Hand­ak­ten – und ihre Her­aus­ga­be

Das anwalt­li­che Berufs­recht ver­pflich­tet einen Rechts­an­walt, nach der Been­di­gung eines Man­dats die von ihm geführ­ten Hand­ak­ten her­aus­zu­ge­ben, wenn der Man­dant die­se zur wei­te­ren Ver­fol­gung sei­ner Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten benö­tigt und die dem Anwalt zuste­hen­de Ver­gü­tung ent­rich­tet hat.

Hand­ak­ten – und ihre Her­aus­ga­be

Die­se Ver­pflich­tung des Rechts­an­walts besteht nicht zur zivil­recht­lich, son­dern auch berufs­recht­lich.

In dem hier vom Anwalts­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len Anwalts­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len – in Voll­zug des Revi­si­ons­ur­teils des Senats für Anwalts­sa­chen beim Bun­des­ge­richts­hof vom 03.11.2014 [1] – ent­schie­de­nen Fall ver­trat der berufs­recht­lich ange­schul­dig­te, heu­te 45-jäh­ri­ge Rechts­an­walt aus Neuss ein Ehe­paar aus Neuss in drei gericht­li­chen Verfahren.2008 wech­sel­te der Anwalt in eine Kanz­lei nach Kre­feld. Sei­ne Man­dan­ten ent­rich­te­ten die ihm zuste­hen­den Gebüh­ren und Aus­la­gen und beauf­trag­ten einen ande­ren Rechts­an­walt in Neuss mit der wei­te­ren Ver­fol­gung ihrer Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten. Die­ser for­der­te den ange­schul­dig­ten Anwalt von Juni 2008 bis Sep­tem­ber 2012 ver­geb­lich auf, ihm die Man­dan­ten-Hand­ak­ten zur Wei­ter­füh­rung des Man­dats her­aus­zu­ge­ben.

Der Anwalts­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len bejah­te nun­mehr – in Umset­zung der Recht­spre­chung des Anwalts­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs – neben der zivil­recht­li­chen auch eine berufs­recht­li­che Pflicht zur Her­aus­ga­be von Hand­ak­ten. Er hat des­we­gen den ange­schul­dig­ten Rechts­an­walt wegen Ver­let­zung sei­ner berufs­recht­li­chen Pflich­ten mit einem Ver­weis belegt und zur Zah­lung einer Geld­bu­ße in Höhe von 2.000 € ver­ur­teilt.

Das anlass­lo­se Zurück­hal­ten von Hand­ak­ten stel­le, so der Anwalts­ge­richts­hof, ein gra­vie­ren­des Fehl­ver­hal­ten des ange­schul­dig­ten Rechts­an­walts dar. Denn der Man­dant über­ge­be dem Rechts­an­walt sei­ne Unter­la­gen in dem Ver­trau­en, das sich der Rechts­an­walt für ihn ein­set­ze und dabei recht­mä­ßig ver­hal­te. Wer­de das Man­dat – aus wel­chen Grün­den auch immer – vor­zei­tig been­det und ver­fol­ge der Man­dant sei­ne Rechts­an­ge­le­gen­hei­ten mit einem ande­ren Rechts­an­walt wei­ter, kön­ne er mit Fug und Recht erwar­ten, dass er die sei­nem frü­he­ren Bevo llmäch­tig­ten aus­ge­hän­dig­ten Unter­la­gen zurück­er­hal­te. Sei sein frü­he­rer Bevoll­mäch­tig­ter hin­sicht­lich sei­ner Gebüh­ren und Aus­la­gen befrie­digt, gebe es kei­ner­lei Grund, der das Zurück­hal­ten von Hand­ak­ten recht­fer­ti­gen kön­ne. Ein sol­ches Ver­hal­ten sei dann mit der gewis­sen­haf­ten Berufs­aus­übung eines Rechts­an­walts unver­ein­bar und wider­spre­che im hohen Maße dem Ver­trau­en, wel­ches der frü­he­re Man­dant in den zuerst beauf­trag­ten Rechts­an­walt gesetzt habe.

Anwalts­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Urteil vom 29. Mai 2015 – 1 AGH 1/​15

  1. BGH, Urteil vom 03.11.2014 – AnwSt ® 5/​14[]