Gegen­stands­wert­fest­set­zung im Verfassungsbeschwerdeverfahren

Nach § 37 Abs. 2 Satz 2 RVG ist der Gegen­stands­wert im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren unter Berück­sich­ti­gung der in § 14 Abs. 1 RVG genann­ten Umstän­de nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men; er beträgt jedoch min­des­tens 5.000 €.

Gegen­stands­wert­fest­set­zung im Verfassungsbeschwerdeverfahren

Maß­geb­lich sind vor allem

  • der Umfang und die Schwie­rig­keit der anwalt­li­chen Tätigkeit, 
  • die Bedeu­tung der Ange­le­gen­heit für Beschwer­de­füh­ren­de und All­ge­mein­heit sowie
  • die Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se der Beauf­tra­gen­den (§ 14 Abs. 1 Satz 1 RVG; vgl. BVerfGE 79, 365 <366 ff.>). 

Die Über­schrei­tung des Min­dest­werts ist gebo­ten, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de erfolg­reich war1 und der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Beschwer­de­füh­re­rin das Ver­fah­ren sach­dien­lich geför­dert hat2.

Im hier ent­schie­de­nen Fall rüg­te die Beschwer­de­füh­re­rin die Ver­sa­gung recht­li­chen Gehörs in einem arbeits­ge­richt­li­chen Wert­fest­set­zungs­ver­fah­ren. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat­te die Streit­wert­be­schwer­de des Anwalts im Namen und Auf­trag der Beschwer­de­füh­re­rin zu Unrecht als unzu­läs­sig ver­wor­fen, weil sie nur für die Rechts­schutz­ver­si­che­rung ein­ge­legt wor­den sei. Die Kam­mer hat der Ver­fas­sungs­be­schwer­de mit Beschluss vom 02.11.2020 statt­ge­ge­ben und die Sache an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Sodann wur­de der Wert des Gegen­stands der anwalt­li­chen Tätig­keit auf 12.500 € fest­ge­setzt. Die finan­zi­el­le Bedeu­tung der Kos­ten­ent­schei­dung im Lich­te von Ein­kom­men und Ver­mö­gen der Beschwer­de­füh­re­rin, die objek­ti­ve Bedeu­tung des Fal­les und der Umfang sowie die Schwie­rig­keit der anwalt­li­chen Tätig­keit las­sen nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts einen Gegen­stands­wert von 12.500 € als ange­mes­sen erscheinen. 

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 3. März 2021 – 1 BvR 533/​20

  1. vgl. BVerfGE 79, 365 <369>[]
  2. dazu etwa BVerfG, Beschluss vom 13.01.2020 – 1 BvR 1155/​18[]