Vor­frist – und die Fris­ten­kon­trol­le durch den Rechts­an­walt

Es gereicht einem Rechts­an­walt nicht zum Ver­schul­den, wenn er bei Vor­le­gung einer aus­drück­lich als Vor­frist­sa­che gekenn­zeich­ne­ten Akte sowohl die Bear­bei­tung als auch die gebo­te­ne Prü­fung, ob das Fris­ten­de rich­tig ermit­telt und fest­ge­hal­ten ist, nicht bereits am Tag der Vor­la­ge, son­dern erst am nächs­ten Tag vor­nimmt 1.

Vor­frist – und die Fris­ten­kon­trol­le durch den Rechts­an­walt

Hät­te der Rechts­an­walt die Akte unbe­ar­bei­tet und ohne wei­te­re Ver­fü­gung zurück­ge­ge­ben, hät­te er sei­nen Prü­fungs­pflich­ten jeden­falls nicht genügt 2.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat der Rechts­an­walt sei­ner eige­nen eides­statt­li­chen Erklä­rung zufol­ge die Akte jedoch im Zeit­raum zwi­schen der Vor­la­ge und dem Frist­ab­lauf bear­bei­tet. Er hat sich näm­lich dar­auf beru­fen, die Sach­be­ar­bei­te­rin habe "den bespro­che­nen Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag" erst am 1.03.2016 zur Unter­schrift vor­ge­legt. Die gebo­te­ne eigen­ver­ant­wort­li­che Prü­fung, ob das Fris­ten­de rich­tig ermit­telt wor­den ist 3, hat er jedoch unter­las­sen. Soll­te er in der Zeit zwi­schen Vor­la­ge auf­grund der Vor­frist und dem Frist­ab­lauf untä­tig geblie­ben sein, ent­las­tet ihn dies eben­falls nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Novem­ber 2016 – AnwZ (Brfg) 5/​16

  1. BGH, Beschluss vom 17.06.1999 – IX ZB 32/​99, NJW 1999, 2680; vom 05.10.1999 – VI ZB 22/​99, NJW 2000, 365, 366 unter II.1c[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 17.06.1999, aaO[]
  3. vgl. hier­zu auch BGH, Beschluss vom 17.02.2009 – VI ZB 33/​07 9[]