Steu­er­schul­den – und der Ver­mö­gens­ver­fall des Rechts­an­walts

Für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit des Wider­rufs einer Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft ist allein auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens, mit­hin auf den Erlass des Wider­spruchs­be­scheids der Rechts­an­walts­kam­mer, abzu­stel­len; die Beur­tei­lung danach ein­ge­tre­te­ner Ent­wick­lun­gen ist einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten [1].

Steu­er­schul­den – und der Ver­mö­gens­ver­fall des Rechts­an­walts

Ein Ver­mö­gens­ver­fall ist gege­ben, wenn sich der Rechts­an­walt in unge­ord­ne­ten, schlech­ten finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen befin­det, die er in abseh­ba­rer Zeit nicht ord­nen kann, und außer­stan­de ist, sei­nen Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men; Beweis­an­zei­chen hier­für sind ins­be­son­de­re die Erwir­kung von Schuld­ti­teln und Voll­stre­ckungs­maß­nah­men gegen ihn [2].

Sol­che Beweis­an­zei­chen sind gege­ben, wenn das Finanz­amt gegen den Rechts­an­walt ein Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren wegen Steu­er­rück­stän­den betreibt [3]. Es ist danach Sache des Rechts­an­walts, das in dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren lie­gen­de Beweis­an­zei­chen für sei­nen Ver­mö­gens­ver­fall durch geeig­ne­ten Vor­trag aus­zu­räu­men. Soweit der Rechts­an­walt nur pau­schal gel­tend macht, eine erheb­li­che Redu­zie­rung der Steu­er­schul­den wer­de sich auf­grund des inso­fern anhän­gi­gen Finanz­ge­richts­ver­fah­rens erge­ben, fehlt es an hin­rei­chend kon­kre­tem und nach­voll­zieh­ba­rem Sach­vor­trag zu einer gerin­ge­ren Steu­er­schuld und ihren Grün­den.

Immo­bi­li­en­ver­mö­gen ist nur von Rele­vanz, wenn es dem Betrof­fe­nen zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Zulas­sungs­wi­der­rufs als liqui­der Ver­mö­gens­wert zur Til­gung sei­ner Ver­bind­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung gestan­den hat. Auf die Liqui­di­tät ent­spre­chen­der Mit­tel kommt es inso­weit nach stän­di­ger Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung ent­schei­dend an [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. April 2016 – AnwZ (Brfg) 1/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; und vom 10.03.2014 – AnwZ (Brfg) 77/​13 3 mwN[]
  2. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 aaO Rn 4; und vom 10.03.2014 aaO Rn. 3; jeweils mwN[]
  3. zu Voll­stre­ckungs­maß­nah­men des Finanz­amts als hin­rei­chen­den Beweis­an­zei­chen für den Ver­mö­gens­ver­fall vgl. BGH, Beschluss vom 20.12 2013 – AnwZ (Brfg) 40/​13, Beck­RS 2014, 02196 Rn. 6[]
  4. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 07.10.2013 – AnwZ (Brfg) 44/​13 5; und vom 09.02.2015 – AnwZ (Brfg) 46/​14 10; jeweils mwN[]