Vor­trags des Rechts­an­walts gestützt, auf die es inso­weit nicht ankommt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2015 – IX ZR 206/​14

  1. vgl. G. Fischer in: Zugehör/​G. Fischer/​Vill/​D. Fischer/​Rinkler/​Chab, Hand­buch der Anwalts­haf­tung, 3. Aufl., Rn. 1104
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.05.2004 – IX ZR 211/​00, WM 2004, 2220, 2221
  3. vgl. G. Fischer, aaO Rn. 1190
  4. vgl. BGH, Urteil vom 10.03.2011 – IX ZR 82/​10, WM 2011, 993 Rn.19
  5. vgl. BGH, Urteil vom 27.03.2009 – V ZR 196/​08, NZM 2009, 436 Rn. 27 ff; Dötsch, ZWE 2011, 305, 306; Bamberger/​Roth/​Scheel, BGB, 3. Aufl., § 46 WEG Rn. 34