Notar­kos­ten – ihre Ver­jäh­rung und das miß­ach­te­te Zitier­ge­bot

Nach §§ 7, 17 Abs. 1 Satz 1 Kos­tO i.V.m. § 141 Kos­tO ver­jähr­ten Ansprü­che auf Zah­lung von Notar­kos­ten (Gebüh­ren und Aus­la­gen) in vier Jah­ren nach Ablauf des Kalen­der­jah­res, in wel­chem das gebüh­ren­pflich­ti­ge Geschäft been­det war bzw. die Aus­la­gen ent­stan­den sind.

Notar­kos­ten – ihre Ver­jäh­rung und das miß­ach­te­te Zitier­ge­bot

Die Beur­kun­dung des Grund­stücks­kauf­ver­tra­ges sowie eine damit in Zusam­men­hang ste­hen­de Ver­tre­tungs­be­schei­ni­gung sind mit der Unter­schrift des Notars unter die Nie­der­schrift been­det1.

Soweit die Kos­ten­rech­nung nicht den gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine ord­nungs­ge­mä­ße Kos­ten­an­for­de­rung durch den Notar in § 154 Abs. 2 Kos­tO ent­spricht, bewir­ken weder die zwi­schen­zeit­li­che Zusen­dung der Kos­ten­rech­nung an die Kos­ten­schuld­ner noch eine von dem Notar gewähr­te Stun­dung der Zah­lung noch eine Zah­lungs­auf­for­de­rung des Notars einen Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung nach § 17 Abs. 3 Satz 2 Kos­tO2.

Die Vor­schrift ver­lang­te u.a. die Bezeich­nung der Kos­ten­vor­schrif­ten, auf denen die Berech­nung beruht (Zitier­ge­bot). Dazu gehö­ren die Bestim­mun­gen, nach denen der Notar den Geschäfts­wert ermit­telt hat; dies gilt selbst dann, wenn der in der Kos­ten­rech­nung ange­setz­te Wert aus der nota­ri­el­len Urkun­de ersicht­lich oder nach­voll­zieh­bar berech­net ist3. Dem Zitier­ge­bot genügt eine Kos­ten­rech­nung nicht, wenn die für die Bemes­sung des Geschäfts­werts maß­geb­li­che Vor­schrift des § 20 Abs. 1 Kos­tO in ihr nicht genannt ist.

Der Ein­wand des Notars, im Zeit­punkt der Erstel­lung der Kos­ten­rech­nung sei es nach der Recht­spre­chung des für sei­nen Amts­be­zirk zustän­di­gen Kam­mer­ge­richts nicht erfor­der­lich gewe­sen, die für die Bemes­sung des Geschäfts­werts maß­geb­li­che Vor­schrift des § 20 Abs. 1 Kos­tO in der Kos­ten­rech­nung zu zitie­ren, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung. In der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und in der Lite­ra­tur wur­de näm­lich auch die gegen­tei­li­ge Ansicht ver­tre­ten4; eine höchst­rich­ter­li­che Klä­rung stand noch aus. Der Notar konn­te daher nicht dar­auf ver­trau­en, dass eine dem § 154 Abs. 2 Kos­tO ent­spre­chen­de Kos­ten­rech­nung die Anga­be der Bestim­mung zur Bemes­sung des Geschäfts­werts (§ 20 Abs. 1 Kos­tO) nicht erfor­der­te.

Dass der Notar die Kos­ten­rech­nung zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ergänzt und zur Begrün­dung des ange­setz­ten Geschäfts­werts die Vor­schrift des § 20 Abs. 1 Kos­tO zitiert hat, ist uner­heb­lich, wenn in die­sem Zeit­punkt der Kos­ten­an­spruch bereits ver­jährt war.

Ähn­li­ches gilt auch für einen Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung gemäß § 212 Abs. 1 Nr. 2 BGB auf­grund eines Voll­stre­ckungs­auf­trags des Notars:

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu dem inzwi­schen außer Kraft getre­te­nen § 17 Abs. 3 Satz 2 Kos­tO trat ein Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung durch die Auf­for­de­rung zur Zah­lung der Notar­kos­ten oder durch eine von dem Notar dem Kos­ten­schuld­ner mit­ge­teil­te Stun­dung nur ein, wenn eine der Vor­schrift des § 154 Abs. 2 Kos­tO genü­gen­de Kos­ten­rech­nung vor­lag5. Ent­spre­chen­des muss – für das alte Recht – im Rah­men von § 212 BGB gel­ten. Denn es stell­te einen Wer­tungs­wi­der­spruch dar, es dem Notar einer­seits zu ver­weh­ren, mit­tels einer Zah­lungs­auf­for­de­rung oder Stun­dung auf­grund einer den Anfor­de­run­gen des § 154 Abs. 2 Kos­tO nicht ent­spre­chen­den Kos­ten­rech­nung den Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung her­bei­zu­füh­ren, ihm jedoch ande­rer­seits die Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, einen sol­chen Neu­be­ginn durch die Bean­tra­gung und anschlie­ßen­de Durch­füh­rung einer Voll­stre­ckungs­hand­lung auf­grund einer sol­chen Kos­ten­rech­nung – ver­se­hen mit einer von ihm erteil­ten Voll­stre­ckungs­klau­sel – zu errei­chen6.

