Unwür­dig­keit für die Rechts­an­walt­schaft – oder: belei­di­ge nicht Dei­nen Staats­an­walt…

Nach § 7 Nr. 5 BRAO ist die Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft zu ver­sa­gen, wenn sich der Bewer­ber eines Ver­hal­tens schul­dig gemacht hat, das ihn unwür­dig erschei­nen lässt, den Beruf des Rechts­an­walts aus­zu­üben.

Unwür­dig­keit für die Rechts­an­walt­schaft – oder: belei­di­ge nicht Dei­nen Staats­an­walt…

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt, wenn der Bewer­ber ein Ver­hal­ten gezeigt hat, das ihn bei Abwä­gung die­ses Ver­hal­tens und aller erheb­li­chen Umstän­de wie Zeit­ab­lauf und zwi­schen­zeit­li­che Füh­rung nach sei­ner Gesamt­per­sön­lich­keit für den Anwalts­be­ruf nicht trag­bar erschei­nen lässt.

Alle für und gegen den jewei­li­gen Bewer­ber spre­chen­den Umstän­de sind ein­zel­fall­be­zo­gen zu gewich­ten, wobei im Hin­blick auf die mit der Ver­sa­gung der Zulas­sung ver­bun­de­ne Ein­schrän­kung der Berufs­wahl­frei­heit der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit beach­tet wer­den muss [1].

Von die­sem Maß­stab ist im vor­lie­gen­den Fall der Anwalts­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len [2] nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs zutref­fend aus­ge­gan­gen: Der Anwalts­ge­richts­hof hat inso­weit die von der Klä­ge­rin am 21.02.2011 began­ge­ne Straf­tat der Belei­dung des sie als Refe­ren­da­rin aus­bil­den­den Staats­an­walts als gra­vie­rend, wenn auch nicht dem Kern­be­reich der beruf­li­chen Tätig­keit eines Rechts­an­walts zuge­hö­rig ein­ge­stuft. Ihre Grund­ein­stel­lung wer­de zudem belegt durch eine wei­te­re belei­di­gen­de E‑Mail an eine Ober­staats­an­wäl­tin. Ihre dazu in der Haupt­ver­hand­lung gege­be­ne Erklä­rung, sie habe sich schlicht unge­recht behan­delt gefühlt, zei­ge ihre feh­len­de Ein­sicht. Rechts­feh­ler bei die­ser Bewer­tung zeigt die Antrag­stel­le­rin nicht auf. Dass Unein­sich­tig­keit einer güns­ti­gen Pro­gno­se ent­ge­gen­steht, hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits wie­der­holt aus­ge­spro­chen [3].

Dass § 7 Nr. 5 BRAO ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich ist, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits mehr­fach ent­schie­den [4]. Ob ein bestimm­tes Ver­hal­ten und/​oder eine ein­ma­li­ge Ver­ur­tei­lung zu einer Geld­stra­fe unter 90 Tages­sät­zen die Zulas­sung zur Anwalt­schaft hin­dern kann, ist eine Fra­ge der Umstän­de des Ein­zel­falls.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juni 2016 – AnwZ (Brfg) 10/​16

  1. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 10.05.2010 – AnwZ (B) 117/​09 4, 6 ff.; und vom 12.07.2010 – AnwZ (B) 116/​09 7 ff.; Urteil vom 10.10.2011 – AnwZ (Brfg) 10/​10, HFR 2012, 447 f. und Beschluss vom 28.03.2013, aaO S.197 Rn. 5 f.[]
  2. AnwGH NRW, Urteil vom 30.10.2015 – 1 AGH 25/​15[]
  3. vgl. Beschlüs­se vom 21.07.2008 – AnwZ (B) 12/​08, NJW 2008, 3569; und vom 15.06.2009 – AnwZ (B) 59/​08 11[]
  4. vgl. BVerfGE 63, 266, 286 ff.; Beschluss vom 21.09.2000 – 1 BvR 514/​97 Rn. 17[]