Tätig­keit einer euro­päi­schen Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft in Deutsch­land

Es reicht in Deutsch­land nicht aus, dass eine im EU-Aus­land nie­der­ge­las­se­ne Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft in sta­bi­ler und kon­ti­nu­ier­li­cher Wei­se eine Berufs­tä­tig­keit in Deutsch­land aus­übt. Maß­ge­bend ist eine stän­di­ge Prä­senz in Form von Geschäfts­räu­men in Deutsch­land 1.

Tätig­keit einer euro­päi­schen Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft in Deutsch­land

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­fi­nanz­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Kapi­tal­ge­sell­schaft bri­ti­schen Rechts mit einer Nie­der­las­sung in den Nie­der­lan­den wegen geschäfts­mä­ßi­ger Hil­fe in Steu­er­sa­chen für inlän­di­sche Steu­er­pflich­ti­ge zurück­ge­wie­sen.

Sach­ver­halt

Die Klä­ge­rin ver­tritt in die­sem Fall eine deut­sche Fir­ma. Das Finanz­amt hat die aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft gegen die Anord­nung einer Außen­prü­fung gerich­te­ten Ein­spruchs­ver­fah­ren die Klä­ge­rin als Bevoll­mäch­tig­te der betref­fen­den Fir­ma zurück­ge­wie­sen. Der Ein­spruch der Klä­ge­rin gegen den Bescheid blieb erfolg­los. Nach­dem das Finanz­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen hat­te, hat die Klä­ge­rin mit der Revi­si­on ins­be­son­de­re eine Ver­let­zung von Art. 56 AEUV gerügt.

Euro­päi­sches Recht:

Nach einer Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 17.12.2015 2 ist Art. 56 AEUV dahin aus­zu­le­gen, dass er es nicht zulässt, dass eine Rege­lung eines Mit­glied­staats, in der die Vor­aus­set­zun­gen für den Zugang zur Tätig­keit der geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen fest­ge­legt sind, die Dienst­leis­tungs­frei­heit einer Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft beschränkt, die nach den Rechts­vor­schrif­ten eines ande­ren Mit­glied­staats, in dem sie nie­der­ge­las­sen ist, gegrün­det wur­de und in die­sem Mit­glied­staat, in dem die steu­er­be­ra­ten­de Tätig­keit nicht regle­men­tiert ist, eine Steu­er­erklä­rung für einen Leis­tungs­emp­fän­ger im erst­ge­nann­ten Mit­glied­staat erstellt und an die Finanz­ver­wal­tung die­ses Mit­glied­staats über­mit­telt, ohne dass die Qua­li­fi­ka­ti­on, die die­se Gesell­schaft oder die natür­li­chen Per­so­nen, die für sie die Dienst­leis­tung der geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen erbrin­gen, in ande­ren Mit­glied­staa­ten erwor­ben haben, ihrem Wert ent­spre­chend aner­kannt und ange­mes­sen berück­sich­tigt wird.

Urteil des BFH

In sei­ner Ent­schei­dung vom 18.01.2017 hat der Bun­des­fi­nanz­hof aus­ge­führt, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts es für die Anwen­dung der uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten über das Nie­der­las­sungs­recht auf eine steu­er­be­ra­ten­de Tätig­keit in Deutsch­land nicht aus­reicht, in sta­bi­ler und kon­ti­nu­ier­li­cher Wei­se eine Berufs­tä­tig­keit in Deutsch­land aus­übt – eine stän­di­ge Prä­senz ist not­wen­dig. Die­se ist aber vom Finanz­ge­richt nicht fest­ge­stellt wor­den. Aller­dings bleibt die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts im Ergeb­nis aus ande­ren Grün­den rich­tig (§ 126 Abs. 4 FGO). Das Finanz­amt hat die Klä­ge­rin zu Recht gemäß § 80 Abs. 5 AO als Bevoll­mäch­tig­te zurück­ge­wie­sen, weil sie bei Erge­hen des Bescheids nicht über die erfor­der­li­che Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung oder einen ande­ren indi­vi­du­el­len oder kol­lek­ti­ven Schutz in Bezug auf die Berufs­haft­pflicht ver­füg­te. Sie war daher bei Erge­hen des Bescheids nicht zur geschäfts­mä­ßi­gen Hil­fe in Steu­er­sa­chen i.S. des § 80 Abs. 5 AO befugt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Janu­ar 2017 – II R 3/​14

  1. BFH, Urteil vom 19.10.2016 – II R 44/​12[]
  2. Rechts­sa­che C – 342/​14, X‑Steuerberatungsgesellschaft gegen Finanz­amt Han­no­ver-Nord[]