Zwar kann auch die voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung einer der Vor­schrift des § 154 Abs. 2 Kos­tO nicht genü­gen­den Kos­ten­be­rech­nung zur Ein­zie­hung des Kos­ten­be­trags im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung füh­ren, weil im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ledig­lich die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung nach § 155 Kos­tO i.V.m. § 724 Abs. 1, § 750 Abs. 1 ZPO (Titel, Klau­sel, Zustel­lung) geprüft wer­den. Auch tritt der Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung gemäß § 212 Abs. 1 Nr. 2 BGB unab­hän­gig davon ein, ob die Voll­stre­ckungs­maß­nah­me zuläs­sig ist7.

Der erneu­te Beginn der Ver­jäh­rung gilt aber ent­spre­chend § 212 Abs. 2 BGB als nicht ein­ge­tre­ten, wenn in einem Ver­fah­ren nach § 156 Abs. 1 Kos­tO fest­ge­stellt wird, dass die der Voll­stre­ckung zugrun­de­lie­gen­de Kos­ten­be­rech­nung den Anfor­de­run­gen des § 154 Abs. 2 Kos­tO nicht genügt. In mate­ri­el­ler Hin­sicht folgt dies dar­aus, dass eine sol­che Kos­ten­be­rech­nung als Grund­la­ge für die Ein­for­de­rung der Kos­ten aus­schei­det8. Ver­fah­rens­recht­lich kommt zum Tra­gen, dass der Kos­ten­schuld­ner Ein­wän­de gegen die for­mel­le und mate­ri­el­le Recht­mä­ßig­keit der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung der Kos­ten­rech­nung nicht im Wege der Klau­seler­in­ne­rung (§ 732 ZPO), der Klau­sel­ge­gen­kla­ge (§ 768 ZPO), der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge nach § 767 ZPO oder der Titel­kla­ge ana­log § 767 ZPO, son­dern aus­schließ­lich in dem Ver­fah­ren nach § 156 Kos­tO gel­tend machen kann9. Sein Ein­wand, eine Voll­stre­ckungs­hand­lung habe die Wir­kun­gen des § 212 Abs. 1 Nr. 2 BGB nicht her­bei­ge­führt, weil sie man­gels wirk­sa­men Titels unwirk­sam war, muss daher in die­sem Ver­fah­ren geprüft wer­den. Eine ent­spre­chen­de Fest­stel­lung wirkt dann wie die Auf­he­bung einer Voll­stre­ckungs­hand­lung wegen Man­gels der gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen im Sin­ne von § 212 Abs. 2 BGB.

Da vor­lie­gend die Kos­ten­rech­nun­gen dem Zitier­ge­bot des § 154 Abs. 2 Kos­tO nicht ent­spra­chen und daher kei­nen wirk­sa­men Voll­stre­ckungs­ti­tel dar­stell­ten, haben der auf ihrer Grund­la­ge erteil­te Voll­stre­ckungs­auf­trag und die dar­aus erwach­se­nen Voll­stre­ckungs­hand­lun­gen nicht zu einem Neu­be­ginn der Ver­jäh­rung geführt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Mai 2015 – V ZB 196/​13

  1. vgl. Lap­pe in Korintenberg/​Lappe/​Bengel/​Reimann, Kos­ten­ord­nung, 18. Aufl., § 7 Rn. 5; Assenmacher/​Mathias, Kos­tO, 16. Aufl., Stich­wort "Fäl­lig­keit" Nr. 1.2; Beck­OK-KostR/­Tous­saint, Edi­ti­on 6, § 7 Kos­tO Rn.07.1 []
  2. BGH, Beschluss vom 25.10.2005 – V ZB 121/​05, BGHZ 164, 355, 359 f. []
  3. BGH, Beschluss vom 23.10.2008 – V ZB 89/​08, NJW-RR 2009, 228 Rn. 25 []
  4. OLG Düs­sel­dorf, Jur­Bü­ro 2005, 151, 152; Hein­ze, Not­BZ 2007, 119, 121; Klein, RNotZ 2006, 628 f.; Klein/​Schmidt, RNotZ 2006, 340, 341; Lap­pe, NJW 1995, 1191, 1199 []
  5. BGH, Beschluss vom 25.10.2005 – V ZB 121/​05, BGHZ 164, 355, 360; sie­he aber zum neu­en Recht § 19 Abs. 5 GNot­KG []
  6. im Ergeb­nis eben­so OLG Hamm, OLGR 2003, 190, 191; OLG Düs­sel­dorf, OLGR 2001, 146, 150; Bengel/​Tiedtke in Korintenberg/​Lappe/​Bengel/​Reimann, Kos­ten­ord­nung, 18. Aufl., § 154a Rn. 14; Rohs/​Wedewer, Kos­ten­ord­nung, Stand Juni 2013, § 155 Rn. 2 und § 156 Rn. 13; Tiedt­ke, ZNotP 2004, 166, 167; Tiedtke/​Heitzer/​Strauß, Streif­zug durch die Kos­ten­ord­nung, 9. Aufl., Rn. 744; sie­he auch BT-Drs. 17/​11471 (neu) S. 158 []
  7. BGH, Urteil vom 29.04.1993 – III ZR 115/​91, BGHZ 122, 287, 295; Erman/­Schmidt-Räntsch, BGB, 14. Aufl., § 212 Rn. 16 []
  8. BGH, Beschluss vom 25.10.2005 – V ZB 121/​05, BGHZ 164, 355, 359 []
  9. OLG Düs­sel­dorf, OLGR 2002, 415 f.; OLG Olden­burg, NJW-RR 1998, 72 []