Meh­re­re Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten – und die Rechtsmittelfrist

Haben sich für einen Betei­lig­ten meh­re­re Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te mit umfas­sen­der Zustel­lungs­voll­macht bestellt, so ist für den Beginn des Laufs von ver­fah­rens­recht­li­chen Fris­ten die zeit­lich ers­te Zustel­lung an einen von ihnen aus­schlag­ge­bend1.

Meh­re­re Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten – und die Rechtsmittelfrist

Haben sich für einen Betei­lig­ten meh­re­re Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­te mit umfas­sen­der Zustel­lungs­voll­macht bestellt, so genügt wegen der aus § 11 Satz 5 FamFG iVm § 84 Satz 1 ZPO fol­gen­den Ein­zel­ver­tre­tungs­be­fug­nis die Zustel­lung an einen von ihnen2.

Für den Beginn des Laufs von ver­fah­rens­recht­li­chen Fris­ten ist daher die zeit­lich ers­te Zustel­lung an einen der Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten aus­schlag­ge­bend3.

Dem Betrof­fe­nen konn­te im hier ent­schie­de­nen Fall auch nicht Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand gegen die Ver­säu­mung der Rechts­be­schwer­de­frist gewährt wer­den. Er war nicht ohne sein Ver­schul­den im Sin­ne des § 17 Abs. 1 FamFG an der Ein­hal­tung der Frist ver­hin­dert, weil er sich das Ver­schul­den sei­nes Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten, Rechts­an­walt K., gemäß § 11 Satz 5 FamFG iVm § 85 Abs. 2 ZPO zurech­nen las­sen muss.

Daher dringt der Betrof­fe­ne mit sei­nem – im Übri­gen ohne die nach § 18 Abs. 3 Satz 1 FamFG erfor­der­li­che Glaub­haft­ma­chung auf­ge­stell­ten – Vor­brin­gen nicht durch, er sei von Rechts­an­walt K. über die am 17.07.2020 erfolg­te Zustel­lung der Beschwer­de­ent­schei­dung über­haupt nicht und von der an Rechts­an­walt S. am 30.07.2020 erfolg­ten Zustel­lung von die­sem erst mit E‑Mail vom 28.08.2020 infor­miert wor­den. Selbst wenn dies zutref­fen soll­te, beruht die Ver­säu­mung der Rechts­be­schwer­de­frist näm­lich auf einer Ver­let­zung der aus dem Man­dat fol­gen­den, anwalt­li­chen Pflicht von Rechts­an­walt K., den Betrof­fe­nen recht­zei­tig von der Zustel­lung und den sich dar­aus erge­ben­den Fol­gen für die Rechts­be­schwer­de­frist in Kennt­nis zu set­zen4. Dies steht einer Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand ent­ge­gen, ohne dass es nähe­rer Erör­te­rung bedarf, ob auch ein Ver­hal­ten von Rechts­an­walt S. pflicht­wid­rig und für die Frist­ver­säu­mung ursäch­lich war.

Weiterlesen:
Verjährung, Klagezustellung und Zahlung des Gerichtskostenvorschusses

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Janu­ar 2021 – XII ZB 386/​20

  1. im Anschluss an BGH Urteil vom 12.03.2019 – VI ZR 277/​18 , NJW 2019, 2397[]
  2. vgl. etwa BGH Beschluss vom 08.03.2004 – II ZB 21/​03 , FamRZ 2004, 865 mwN[]
  3. st. Rspr., vgl. etwa BGH Urteil vom 12.03.2019 – VI ZR 277/​18 , NJW 2019, 2397 Rn. 11 mwN[]
  4. vgl. BGH Beschlüs­se vom 18.07.2017 – VI ZR 52/​16 , NJW-RR 2017, 1210 Rn. 12 mwN; und vom 20.10.2020 – VIII ZA 15/​20 16 mwN[]