Ver­wer­tungs­ver­bo­te im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren eines Nota­res

Mit der Ver­wer­tung angeb­lich rechts­wid­rig gewon­ne­ner Erkennt­nis­se im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren eines Nota­res hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Ver­wer­tungs­ver­bo­te im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren eines Nota­res

In dem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren, in dem es um einen Treu­hand­ver­stoß im Sin­ne der § 23 BNo­tO, § 54a BeurkG sowie um den Vor­wurf ging, dass es der Notar unter­las­sen habe, sich über den Stand des Nach­lass­ver­wal­tungs­ver­fah­rens zu erkun­di­gen, nach der erfolg­ten Auf­he­bung des Ver­fah­rens den Ver­wal­ter zur Bewir­kung der Löschung auf­zu­for­dern und zeit­nah den – auch für die Bear­bei­tung der Löschungs­an­trä­ge erfor­der­li­chen – Antrag auf Eigen­tums­um­schrei­bung zu stel­len, mach­te der Notar gel­tend, sämt­li­che im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gewon­ne­nen Erkennt­nis­se dürf­ten nicht zu sei­nen Las­ten ver­wer­tet wer­den, weil Kennt­nis von die­sen Umstän­den durch ein rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten der mit Grund­buch­sa­chen befass­ten Rechts­pfle­ge­rin beim Amts­ge­richt Sulin­gen erlangt wor­den sei­en.

Der Bun­des­ge­richts­hof folg­te die­sem Ein­wand nicht, wobei offen blei­ben konn­te, ob der Vor­trag des Notars zutrifft, wonach die Rechts­pfle­ge­rin die Ver­käu­fe­rin auf­ge­for­dert hat, sich beim Vize­prä­si­den­ten des Land­ge­richts über den Notar zu beschwe­ren, und das ent­spre­chen­de Beschwer­de­schrei­ben vor­for­mu­liert hat. Es bedurf­te auch kei­ner Ent­schei­dung, ob ein sol­ches Ver­hal­ten der Rechts­pfle­ge­rin rechts­wid­rig wäre. Denn selbst wenn dies der Fall wäre, ergä­be sich hier­aus jeden­falls nicht das Ver­bot, die im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ermit­tel­ten und der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung zugrun­de geleg­ten Tat­sa­chen zu Las­ten des Notars zu ver­wer­ten.

Das nach der Auf­fas­sung des Notars in rechts­wid­ri­ger Wei­se her­ge­stell­te Schrei­ben der Ver­käu­fe­rin wur­de im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren nicht als Beweis­mit­tel ver­wer­tet. Es ver­an­lass­te den Vize­prä­si­den­ten des Land­ge­richts Ver­den ledig­lich dazu, den Notar um Stel­lung­nah­me zur Abwick­lung des Kauf­ver­tra­ges und um Vor­la­ge der Akten zu bit­ten. Erst die Reak­ti­on des Notars, ins­be­son­de­re der Erlass sei­nes Zwi­schen­be­scheids vom 28.02.2013, und die Durch­sicht der Akten, aus denen sich sämt­li­che in der Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung zugrun­de geleg­ten Umstän­de erge­ben, führ­ten zur Ein­lei­tung des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens.

Die sich aus den Akten erge­ben­den Erkennt­nis­se hät­te der Beklag­te aber jeder­zeit durch eine – im Rah­men der Dienst­auf­sicht gemäß § 93 Abs. 1 Satz 2 BNo­tO ohne wei­te­res zuläs­si­ge – Zwi­schen­prü­fung oder Stich­pro­be beim Notar gewin­nen kön­nen. Durch das vom Notar behaup­te­te Ver­hal­ten der Rechts­pfle­ge­rin wur­de auch sein Recht auf ein fai­res Ver­fah­ren in kei­ner Wei­se beein­träch­tigt. Sei­ne Mög­lich­kei­ten, Ein­fluss auf den Gang und das Ergeb­nis des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens zu neh­men, wur­den in kei­ner Wei­se ein­ge­schränkt1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2015 – NotSt(Brfg) 8/​14

  1. vgl. zu den Anfor­de­run­gen an ein Beweis­ver­wer­tungs­ver­bot: BVerfGE 130, 1 116 ff.; BVerfG, NVwZ 2005, 1175 []