Über­lan­ge Post­lauf­zeit – und die Wie­der­ein­set­zung bei einem Einschreiben/​Rückschein

Das Hin­der­nis ent­fällt, wenn es nicht mehr unver­schul­det ist und eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand damit nicht mehr recht­fer­ti­gen kann.

Über­lan­ge Post­lauf­zeit – und die Wie­der­ein­set­zung bei einem Einschreiben/​Rückschein

Das ist der Fall, sobald ein Beschwer­de­füh­rer bezie­hungs­wei­se sein Bevoll­mäch­tig­ter Kennt­nis von der Frist­ver­säu­mung erhält oder bei Anwen­dung der von ihm in der kon­kre­ten Situa­ti­on zu erwar­ten­den Sorg­falt hät­te haben kön­nen und müs­sen 1.

Wird wie hier die Ver­sand­form des Ein­schrei­bens mit Rück­schein ver­wen­det, besteht die Mög­lich­keit einer ent­spre­chen­den Kennt­nis­er­lan­gung bereits mit dem Zugang des Rück­scheins, da die­ser das Datum der Post­zu­stel­lung aus­weist 2.

Für eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand müs­sen inner­halb der Wie­der­ein­set­zungs­frist (hier: des § 93 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG) alle inso­weit rele­van­ten Tat­sa­chen – sofern sie nicht offen­kun­dig sind – mit­ge­teilt wer­den. Ledig­lich deren Glaub­haft­ma­chung kann (hier: gemäß § 93 Abs. 2 Satz 3 BVerfGG) auch noch wäh­rend des wei­te­ren Ver­fah­rens erfol­gen 3.

Zu den hier­nach dar­zu­le­gen­den Tat­sa­chen gehö­ren auch die­je­ni­gen, aus denen sich ergibt, dass der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag recht­zei­tig nach dem Weg­fall des Hin­der­nis­ses gestellt wur­de 4. Dies dar­zu­le­gen hat die Beschwer­de­füh­re­rin ver­säumt. Dass der Antrag recht­zei­tig gestellt wor­den wäre, ist auch nicht nach Akten­la­ge offen­sicht­lich. Viel­mehr spricht mit Blick auf die gewöhn­li­chen Post­lauf­zei­ten eine Ver­mu­tung dafür, dass den Bevoll­mäch­tig­ten der Beschwer­de­füh­re­rin der Rück­schein so früh­zei­tig erreicht hat, dass der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag ver­spä­tet war.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Juni 2016 – 1 BvR 1643/​14

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.01.1991 – 1 BvR 1435/​89, NJW 1992, S. 38; Beschluss vom 13.04.1994 – 2 BvR 2107/​93, NJW 1994, S. 1856 f.; Beschluss vom 15.09.1998 – 1 BvR 1540/​98 7[]
  2. vgl. inso­weit auch BFH, Beschluss vom 14.12 1994 – II R 35/​92 6[]
  3. vgl. BVerfGK 9, 242, 244; BVerfG, Beschluss vom 05.10.1995 – 1 BvR 1566/​95 1; Beschluss vom 15.09.1998 – 1 BvR 1540/​98 6[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.03.1995 – 2 BvR 2119/​94, NJW 1995, S. 2544[]