Schrift­sät­ze – und die nicht im Brief­kopf auf­ge­führ­te Rechts­an­wäl­tin

Wer­den die Schrift­sät­ze einer Part­ner­schafts­ge­sell­schaft von einer Rechts­an­wäl­tin unter­zeich­net, die nicht im Brief­kopf auf­ge­führt ist, so muss dies nicht zwin­gend "i.V." gesche­hen.

Schrift­sät­ze – und die nicht im Brief­kopf auf­ge­führ­te Rechts­an­wäl­tin

Das Gesamt­bild der ein­ge­reich­ten Schrift­sät­ze kann viel­mehr auch ohne die Ver­wen­dung des Zusat­zes "i.V." zwei­fels­frei erken­nen las­sen, dass die unter­zeich­nen­de Rechts­an­wäl­tin als Ver­tre­te­rin der Sozie­tät gehan­delt hat. Dies ergibt sich aus der Anga­be des Akten­zei­chens der Kanz­lei, der Aus­wei­sung der Rechts­an­wäl­tin als Sach­be­ar­bei­te­rin und der Ver­wen­dung des Plu­rals bei den Erklä­run­gen 1.

Im Übri­gen ist davon aus­zu­ge­hen, dass die unter­zeich­nen­de Rechts­an­wäl­tin mit ihrer Unter­schrift die inhalt­li­che Ver­ant­wor­tung für die Schrift­sät­ze über­neh­men will. Dies ent­spricht auch bei der Ver­tre­tung einer Part­ner­schafts­ge­sell­schaft dem Regel­fall 2.

Aus der bis­he­ri­gen Rechts­spre­chung der Zivil­ge­rich­te ergibt sich nichts ande­res. Die ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen bezie­hen sich auf ande­re Sach­ver­hal­te.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat­te mit sei­ner Ent­schei­dung vom 10.05.2011 3 einen Fall zu beur­tei­len, in dem der unter­zeich­nen­de Rechts­an­walt erkenn­bar nicht der Kanz­lei des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ange­hör­te und unklar blieb, ob er den Inhalt der Beru­fungs­schrift ver­ant­wor­ten will oder blo­ßer Erklä­rungs­bo­te ist. Die­se Unklar­hei­ten bestehen vor­lie­gend nicht.

Glei­ches gilt hin­sicht­lich des Urteils des Ober­lan­des­ge­richts Hamm vom 26.09.2014 4. Die feh­len­de Klar­heit der Ver­ant­wor­tung ergab sich dort aus der For­mu­lie­rung "für RA S, nach Dik­tat ver­reist".

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 13.08.2014 5 hat­te eine Unter­zeich­nung mit dem Zusatz "für Rechts­an­wäl­tin …" zu beur­tei­len. Die­se Pro­ble­ma­tik liegt hier nicht vor. Zudem kann die­ser Zusatz nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs dahin ver­stan­den wer­den, dass der Unter­zeich­nen­de ledig­lich sei­ne Unter­voll­macht zum Aus­druck brin­gen woll­te 6.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – 6 AZR 709/​14

  1. vgl. BGH 28.07.2005 – III ZB 56/​05, zu II 2 b aa der Grün­de[]
  2. vgl. zu einer Beru­fungs­schrift BAG 23.07.2009 – 8 AZR 357/​08, Rn. 25[]
  3. OLG Köln 10.05.2011 – 19 U 116/​10[]
  4. OLG Hamm 26.09.2014 – III‑3 RVs 72/​14[]
  5. BGH 13.08.2014 – 2 StR 573/​13, BGHSt 59, 284[]
  6. BGH aaO, Rn.19[]